Brutale Ducati-Dominanz: BMW-Technikchef rät, nicht in Panik zu verfallen
Ducati hat bislang sämtliche Rennen der Superbike-WM 2026 gewonnen, dazu 47 von 54 Podestplätzen erobert. Während Yamaha nach Regeländerungen ruft, sieht es BMW sportlich – und will sich verbessern.
Die Balance-Regel der Superbike-WM sieht zwei Werkzeuge vor, um die technisch unterschiedlich ausgereiften Motorräder der aktuell sechs Hersteller Bimota, BMW, Ducati, Honda, Kawasaki und Yamaha bezüglich Konkurrenzfähigkeit auf einen ähnlichen Stand zu bringen. Für das Feintuning wird die maximal erlaubte Kraftstoffdurchflussmenge herangezogen, deren Maßeinheit Kilogramm pro Stunde ist.
Hat ein Hersteller gröbere Defizite und liegt weit zurück, werden ihm «Concessions» oder «Super-Concessions» zugesprochen. Das sind Änderungen am Motor und Chassis, die laut normalem Reglement nicht erlaubt sind.
2026 erleben wir die Situation, dass Ducati mit der neuen Panigale V4R ein Motorrad gebracht hat, das technisch deutlich über der Konkurrenz steht. Nicolo Bulega als derzeit bester Fahrer der Superbike-WM startet für das Aruba-Team, die sehr erfolgreiche Ducati-Werksmannschaft von Stefano Cecconi. Diese erstaunliche Kombination führt dazu, dass Bulega alle 18 Rennen dieses Jahres vor Misano gewonnen hat, saisonübergreifend sogar 22!
Ducati über die Limitierung der Spritflussmenge einzubremsen, hat bislang nicht funktioniert. Es zeigt auch kaum Wirkung, dass die anderen Hersteller inzwischen mehr Benzin verbrennen dürfen. Und bis es zugesprochene Konzessionsteile ans Motorrad schaffen und sich in besseren Rundenzeiten niederschlagen, dauert Monate.
Yamaha bezweifelt, den Rückstand aufholen zu können
«Die Wahrheit ist, dass unser Rückstand riesig ist», sagte Yamaha-Rennchef Andrea Dosoli im Exklusiv-Interview von SPEEDWEEK.com. «Wenn die erste Ducati 20 sec vor uns liegt, dann reden wir von 1 sec pro Runde. Lässt sich 1 sec pro Runde aufholen? Das bezweifle ich.»
Während der japanische Hersteller der Meinung ist, dass
Der Wind hat sich gedreht
BMW-Technikchef Chris Gonschor stößt ins gleiche Horn wie Ducatis Technik-Koordinator Marco Zambenedetti. «Wir sind alle schon Jahre oder Dekaden dabei und haben miterlebt, wie Jonathan Rea sechs WM-Titel in Folge gewann, und es war trotzdem eine unglaubliche Meisterschaft», erzählte der gebürtige Bochumer SPEEDWEEK.com in Misano. «BMW gewann zwei Titel nacheinander und es war eine unglaubliche Meisterschaft. Jetzt hat sich der Wind in eine andere Richtung und zu einer anderen Marke etwas gedreht, es kann aber dennoch eine interessante Rennsaison werden. Wir haben auch bereits einige schöne Kämpfe auf der Strecke gesehen, ich erinnere an unsere vier Podestplätze, bevor sich Miguel Oliveira verletzte. Er hat bewiesen, dass es möglich ist, unsere Kollegen aus Bologna zu schlagen und um Podestplätze zu kämpfen. Den nächsten Schritt zu machen und ein oder zwei Stufen auf dem Podium nach oben zu steigen, scheint schwierig.»
Gonschor weiter: «Es würde nicht die ganze Saison reflektieren, wenn wir sie jetzt beurteilen, mit dem Pech, das wir als Hersteller mit unseren beiden verletzten Fahrern hatten. Wir müssen Miguel, und später auch Danilo Petrucci, zuerst zurück in die Top-10, dann die Top-5 und dann aufs Podium bringen – es kann immer noch eine interessante Saison für die Zuschauer werden. Wir sollten das nicht allzu negativ betrachten. Wir als Marke wollen etwas konkurrenzfähiger sein, damit in der ganzen Meisterschaft mehr Wettbewerb herrscht. Es gibt eine Balance of Performance mit dem ersten Schritt der Anpassung der Spritdurchflussmenge sowie weiteren möglichen Anpassungen am Motorrad, über welche wir derzeit in der MSMA (der Herstellervereinigung – der Autor) diskutieren. Gäbe es eine einfache Lösung, würde sie jeder ergreifen. Um es fair für die Zukunft zu gestalten, müssen wir eine gewisse Stabilität wahren. Du musst also zweimal nachdenken, ob große Änderungen sofort eingeführt werden, um andere Marken in Schwung zu bringen. Wir müssen ruhig bleiben und weiterkämpfen.»
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