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Sportwagen
Kolumne

Porsche 924 turbo-Rennversion: Test vor dem großen Auftritt in Le Mans 1980

So etwas gab es nur früher: Bevor Porsche mit einem Auto nach Le Mans ausrückte, erhielten Journalisten die Gelegenheit, dieser Rennversion bei Testfahrten auf die Zahnräder zu fühlen.

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Test mit dem Porsche 924 turbo
Test mit dem Porsche 924 turbo
Foto: Hellgut
Test mit dem Porsche 924 turbo
© Hellgut

Solche Aufträge liebt der Motorsport-Journalist: An einem typischen Hamburger scheußlichen Februar-Tag 1980 rief uns – das war außer mir mein Kollege vom Technik-Ressort von „rallye racing“, Peter Hellgut – der Chefredakteur in sein Büro und eröffnete uns: „Ihr fahrt nach Le Castellet, dort testet Porsche die Rennversion des 924 turbo. Ich habe alles mit Porsche klar gemacht – Ihr seid angemeldet.“

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Ich sollte eine Reportage über den Verlauf des Tests schreiben, Hellgut, gelernter Dipl.-Ing., den Technikern auf die Finger und in die Notizen schauen. Die Aussicht auf Mittelmeer, Wärme und Sonne ließ uns frohlocken.

So etwas ließen wir uns nicht zweimal sagen. Hellgut, der auch das Kommando über unsere Testwagen hatte, wählte wohlweislich eine Toyota Corolla mit sportlichen Anlagen und für die damalige Zeit üppige 110 PS aus – wenn alles gut ging, sollte es wohl eine zügige Fahrt werden.

Zufällig liegt der wunderbare Skiort Courchevel in den französischen Seealpen direkt auf der Anfahrt, und da wir gut im Zeitplan waren, fragte ich, halb im Ernst, halb nur so, ob wir nicht ´ne Runde Ski fahren wollten. Mein Compagnon war begeistert: «Hab´ ich noch nie gemacht, wollt´ ich schon immer mal ausprobieren.»

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Kurzum, ich verpasste dem armen Kerl ein Paar Leihski und die einfachsten Kniffe auf dem Idiotenhügel und – ich wollte es nicht glauben – nach einigen Flüchen rutschte er tatsächlich den kleinen Hang hinunter.

Das Zwischenspiel hatte uns noch mehr ermuntert, nun unserer eigentlichen Aufgabe nachzugehen. Die Porsche-Truppe um Projektleiter Norbert Singer und Peter Falk war bereits voll im Testmodus und hieß uns freundlich willkommen. Es ging darum, dem jüngsten «Baby» 924 die Rennerei beizubringen.

Geplant war ein großer Einsatz beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans in einem knappen Vierteljahr. Die Technik war klar: 900 kg, 320 Turbo-PS aus dem Vierzylinder, superbreite Backen, Überrollkäfig und modifiziertes Fahrwerk.

Hintergrund für das 14-tägigen Grundabstimmungs- und Funktions-Programm der gut zehnköpfigen Testmannschaft war die Vorbereitung für einen möglichst publikumswirksamen Auftritt beim wichtigsten Rennen des Jahres.

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Dahinter steckte natürlich Verkaufsstrategie: Der 924 wird in weiten Automobilisten-Kreisen gar nicht als echter Porsche anerkannt. Von Porsche-Audi ist da ab und an die schmähliche Rede, weil er von dem gleichen Motor wie der gute alte Audi 100 angetrieben wird. Mit dem sportlichen Einsatz hoffen die Marketing-Strategen, das Porsche-Image des Kleinen zu verbessern. Am Rande sei vermerkt, dass dies auch die Motivation für unsere freundliche Einladung war.

Unsere zwei Tage in Le Castellet waren geprägt von der professionellen Routine derartiger Versuchsreihen: Am Fahrwerk wurde justiert und probiert, die Testpiloten Günter Steckkönig und Derek Bell berichteten fein säuberlich von den Reaktionen auf die jeweiligen Feinabstimmungen.

Der Porsche drehte regelmäßig Runde um Runde und währenddessen animierte mich Dunlops Reifen-Guru Dieter Glotzbach («gell, Sie laufen doch auch») zu einer Joggingrunde um die knapp sechs Kilometer lange Grand-Prix-Strecke, was Derek Bell beim mehrfachen Vorbeibrausen jeweils mit Applaus in Form eines Highspeed-Wedlers auf der Mistral-Geraden bedachte.

Schließlich gab Weltklasse-Pilot Bell zu Protokoll: «Das bemerkenswerteste am Porsche 924 in Rennversion ist nach meinem Empfinden die Art, wie sich vorgenommene Fahrwerksveränderungen deutlich in Rundenzeiten ablesen lassen. Das Fahrwerk spricht auf die kleinsten Korrekturen an, so dass wir hier in Le Castellet sehr schnell mit der Feinabstimmung beginnen konnten.»

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Der zu erwartenden Unterlegenheit auf dem Motorensektor ist man sich bewusst, aber, so legt Norbert Singer den Standpunkt fest, «wir bauen auf die Zuverlässigkeit» und er fügt schmunzelnd hinzu «und auf die Unzuverlässigkeit der anderen».

Mit dem guten Gefühl, Stoff für eine lesenswerte Story zusammen getragen zu haben, schwangen wir uns im Süden Frankreichs in unsere Corolla und düsten gen Norden – 1.600 km in zwölf Stunden, wir wollten schließlich sportlich unterwegs sein. So etwas ging damals noch, ohne Gefahr zu laufen, irgendwo eingebuchtet zu werden. Wir konnten es uns daher auch nicht verkneifen, noch kurz einen Abstecher an die Ostsee zu machen.

Für Porsche sollten sich die Mühe, die Sorgfalt und der Zeitaufwand an der Cote d´Azur lohnen: Der bestplatzierte der drei Rennneulinge – unter Jürgen Barth und Manfred Schurti – beendete die Tortur auf dem nie erwarteten sechsten Gesamtrang. Die drei Werkswagen schnurrten leise, schnell und zuverlässig im kraftstrotzenden Feld dahin.

Erst in den letzten Stunden kamen Sorgen auf, als Bell und Rouse fast gleichzeitig mit je einem durchgebrannten Ventil an der Box nach weiteren Befehlen fragten. Die waren – wie sollte es anders sein – eindeutig: Weiterfahren!

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