Weniger Leistung, künstliche Balance: BSB als Vorbild für die Superbike-WM?
Weniger Leistung, mehr Chancengleichheit: Die BSB stellt ihr Technikpaket für 2027 um. Das Konzept könnte auch für die Superbike-WM interessant werden, wenn ab 2030 größere Motoren erlaubt sind.
Die Britische Superbike-Meisterschaft wagt für 2027 einen grundlegenden technischen Neustart. Mit ihrer «Next Generation»-Plattform will die BSB die Leistungsunterschiede zwischen den Motorrädern reduzieren, mehr Herstellern eine realistische Erfolgschance bieten und die Kosten begrenzen. Für die Superbike-WM könnte das Konzept zum interessanten Vorbild werden.
Hinter dem Umbau steckt eine Entwicklung, die auch die WM betrifft: Das Angebot an neuen 1000er-Supersportlern schrumpft. Gleichzeitig unterscheiden sich die verfügbaren Motorräder hinsichtlich ihres Alters, ihrer Motorenkonzepte und ihres Leistungspotenzials zunehmend. Die BSB reagiert darauf mit einer Balance of Performance, wie sie grundsätzlich bereits aus den Kategorien Supersport Next Generation und Sportbike bekannt ist.
Das Herzstück bildet eine neue Elektronik von Mectronik, die das bisherige Einheitssteuergerät der BSB ersetzt. Über ein drehmomentbasiertes Motormanagement soll jedes zugelassene Modell innerhalb eines definierten Leistungsfensters arbeiten.
Weniger Leistung als die Serienmodelle
Als Ausgangspunkt nennt die BSB eine Leistung von rund 200 bhp, entsprechend etwa 203 PS. Entscheidend ist aber nicht nur die Spitzenleistung: Auch die Drehmomententfaltung über den gesamten Drehzahlbereich soll kontrolliert werden. Sobald Renndaten vorliegen, soll aus der anfänglichen Angleichung der Motorleistung eine umfassendere Angleichung der tatsächlichen Performance entstehen.
Auf den teilweise sehr kompakten britischen Traditions-Rennstrecken ist die Begrenzung des Leistungspotenzials ein nachvollziehbarer Schritt. Zugleich soll sie die Motoren entlasten, deren Lebensdauer verlängern und den Bedarf an Austauschaggregaten senken. Davon verspricht sich die Serie einen spürbaren Kostenvorteil.
Auch beim erlaubten technischen Aufwand will die BSB differenzieren. Moderne Superbikes sollen deutlich näher am Serienzustand bleiben. Ältere Modelle dürfen hingegen dort definierte Komponenten erhalten, wo diese notwendig sind, um das vorgegebene Leistungsfenster zu erreichen.
«Das Ziel ist, ein Umfeld zu schaffen, in dem eine deutlich größere Bandbreite an Herstellern realistisch konkurrenzfähig sein kann. Wir wollen den Bedarf an kostspieliger Entwicklung reduzieren und gleichzeitig Teams und Fahrern ermöglichen, den Unterschied zu machen», erklärt MSV-Geschäftsführer Jonathan Palmer. «Unser Anspruch ist, dass jede vertretene Marke mit der richtigen Kombination aus Team und Fahrer das Potenzial hat, vorne mitzukämpfen.»
BSB denkt um: Fahrhilfen werden erlaubt
Eine weitere wesentliche Neuerung betrifft die Fahrhilfen. Das neue Paket umfasst eine auf Trägheitssensoren basierende Traktionskontrolle sowie Anti-Wheelie und Launch-Control. Die kontrollierte Einführung dieser Systeme soll zudem den Wechsel aus den Nachwuchsklassen oder anderen Meisterschaften erleichtern.
BSB-Seriendirektor Stuart Higgs spricht von einem tiefgreifenden Neustart: «Die Änderungen stellen eine grundlegende Neuausrichtung der Meisterschaft dar. Wir nutzen bewährte technische Prinzipien, um die Breite des Wettbewerbs zwischen Herstellern, Teams und Fahrern wieder zu stärken. Es ist nicht das erste Mal, dass die BSB die notwendigen Schritte unternimmt, um neue sportliche und technische Lösungen zu entwickeln und einzuführen.»
Was bedeutet das für die Superbike-WM?
Für die Superbike-WM lohnt sich deshalb ein genauer Blick nach Großbritannien. Ab 2030 steigt die
Ein größerer Hubraum bedeutet allerdings nicht automatisch, dass alle Hersteller künftig mit 1200 cm³ antreten müssen. Vielmehr könnten unterschiedlich große Motoren mit verschiedenen Leistungs- und Drehmomentcharakteristiken aufeinandertreffen. Um daraus einen fairen Wettbewerb zu machen, wären passende Balance-Werkzeuge eine logische Ergänzung.
Die WM arbeitet bereits mit Eingriffen zur Angleichung der Hersteller. Für 2027 ist unter anderem eine herstellerspezifische Drehzahlbegrenzung in Kombination mit der Begrenzung des Kraftstoffdurchflusses vorgesehen. Ein drehmomentbasiertes System nach britischem Vorbild wäre ein möglicher weiterer Ansatz, um unterschiedliche Serienkonzepte zusammenzuführen.
Eine Übernahme des BSB-Pakets ist bislang nicht angekündigt. Als «NextGen Superbike» lässt sich die dahinterstehende Idee dennoch treffend beschreiben: Eine größere Vielfalt an Basismotorrädern soll konkurrenzfähig werden, ohne dass allein das leistungsfähigste oder am teuersten entwickelte Paket die Richtung vorgibt.
Die BSB wird ab 2027 zeigen müssen, wie gut sich dieser Anspruch in der Praxis umsetzen lässt. Nach Angaben der Verantwortlichen fallen die ersten Rückmeldungen bestehender und potenzieller Teams positiv aus. Gespräche mit möglichen neuen und zurückkehrenden Herstellern laufen bereits. Für die WM könnten die britischen Erfahrungen wertvoll sein, bevor 2030 die nächste technische Öffnung folgt.
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach





