Danilo Petrucci: Trotz BMW-Frust würde er wieder so entscheiden
BMW-Werkspilot Danilo Petrucci kämpft um seine Zukunft. Trotz seiner schwierigsten Superbike-Saison bereut er den Wechsel nicht. Besonders eine persönliche Geschichte erklärt, warum.
Für Danilo Petrucci sollte der Wechsel zu BMW die Chance sein, in der Superbike-WM den nächsten Schritt zu machen. Stattdessen erlebt der Italiener seine bisher schwierigste Saison in der Meisterschaft. Die Ergebnisse bleiben hinter den Erwartungen zurück, die Stürze häufen sich.
Im Gespräch mit SPEEDWEEK.com machte der ehemalige MotoGP-Sieger deutlich, wie sehr ihn die Situation beschäftigt.
«Ich bin ein bisschen traurig, weil ich mich auf die schlimmste Weise von der Superbike-WM verabschiede. Doch andererseits stelle ich mir die Frage, was ich hätte anders machen sollen. In diesem Jahr bin ich an mein Limit gegangen. Ich stürzte in diesem Jahr viel öfter als in den Jahren zuvor zusammen.»
Noch ist ein Abschied aus der Meisterschaft allerdings nicht besiegelt. Neben einem möglichen BMW-Engagement in der MotoAmerica gibt es eine Perspektive bei GoEleven. Dafür müsste Sponsor Pata das Budget für einen zweiten Fahrer freigeben. Eine verbindliche Lösung hat Petrucci bislang nicht.
Warum er den Wechsel zu BMW nicht als Fehler ansieht
Seine Worte zeigen dennoch, wie weit die Enttäuschung inzwischen reicht. Es geht nicht allein um Platzierungen, sondern auch um die Frage, welchen Preis er dafür bezahlen möchte. «Ich kann das Potenzial des Motorrads nicht nutzen und die Probleme nicht kompensieren. Sich zu verletzen, um auf einer der hinteren Positionen herumzufahren, ist es mir nicht wert. Ich bin keine 25 mehr.»
Den Wechsel zu BMW als Fehler abzutun, wäre für Petrucci trotzdem zu einfach. Als er die Entscheidung traf, lockte ein Motorrad, mit dem Toprak Razgatlioglu die Superbike-WM dominierte. Petrucci wollte herausfinden, was für ihn auf diesem Paket möglich wäre. «Wenn ich ein Jahr zurückgehen könnte und man mich hundertmal fragen würde, welches Team ich wählen soll, würde ich mich hundertmal wieder für BMW entscheiden. Jetzt ist es leicht zu sagen: Du hast einen Fehler gemacht.»
Topraks Seriensiege faszinierten Petrucci
Wie lange dieser Wunsch in ihm gereift war, verdeutlichte Petrucci mit einer ungewöhnlichen Geschichte, die er auch seiner Crew erzählt hatte. In seinem Fitnessstudio gab es einen Wasserbereich mit nummerierten Bedienelementen. Eine Zahl hatte es ihm besonders angetan.
«Dort gab es die Nummern 50 bis 59. Seit ich in der Superbike-WM war, drückte ich jeden Morgen die 54, die 54, die 54 – weil das Topraks Motorrad war», erinnerte er sich. «Als ich im vergangenen Jahr die beiden Angebote bekam, sagte ich: Lasst mich eine Nacht darüber nachdenken. Am nächsten Morgen ging ich ins Fitnessstudio, drückte die 54 und fragte mich: Worüber denkst du eigentlich nach? Genau das willst du doch mindestens seit Anfang 2024.»
Für Petrucci war der Platz im BMW-Werksteam die Erfüllung eines lange gehegten Wunsches. Dass sich dieser sportlich so anders entwickeln würde, konnte er damals nicht wissen. «Zwei Jahre lang wollte ich das. Jetzt bin ich an dem Platz, an dem ich sein wollte. Wenn ich die Zukunft gekannt hätte, wäre ich vielleicht nicht hier. Aber ich wusste, dass dieser Wechsel mich zum Sieger machen oder zum Aufhören bringen konnte. Leider ist es die zweite Möglichkeit.»
Das Interesse an Petrucci lässt nach
Besonders bitter ist für ihn, dass die schwierige Saison offenbar auch seine Chancen auf dem Fahrermarkt beeinträchtigt hat. «Jetzt weiß ich nicht einmal, warum sich niemand mehr für mich interessiert. Aber ehrlich gesagt bin ich nicht einmal so traurig. Ich habe mein Bestes gegeben und bin zufrieden mit dem, was ich geleistet habe. Natürlich würde ich diese Saison gern besser beenden. Aber wie ich meiner Crew gesagt habe: Ich gebe wirklich mein Bestes.»
Eine Fortsetzung seiner Karriere in den USA kann er sich vorstellen. Petrucci kennt die MotoAmerica bereits aus der Saison 2022. Ein werksunterstütztes BMW-Projekt würde ihm zudem ermöglichen, beim Hersteller zu bleiben. «Das ist eine Option. Sie müssen sich entscheiden. Es wäre auf jeden Fall ein Ziel, das mir gefallen würde, weil ich weiterhin zur BMW-Gruppe gehören würde. Ich würde gern hierbleiben, aber es ist noch nichts bestätigt.»
Bei der Suche nach einem neuen Platz sieht Petrucci allerdings nicht nur seine Ergebnisse als Hindernis. Auch sein Alter und die finanziellen Rahmenbedingungen beschäftigen ihn. «Leider bin ich 36, und die Leute suchen immer nach einem jüngeren Fahrer. Würdest du in einer solchen Zeit einen Fahrer wählen, dem du Geld bezahlen musst, oder vielleicht einen jungen Fahrer, der sagt: Ich komme auch kostenlos? Meistens setzen die Leute auf den jungen Fahrer, besonders wenn er weniger kostet.»
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