Tourenwagen
Kolumne
Schnitzer, Rolf Stommelen und die Celica: Der kurze Traum vom großen Coup
Der Motorsport liebt große Versprechen: 1978 hieß eines davon Toyota Celica Turbo Gruppe 5: 560 PS, Schnitzer-Technik, Und Rolf Stommelen am Steuer. Heraus kam aber eine Saison voller Defekte.
1978 war nun wirklich nicht das große Jahr des Rolf Stommelen. Zwar begann es mit einem Paukenschlag, denn gemeinsam mit Toine Hezemans und Peter Gregg gewann er im Porsche 935 das prestigeträchtige 24-Stunden-Rennen in Daytona. Damit hatte es sich aber auch schon ausgesiegt für den zur Spitze der Weltklasse gehörenden Kölner, denn noch im Vorjahr hatte er im 935 des Loos-Teams gegen härtesten Widerstand mit je vier Siegen und zweiten Plätzen knapp die Deutsche Rennsport-Meisterschaft für sich entschieden.
Doch 1978 wollte so gar nichts zusammenlaufen. Seine Formel-1-Saison bei Arrows gestaltete sich zum Fiasko – gerade mal ein neunter Platz blieb, neben vielen Ausfällen, in den Statistiken hängen. Und dann war da noch die Sache mit der Toyota Celica. Die ging so:
Eine Überraschung für die Branche
Mitte der Saison 1977 hatte die Ankündigung der Schnitzer-Brüder für viel Aufsehen gesorgt, mit einer Toyota Celica in die Deutsche Rennsport-Meisterschaft einzusteigen. Die Überraschung der Branche war groß, galten die Freilassinger doch als absolut BMW-affin, nicht nur wegen ihrer Treue zur Marke im Rennsport, sondern auch als überzeugter BMW Handelsbetrieb.
Herbert Schnitzer erklärte diesen Schritt so: «So etwas wie eine vertragliche Bindung, exklusiv mit BMW Motorsport zu betreiben, gab es nicht. Uns bot sich vielmehr mit einem Engagement für Toyota eine neue Chance.» Für BMW stellte sich die Frage der Vereinbarkeit offenbar nicht, als Schnitzers dort die Verantwortlichen informierten.
Die Kooperation mit Toyota währte im Übrigen schon länger und war als solche auch in München bekannt. Josef Schnitzer war Jahre zuvor von Ove Anderson, ein Weltklasse-Rallyefahrer und danach Sportchef von Toyota Europe, angesprochen worden, ob es nicht möglich wäre, dass er Rallye-Motoren für ihn baut. Man wurde sich schnell einig und die segensreiche bayerische Feinarbeit an den japanischen Triebwerken münzte sich schnell in Erfolge im internationalen Rallye-Geschäft um.
Dies hatte Adolf Hüngsberg, seinerzeit PR- und Pressechef von Toyota Deutschland und damit verantwortlich für motorsportliche Aktivitäten, im Hinterkopf, als Sepp Schnitzer ihm diesen Vorschlag unterbreitete: Wir nehmen eine Toyota Celica und modifizieren sie nach allen Regeln der Gruppe 5-Kunst. Derweil entwickeln wir auf der Basis des Toyota-Vierzylinders einen Zweiliter-(um genau zu sein, einen 2,1-Liter) Turbo - damit müssten wir in der großen Division ähnlich erfolgreich mitmischen können wie Ford mit dem Capri.
Ernsthafte Planung
Kurzentschlossen wurde in Ermangelung einer verfügbaren Rohkarosse eine Serien-Celica zerlegt und unter Zuhilfenahme eines Rohrrahmens und eines auf 2.090 cm³ vergrößerten Reihenvierzylinders in einen astreinen Gruppe 5-Renner für die große Division der Deutschen Rennsport-Meisterschaft verarbeitet. Mit einem großen Turbolader versehen und mit 1,1 bar Ladedruck war die Celica 560 PS stark.
Hüngsberg dachte primär in Aspekten der positiven öffentlichen Wirkung eines solch spektakulären Einsatzes und machte 500.000 Mark für das Projekt locker.
Wie ernsthaft der Einsatz geplant wurde, zeigt schon die Auswahl der engagierten Piloten: Die gesamte Entwicklung begleitete Harald Ertl mit Rat und Tat. Der schnauzbärtige Vollprofi wickelte das gesamte Testprogramm ab; er war es auch, der die ersten öffentlichen Ausfahrten zu einem Medien-Ereignis machte.
Die Branche freute sich sichtlich über den Neuzugang im Feld der etablierten Marken und beobachtete genau, wie sich das Projekt entwickelte. Tatsächlich brauchte es dann nur drei Rennen, bis die zunächst dunkelblaue Flunder sich erstmals bis in die Punkteränge säuselte: vielbestaunter Rang 4 für Ertl beim DRM-Saisonabschluss auf der Start-/Zielschleife des Nürburgrings.
Bescheidene Erfolgsbilanz
So verheißungsvoll es begonnen hatte - das Projekt wollte einfach nicht in die Gänge kommen. Obwohl man mit Rolf Stommelen keinen Geringeren als den amtierenden Deutschen Rennsportmeister für den Job gewonnen hatte. Die in klassischem Toyota-rot-weiss lackierte Celica mit der Startnummer 1 kam meist über die ersten Runden einfach nicht hinaus.
Mehr als ein achter Platz im fünften Rennen war nicht drin, so dass das Thema zum Saisonende sang- und klanglos ad acta gelegt wurde. Für Schnitzer kein Anlass zum Trübsal blasen, hatten man doch soeben mit Harald Ertl und dem 320 Turbo die Rennsport-Meisterschaft gewonnen. Und Stommelen? Der sammelte weiter jede Menge internationale Siege und Trophäen bis zu seinem tödlichen Unfall 1983 in Riverside.
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