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Rebellen des Motorsports: Ihre Nonkonformität machte sie zu Legenden

Sie stellten sich gegen Verbände, Werke und Traditionen – und wurden dadurch unsterblich. Der Motorsport braucht Rebellen, auch wenn das Establishment sie am liebsten losgeworden wäre.

MotoGP

Im Artikel erwähnt




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Gehorsam war noch nie eine Voraussetzung, um im Motorsport unsterblich zu werden. Im Gegenteil: Manche der prägendsten Figuren der Branche haben ihre Karriere genau damit aufgebaut, dass sie sich weigerten, sich anzupassen. Sie boykottierten Rennstrecken, provozierten Funktionäre oder bauten sich lieber ihre eigenen Motorräder, als sich einem Werk unterzuordnen – und wurden dafür von den Fans geliebt.

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Wenn ich Straßenmaschinen sehen will, fahre ich zum Trafalgar Square

barry sheene über superbikes

Barry Sheene, zweifacher 500-ccm-Weltmeister 1976 und 1977 auf Suzuki, war Playboy, Superstar und Revoluzzer in einer Person. Der Brite rebellierte gegen das Establishment und sorgte nicht nur im Sattel für Schlagzeilen. Er verweigerte nach seinem ersten Auftritt alle weiteren Teilnahmen an der Tourist Trophy, weil er den 60,8 km langen Mountain Course auf der Insel Man für nicht mehr zeitgemäß hielt – die hartgesottenen TT-Fans nahmen ihm diese Ablehnung lange übel. 1976 schwänzte er zudem den WM-Lauf auf der 22,8-km-Nordschleife des Nürburgrings, weil er den Titel schon sicher hatte. Nach dem Salzburgring-GP 1977, bei dem der Schweizer Hans Stadelmann tödlich verunglückte, kämpfte Sheene öffentlich für größere Sturzräume, Rettungshelikopter und mehr Sicherheit – gegen den Widerstand der FIM-Funktionäre.

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Den Viertakt-Superbikes, die in Großbritannien immer populärer wurden, konnte Sheene nichts abgewinnen. «Wenn ich Straßenmaschinen sehen will, fahre ich zum Trafalgar Square», ätzte er. Am Ende setzte sich der Rebell durch: 1977 wanderte der Grand Prix von der Insel Man nach Silverstone – ohne Sheenes beharrliche Verweigerung wäre die gefährliche Strecke wohl noch Jahre im Kalender geblieben.

Marco Simoncelli: «Sbatti i coglioni»

Auch Marco Simoncelli, 250-ccm-Weltmeister 2008 auf Gilera, ließ sich nicht verbiegen. Der Italiener hatte sich den nicht sehr gebräuchlichen Ausdruck «sbatti i coglioni» – sinngemäß «das ist mir scheißegal» – zum Lebensmotto gemacht. Ein Nonkonformist, ein Rebell, ein Draufgänger, ein Kämpfer – sein Charisma reichte an jenes von Valentino Rossi heran. Seine respektlose Fahrweise und seine Fehden gegen die spanische Konkurrenz in der 250-ccm-Ära waren berüchtigt, mit Jorge Lorenzo geriet er vor dem Portugal-GP 2011 öffentlich aneinander. Als die Dorna den Japan-GP 2011 nach der Atomkatastrophe von Fukushima verlegte und viele im Fahrerlager Angst vor der Strahlung hatten, ließ sich Simoncelli provokativ mit einem Geigerzähler in der Boxengasse fotografieren.

Der Tod des Italieners beim Malaysia-GP 2011 in Sepang bewegte die Motorradwelt so tief wie seit Ayrton Senna 1994 kein Rennunfall mehr. Die Startnummer 58 wird in der MotoGP-Klasse seither nicht mehr vergeben, die GP-Piste in Misano trägt seinen Namen.

Kenny Roberts: «Ich war der Zeit immer voraus»

Dass sich Rebellion im Motorsport nicht nur auf der Strecke abspielt, zeigte Kenny Roberts senior. Der dreifache 500-ccm-Weltmeister (1978, 1979, 1980) trennte sich 1996 nach 20 Jahren im Unfrieden von Yamaha. «Bei Yamaha gibt es einige Leute, auf die würde ich nicht einmal pinkeln, wenn sie lichterloh brennen», stellte Roberts unverblümt klar. Statt sich einem Werk unterzuordnen, baute er sich seine eigenen GP-Maschinen: Erst die 500-ccm-Dreizylinder-Modenas, finanziert vom malaysischen Hersteller Modenas, später die Proton-KR mit V5-Motor. Gegen die japanischen Werke und Ducati hatte die Bastelfirma keine Chance – 2002 in Australien holte Jeremy McWilliams mit der V3-Modenas dennoch die letzte 500-ccm-Pole-Position der Geschichte gegen die damals neuen 990-ccm-Viertakter.

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«Ich hatte es satt, immer die gleiche Trommel zu schlagen», erklärte Roberts seinen Bruch mit Yamaha. «Ich kann nicht mehr schlafen, also werde ich das ändern.» Bereut hat er sein teures Experiment bis heute nicht: «Vielleicht wollte ich manche Dinge in meinem Leben zu früh verändern. Das habe ich immer gemacht. Ich war der Zeit immer voraus.»

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