BMW nach Toprak: Warum das neue Chassis für 2027 so wichtig ist
Mit einem neuen Rahmen will BMW den Fahrern in der Superbike-WM mehr Gefühl vermitteln. Testpilot Michael van der Mark erklärt exklusiv, weshalb das Potenzial der M1000RR derzeit schwer abrufbar ist.
Mehr Rückmeldung, ein besser einschätzbares Limit und damit leichter zugängliche Performance: BMW setzt bei der Entwicklung der M1000RR für die Superbike-WM 2027 an einem zentralen Kritikpunkt der aktuellen Maschine an. Das neue Homologationsmodell erhält einen überarbeiteten Rahmen, in den Erfahrungen mit dem bis Ende 2024 verwendeten Super-Concession-Chassis eingeflossen sind.
An einigen Stellen ist die Konstruktion weicher ausgelegt. Diese gezielt abgestimmte Flexibilität soll dem Fahrer vor allem in Schräglage mehr Feedback geben. Genau daran mangelt es Miguel Oliveira und Danilo Petrucci bei der aktuellen BMW. Testfahrer Michael van der Mark kennt die Schwierigkeiten aus eigener Erfahrung und arbeitet daran, das Motorrad für die kommende Saison zu verbessern.
Neues BMW-Chassis besser, aber keine Wunderwaffe
Im Exklusivgespräch mit SPEEDWEEK.com dämpfte der Niederländer allerdings die Erwartung, dass BMW ein völlig anderes Konzept auf die Räder stellt. «Der Rahmen ist weiterhin schwarz, besteht aus Aluminium und sieht genauso aus. Ja, es kommt ein Update. Ehrlich gesagt wird es einen Unterschied machen, aber es wird die Welt nicht auf den Kopf stellen, weil wir uns weiterhin innerhalb bestimmter Regeln bewegen müssen.»
Für van der Mark geht es darum, den Fahrern das Ausschöpfen des vorhandenen Potenzials zu erleichtern. «Das Problem ist derzeit, dass es schwierig ist, das Maximum aus diesem Paket herauszuholen. Mit dieser Lösung wird es für die Fahrer etwas einfacher, das Limit zu finden und mehr aus dem Motorrad herauszuholen. Aber wie gesagt: Die Grundidee und die Konstruktion bleiben ähnlich. Wenn die Fahrer zumindest das Gefühl bekommen, mehr Spielraum zu haben, wird sie das ohnehin schneller machen.»
Damit beschreibt der BMW-Testpilot einen Unterschied, der auf dem Papier unspektakulär erscheinen mag, auf der Strecke aber entscheidend sein kann. Ein Fahrer muss erkennen können, wie nah er der Grenze kommt und welche Reserven ihm bei einer abweichenden Linie oder einem kleinen Fehler bleiben. Fehlt diese Rückmeldung, lässt sich das theoretische Potenzial kaum zuverlässig nutzen.
Nur ein Fahrer kam mit dem aktuellen Chassis zurecht
Die Probleme von Oliveira und Petrucci erinnern van der Mark an seine eigene Saison 2025. Nach einem erfolgreichen Jahr 2024 und dem WM-Erfolg von Toprak Razgatlioglu durfte BMW das Super-Concession-Chassis nicht mehr einsetzen und musste zur Serienlösung der aktuellen M1000RR zurückkehren. Razgatlioglu holte auch damit den Titel, doch sein Teamkollege tat sich mit dem neuen Paket deutlich schwerer.
«Wir haben gesehen, dass eine Person damit zurechtkam: Das war Toprak. Aber viele haben das nicht geglaubt. Jetzt sehen wir die Realität», kommentierte van der Mark. Razgatlioglu konnte mit seinem besonderen Fahrstil Schwierigkeiten kompensieren, die andere BMW-Piloten stark einschränken. Für van der Mark erklärt das auch, weshalb die Erfolge der M1000RR in anderen Meisterschaften nicht automatisch auf die Superbike-WM übertragbar sind.
Mehr Rückmeldung vom Motorrad der Schlüssel zum Erfolg?
«Das Motorrad ist in der Stock-Klasse, in der IDM oder auch im Langstreckensport großartig. Aber mit dem WM-Motor das volle Potenzial herauszuholen, ist einfach sehr schwierig. Wenn ich von außen zuschaue, sehe ich dieselben Probleme, die ich hatte. Das ist schwierig, weil man weiß, was möglich ist. Aber so ist die Situation.»
Den Kern des Problems sieht van der Mark deshalb weniger in grundsätzlich fehlender Leistungsfähigkeit als im begrenzten Gefühl für das Motorrad am Limit. «Es fehlt ein bisschen an Rückmeldung vom Motorrad. Wir fahren immer am Maximum dessen, was wir können. Aber wenn dir das Motorrad nicht genug Feedback gibt, ist es sehr schwierig, das Limit zu finden. Und es verzeiht nicht so viel.»
Gerade diese Kombination macht es schwer, konstant schnell zu fahren. «Weil die Rückmeldung begrenzt ist, weißt du nicht, wie viel es dir verzeiht, wenn du eine kleine Änderung vornimmst oder eine andere Linie fährst. Deshalb ist es mit diesem Motorrad schwierig, immer genau im richtigen Bereich zu bleiben.»
Der neue Rahmen soll für 2027 genau dort helfen. Van der Mark erwartet keine grundlegende Verwandlung der M1000RR, wohl aber eine Verbesserung, die den Fahrern mehr Vertrauen gibt. Denn die Performance ist vorhanden. Die Entwicklungsaufgabe besteht darin, sie auch ohne Razgatlioglus außergewöhnlichen Fahrstil verlässlich nutzbar zu machen.
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach





