Toto Wolff (Mercedes): «In Baku werden Schwächen sehr schnell offengelegt»
Mercedes führt beide WM-Tabellen an. Aber Teamchef Toto Wolff betont: In der Schlussphase der Saison stehen entscheidende Rennen bevor – in denen die Führung gefestigt oder verloren werden kann.
Mercedes-Pilot Kimi Antonelli geht als WM-Leader und gestärkt durch zwei Siegen in Serie in die Schlussphase der Saison 2026. Der erst 20-jährige Italiener hat 81 Punkte Vorsprung auf seinen Teamkollegen George Russell, der wiederum 20 Punkte vor seinem Ex-Kollegen Lewis Hamilton (jetzt Ferrari) liegt.
Wolff: «Wir sehen das realistisch»
Teamchef Toto Wolff mahnt aber zur Besonnenheit: «Die Ergebnisse der letzten beiden Rennwochenenden waren gut, ändern jedoch nichts an unserer Einschätzung der aktuellen Lage. Es gibt mehrere Teams, die an jedem Wochenende ganz vorne mitkämpfen können. In Madrid haben wir zwar gut abgeschnitten, aber auch davon profitiert, dass während des Rennens vieles für uns lief. Wir sehen das realistisch.» Was Wolff meint: Lando Norris von McLaren startete von der Pole und hätte ohne ein für ihn ungünstiges Virtuelles Safety-Car wohl auch gewonnen. Selbst Rennsieger Kimi Antonelli sagte nach dem Spanien-GP, dass eigentlich Norris den Sieg verdient hätte.
Und schon nach dem Rennen in Madrid hatte Wolff zur augenscheinlich optimistisch wirkenden WM-Tabelle gesagt: «Es ist ein mechanischer Sport. Man kann mal Rennen nicht beenden, man kann einen Unfall haben... Meiner Meinung nach sollten wir die Punkte einfach ignorieren, bis es rechnerisch nicht mehr realistisch ist oder bis es für sie praktisch keine Chance gibt, und uns stattdessen auf jede einzelne Woche konzentrieren und versuchen, unser Bestes zu geben.» Vorzeitig wird also bei den Silberpfeilen noch niemand den Champagner hervorkramen.
Die Schlussphase der Formel-1-Saison hat es auch wirklich in sich. Als nächstes stehen zwei Triple-Header, also sechs Rennen binnen sieben Wochen an. Auch für
Position festigen – oder verlieren?
Wolff: «Es wird eine anstrengende Zeit für das gesamte Team, sowohl in den Fabriken als auch an der Rennstrecke. Die Erholungszeit zwischen den Rennen ist sehr kurz, weshalb Vorbereitung, Zuverlässigkeit und operative Umsetzung noch wichtiger werden. Das sind die Momente, in denen wir unsere Position in der Weltmeisterschaft festigen oder verlieren können.»
In dieser Woche wird aber erst mal in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku gefahren. Wolff: «Die Strecke zählt zu den ungewöhnlichsten im Kalender. Sie ist sehr anspruchsvoll für Fahrer und Fahrzeuge. Man braucht eine gute Geschwindigkeit auf den Geraden, Selbstvertrauen in den Bremszonen und ein Auto, das die langsamen Kurven in der Altstadt gut meistern kann.» Die Safety-Car-Wahrscheinlichkeit beziffert Mercedes mit 60 Prozent.
Wolff sagt abschließend: «Die jüngsten Ergebnisse waren zwar ermutigend, aber sie garantieren nichts.» Denn der Österreicher mahnt: «In Baku werden Schwächen sehr schnell offengelegt. Wir müssen das Wochenende bescheiden angehen, die Grundlagen gut umsetzen und uns jeden Punkt hart erkämpfen.» Wolff selbst wird in Baku allerdings nicht vor Ort sein.
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