WM-Showdown: Solberg führt, aber Hyundai-Pech spielt Evans in die Karten
Toyota-Pilot Oliver Solberg liegt bei der Rallye Sardinien vor dem Finaltag vorne. Im virtuellen WM-Stand ist der Vorsprung von Teamkollege Elfyn Evans auf den Schweden auf sechs Punkte geschrumpft.
Rallye Monte Carlo-Sieger Solberg liegt auf Sardinien vor dem entscheidenden Finaltag mit 33,6 Sekunden Vorsprung auf dem noch amtierenden Weltmeister Sebastien Ogier (Toyota) vorne.
Die Titelambitionen von Evans sind durch Probleme bei Hyundai gestärkt worden.Adrien Fourmaux fing sich auf WP 5 und 12 gleich zwei Mal einen Reifenschäden ein, was dem Waliser die Möglichkeit eröffnet mehr Punkte zu sammeln als zunächst gedacht.
Beim Mittags-Service am Samstag hatte sich das Blatt deutlich zugunsten von Solberg gewendet, als er die Führung von Thierry Neuville (Hyundai) übernehmen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war Evans auf den sechsten Platz zurückgefallen. Der prognostizierte Punkteabstand zwischen WM-Leader Evans und Herausforderer Solberg hatte sich somit auf gerade vier Zähler minimiert.
Doch als Thierry Neuville im Kampf um den ersten Platz mit Solberg bereits auf dem ersten Kilometer der zweiten Durchfahrt der WP Lerno sein linkes Hinterrad verlor und anschließend Fourmaux ein den zweiten Reifenschaden erlitt, begann sich das Blatt wieder zugunsten von Evans zu wenden.Fourmaux verlor 1.46,1 Minuten beim Radwechsel.
Der Franzose war im Ziel völlig fassungslos, da er bereits am Freitag nach kurzfristiger Führung seine Chance auf einen ersten WM-Laufsieg verlor und nun auch sein Kampf um den zweiten Platz gegen Ogier vorzeitig beendet war.
Noch wichtiger für die Titelentscheidung ist jedoch, dass sowohl Sami Pajari als auch Evans durch das Hyundai-Doppelpech jeweils zwei Plätze auf den dritten bzw. vierten Platz vorrückten.
Da das Podium nun in weite Ferne gerückt war, entschied sich Fourmaux, auf der letzten WP am Samstag alle Vorsicht außer acht zu lassen, was mit einem Sieg mit 1,8 Sekunden Vorsprung belohnt wurde. Mit der Fahrt schob er sich wieder an Evans vorbei und liegt vor dem Sonntag nun mit 6,4 Sekunden vor ihm an vierter Stelle.
An der Spitze beträgt der Vorsprung von Solberg auf Ogier solide 33,6 Sekunden. Seine Zielsetzung am Sonntag ist es neben dem Gesamtsieg auch die maximal möglichen Zusatzpunkte zu holen um noch Chancen auf den Weltmeistertitel zu haben.
«Ich kann nur mein Ding machen und bisher gelingt uns großartige Arbeit zu machen. Der heutige Vormittag war sehr wichtig, um allen zu zeigen, wozu ich an diesem Wochenende hier bin», erklärte Solberg die Situation.
«Morgen ist es ganz einfach: Wir brauchen die zehn Punkte. Hoffentlich kann Adrien Fourmaux seinen Job machen. Andere werden ihre Arbeit machen, wir die unsere. Dann sehen wir weiter», erklärte der Blondschopf lapidar.
Evans machte an diesem harten vorletzten Tag gute Miene zum «bösen Spiel». Er gestand ein: «Es ist für mich schwierig zu beobachten gewesen Solberg an der Spitze des Feldes vorneweg fahren zu sehen».
Fourmaux ist nicht zu weit weg von Evans, weshalb dieser sich gewisse Chancen ausrechnet diesen noch abzufangen.
Der an dritter Stelle leigende Sami Pajari, der dritte Fahrer, der noch Chancen auf den Fahrertitel hat, erlebte einen durchwachsenen Tag und befindet sich nun völlig im Niemandsland: 1.06,3 Minuten hinter Ogier, aber 52,1 Sekunden vor Fourmaux.
Bei Zielankünften seiner WM-Kontrahenten würde es für Pajari auch bei einer maximalen Bonus-Punktzahl am Sonntag nicht ausreichen die WM noch für sich zu entscheiden.
Fourmaux möchte morgen unbedingt einen Podiumsplatz einfahren und sein hohes Tempo beibehalten. Vielleicht kann der Franzose von der internen Toyota-Auseinandersetzung noch profitieren.
«Ich glaube, wir haben wirklich das Tempo, um jetzt deutlich besser als Vierter werden. Wir wissen nicht, was morgen im WM-Kampf noch passieren wird, sodass wir vielleicht noch einen Podiumsplatz holen können. Das wäre, würde ich sagen, die Mindestbelohnung», erklärte Fourmaux.
Komfortabel auf dem sechsten Gesamtrang lag Josh McErlean, als er beim zweiten Durchgang von Coiluna-Loelle von der Strecke abkam und gegen einen Baum prallte. Dadurch wurde das Kühlsystem seines M-Sport Ford Puma beschädigt.
Zwar ermöglichten provisorische Reparaturen zunächst eine Weiterfahrt. Ins Ziel gelangte der Ire trotzdem nicht, da er auf WP13 - unabhängig von seinem früheren Zwischenfall mit dem Baum eine Wertungsprüfung zuvor - einen Bruch am linken Hinterrad zugezogen hatte.
Durch McErleans Probleme rückte Takamoto Katsuta auf den siebten Platz vor. Der Japaner liegt 17,3 Sekunden vor Jon Armstrong im Ford Puma.
De Finne Roope Korhonen übernahm die Führung in der WRC2-Kategorie vor seinem Toyota-Kollegen Gus Greensmith mit 19,6 Sekunden. Europameister Teemu Suninen (Toyota) liegt an dritter Stelle. Das Trio der Nachwuchsklasse komplettiert die Top 10 der Gesamtwertung.
Nach einem schweren Unfall von Fabio Schwarz und Beifahrer Axel Corando auf der gestrigen zweiten WP musste das Duo zur Untersuchung ins Krankenhaus eingeliefert werden. Bei Schwarz wurde ein Wirbelbruch diagnostiziert. Dieser wurde noch am Abend operiert und verlief nach Teamangaben erfolgreich. Der Spanier Corondo konnte noch am Freitag nach eingehender Untersuchung entlassen werden.
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