Danilo Petrucci weit zurück: Was ist los beim ehemaligen Cremona-Sieger?
Vor zwei Jahren gewann Danilo Petrucci in Cremona alle drei Rennen. Diesmal wurde er mit der BMW nur 14. Mit SPEEDWEEK.com sprach er über die Gründe für seinen Rückstand.
Cremona war für Danilo Petrucci lange ein Ort besonderer Erinnerungen. 2024 gewann er mit der Barni-Ducati alle drei Rennen des Superbike-WM-Wochenendes. Zwei Jahre später erlebt er dort auf der BMW M1000RR das Gegenteil: Platz 14 im ersten Lauf am Samstag, knapp 40 Sekunden Rückstand auf Sieger Iker Lecuona. Ohne die zahlreichen Ausfälle hätte Petrucci die Punkteränge verpasst. Sein BMW-Teamkollege Miguel Oliveira kam nach einem Sturz nicht ins Ziel.
Für Petrucci begann das Wochenende bereits im ersten freien Training mit einem Rückschlag. «Wir hatten im FP1 ein Sensorproblem. Wir hatten neue Bauteile am Motorrad, und einige Sensoren funktionierten nicht richtig. Leider haben wir den Fehler erst während der Session gefunden. Von da an lagen wir hinter den anderen zurück», berichtete er beim Treffen mit SPEEDWEEK.com.
Kein Gefühl und viele Zweifel
Die verlorene Trainingszeit erklärt für ihn allerdings nicht das gesamte Ausmaß des Rückstands. «Mein Gefühl hier stimmt überhaupt nicht. Ich spüre, dass der Vorderreifen am Kurveneingang rutscht und ich deshalb sehr langsam in die Kurven einbiege. Ich habe keinen Grip und keine Traktion», schilderte Petrucci. An mangelndem Einsatz liege es nicht: «Ich fahre an meinem Limit und pushe wie verrückt. Meine beste Rundenzeit war 1:29,9 min, und am Rennende bin ich 1:30,1 min gefahren.»
Einen Weg, die fehlende Geschwindigkeit mit einem anderen Fahrstil auszugleichen, hat er nicht gefunden. «Wenn ich noch härter pushe, dann komme ich nicht durch die Kurven. Und wenn ich versuche, anders zu fahren, dann bin ich noch langsamer.»
Rückstand für Petrucci «schwer zu akzeptieren»
Der Vergleich mit seinem Triumphzug vor zwei Jahren trifft Petrucci besonders. «Es ist traurig. Vor zwei Jahren führte ich hier alle Sessions und alle Rennen an. Jetzt ist es umgekehrt. Das ist schwer zu akzeptieren, doch ich gebe mein Bestes.» Eine eindeutige Erklärung für seine Schwierigkeiten hat er nicht: «Vielleicht spüre ich hier das Limit auch nur eher als andere Fahrer? Viele Fahrer sind gestürzt. Ich weiß nicht, was ich sagen soll.»
Kritisch sieht Petrucci auch die ständigen Änderungen an seiner M1000RR. «Wir ändern ständig das Motorrad, um besser zu werden. Doch ich spüre keine Unterschiede, wenn etwas geändert wird. Es wird nicht schlechter, aber auch nicht besser», erklärte er. «Ich habe das Gefühl, dass wir nicht im richtigen Arbeitsfenster des Motorrads agieren. Denn wenn man etwas ändert, dann sollte man die Unterschiede erkennen. Doch meine Rundenzeiten und mein Gefühl sind immer gleich. Mental ist das wirklich grausam, weil man nicht herausfindet, welchen Weg man einschlagen soll.»
Dass Toprak Razgatlioglu mit der BMW zuvor Rennen und Titel gewinnen konnte, hält Petrucci nicht für einen Gegenbeweis. «Natürlich vergleicht das jeder mit Topraks Leistungen. Doch Toprak nutzte das Motorrad schlicht auf eine andere Art und Weise. Sein Stil passte sehr gut zum Motorrad. Er ist aber der einzige Fahrer, der diese Schwierigkeiten kompensieren konnte. Miguel und ich beklagen die gleichen Dinge.»
Neue BMW-Schwinge ein Teil des Problems?
In Cremona fährt Petrucci erstmals mit einer neuen Schwinge. Ob sie zu seinen Problemen beiträgt, kann er ohne eigenen Vergleichstest nicht beurteilen. Überzeugt ist er von dem neuen Bauteil bislang nicht: «Ich hatte sie vorher nie getestet. Ehrlich gesagt haben wir einige Zweifel. Van der Mark testete sie, ich aber nicht.»
Petrucci wird die Superbike-WM nach dieser Saison verlassen. Dass seine letzten Rennen derzeit so verlaufen, belastet ihn. «Ich bin ein bisschen traurig, weil ich mich auf die schlimmste Art und Weise von der Superbike-WM verabschiede. Doch ich frage mich, was ich anders machen könnte. Ich gebe wirklich mein Maximum.»
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach




