Packender WM-Showdown auf Sardinien: Solberg siegt - Evans ist Weltmeister
Nach einem spektakulären Abflug von Toyota-Pilot Oliver Solberg auf den letzten Metern der Powerstage sichert sich dessen Teamkollege Elfyn Evans beim italienischen Rallye-WM-Lauf den Titel.
Was für ein Thriller: Elfyn Evans und sein Co-Pilot haben noch auf der letzten Wertungsprüfung die Fahrer- und Beifahrertitel der Rallye-WM 2026 gewonnen. Sie profitierten vom Pech von Oliver Solberg, der bereits auf dem besten Weg war sich den Weltmeistertitel zu sichern. Nur zwei Kurven vor dem Ziel rutschte der Schwede von der Strecke. Zwar gelang es ihm wieder schnell wieder auf die Piste zurück zukommen und konnte die letzte Powerstage der Saison noch auf Platz acht beenden.
Somit stand er zwar als Sieger der Rallye Sardinien fest, doch seine so fehlenden Powerstage-Bonus-Punkte ermöglichten seinem britischen Kontrahenten Evans den WM-Titel noch zu erlangen.
Vor der letzten WP Sassari-Argentiera 2 trennten die beiden Titelanwärter im Kampf um die Meisterschaft nur gerade ein Punkt: Solberg führte die Rallye an, während Evans auf Platz fünf lag.
Solberg lag in Führung der Super-Sunday-Wertung, da Evans nach einem Stopp wegen eines Reifenschadens auf der vorletzten Etappe keine Punkte mehr holen konnte. Wer von den beiden auf der Powerstage, die unweit der Argentiera-Küste am Mittelmeer stattfand, die schnellere Zeit fahren würde, sollte die Weltmeisterschaft für sich entscheiden.
Nach seiner Powerstage-Fahrt hatte dann Evans den Titel praktisch schon abgeschreiben. Der Waliser gestand ein, auf der Powerstage «zu aggressiv gefahren» sei.
Sein vor der Rallye noch theoretisch um die WM mitkämpfender Kontrahent Sami Pajari (Toyota) war 2,2 Sekunden auf der von tiefen Spurrillen und Sand geprägten Powerstage schneller gewesen. Das hatte Evans aufgezeigt nicht optimal auf der 17. und abschließenden WP unterwegs gewesen zu sein. fahren.
Mit viel Risiko, über die gesamte Rallye hinweg eingegangen, befand sich Solberg souverän an der Spitze. Es schien, zuvor fast als unmöglich erachtet, dass er noch am Ende am in der WM-führenden Evans vorbeiziehen können.
Solberg gab fulminant Vollgas und war an der ersten Zwischenzeitmessung der Schnellste. Zwar konnte er nicht ganz das Tempo von Thierry Neuville (Hyundai) mitgehen, lag aber 1,9 Sekunden vor Evans, als nur noch 1,2 Kilometer zu fahren waren.
Der Rallye Monte Carlo-Sieger scheiterte dann nur zwei Kurven vor dem Ziel. Er geriet in einer schnellen Linkskurve stark ins Schleudern, flog von der Straße ab und landete in der Dünenlandschaft unweit der Ziellinie.
Überraschend schnell konnte Solberg nach dem vehementen Abflug auf die Schotterpiste zurück kehren. Mit einem Vorsprung von 57,6 Sekunden auf den scheidenden Weltmeister Sebastien Ogier (Toyota) sicherte er sich noch den Rallyesieg. Da er die Powerstage neun Sekunden hinter Evans beendete, ging somit der Weltmeistertitel an Elfyn Evans.
«Ich glaube, es ist noch nicht ganz zu mir durchgedrungen. Ich war mir ziemlich sicher, dass der WM-Ttiel eigentlich schon verloren war. Die heutige Etappe bin ich nicht optimal gefahren. Ich habe zwar alles gegeben, aber eben nicht fehlerfrei», kommentierte der fünfmalige Vize-Weltmeister Evans seinen Erfolg erst einmal ziemlich nüchtern.
«Es tut mir für Oliver leid, denn er hat ein unglaubliches Wochenende hingelegt. Schade für ihn, dass er die WM so kurz vor dem Ziel noch verloren hat», gestand der 37-jährige Brite.
«Ich muss mich jetzt bei vielen Menschen bedanken, die mich über die Jahre hinweg unterstützt haben. Das Toyota-Team hat unglaublich gute Arbeit geleistet. Meine große Wertschätzung gilt auch «Scotty» für seine unglaublichen Leistungen als mein Beifahrer», ergänzte Elfyn Evans.
Ein untröstlicher Solberg saß im Ziel in seinem Auto, nachdem dem ihm der WM-Titel in Sichtweite der Ziellinie entglitten war. Von Toyota-Teamchef Jari-Matti Latvala und Sebastien Ogier musste er erst ermutigt werden, überhaupt aufs Siegerpodium zu steigen. Der langmähnige Blondschopf hatte Mühe seine Emotionen im Zaum zu halten, nachdem er sein großes Ziel so knapp verfehlt hatte.
Der neunmalige Weltmeister Ogier war auf dem Weg zum zweiten Platz entspannt in den letzten Tag gegangen, hatte ohne seinen Yaris auf der der Straßemitte gehalten um Reifenpannen zu vermeiden. Der Franzose sicherte sich auf Rang zwei, 39,8 Sekunden vor dem Toyota-Youngster Sami Pajari.
«Ich habe auf dieser letzten Etappe absolut alles gegeben“, erläuterte Pajari, der die zweitschnellste Zeit in der Power Stage fuhr und nach Solbergs Fehler den Super Sunday gewann. Pajari beendet das Jahr mit drei WM-Laufsiegen auf dem dritten Platz in der Gesamtwertung, einen Punkt hinter Solberg.
Hyundai-Pilot Adrien Fourmaux hatte gehofft, auf Sardinien um seinen ersten Sieg mitkämpfen zu können. Am ersten Tag lag der Franzose an der Spitze, doch mehrere Reifenpannen an zwei Tagen machten seine Hoffnungen auf einen Podiumsplatz zunichte. Er beendete die Rallye auf dem vierten Gesamtrang, mit deutlichem Rückstand auf die drei vor ihm liegenden Toyotas.
Sein Teamkollege Thierry Neuville gewann die spektakuäre Powerstage. Der Ex-Weltmeister hatte die Rallye am Freitag angeführt, war dann am Samstag auf WP11 schwer unfallt und ausgeschieden.
Evans, komplettierte beim vorzeitigen Saisonkehraus die Top 5 vor Takamoto Katsuta auf Platz sechs.
Den siebten Rang fuhr Jon Armstrong im M-Sport Ford heraus, die beste Klassierung seiner WM-Karriere.
Auch der finale WRC2-Kampf der Saison bot einen spannenden Höhepunkt: Toyota-Pilot Roope Korhonen wehrte Robert Virves(Skoda) mit nur 0,7 Sekunden Vorsprung ab und gewann die Kategorie. Gus Greensmith (Toyota) fuhr auf Rang drei der Nachwuchskategorie. Die WRC2-Piloten belegten in der Gesamtwertung die Plätze acht bis zehn.
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