Eisspeedway-GP

Eisspeedway-GP Berlin: Hans Weber preschte ins Finale

Von Thorsten Horn - 03.03.2019 09:30

In einem spannenden Finale setzte sich WM-Leader Dmitrij Koltakov im Eisspeedway-GP in Berlin gegen seine Landsleute Valeev und Khomitsevich durch. Von den Deutschsprachigen überzeugte lediglich Hans Weber.

Dabei hatte das Rennen vor rund 4200 Zuschauern für Dmitry Koltakov gar nicht gut angefangen: In seinem ersten Heat stürzte vor ihm Martin Haarahiltunen, was ihm der nachfolgende 28-jährige Russe gleich tat. Somit fing der Weltmeister mit null Punkten an. Da er danach gewohnt souverän agierte und alle seine weiteren Läufe gewann, war seine Qualifikation für eines der beiden Halbfinals nicht in Gefahr.

Allerdings hat ihm in der Schlussrunde der Vorläufe Johann Weber das Leben ziemlich schwer gemacht, führte der sechs Jahre ältere Bayer doch jenen Heat zweieinhalb der vier Runden an. Am Ende war Koltakov doch zu stark für den «Eishans» und strich einen weiteren Dreier ein. Allerdings hatte Weber damit angedeutet, was er sich für sein Heimspiel vorgenommen hatte: Ins Halbfinale, oder noch besser ins Finale, zu kommen und dort den übermächtigen russischen Fahrern bestmöglich Paroli zu bieten.

Genau so kam es dann auch, wobei es speziell die Halbfinals in sich hatten. Im ersten schickte der 60-jährige Schwede Stefan Svensson Andrey Shishegov in die Strohballen und wurde vom Re-Run ausgeschlossen. Da sich der Russe dabei leicht verletzte und nicht mehr starten konnte, war der Einzug ins Finale der verbliebenen beiden Piloten, Koltakov und Dinar Valeev, reine Formsache.

Ein ähnliches Szenario spielte sich im zweiten Halbfinale ab. Erst stürzte der als WM-Leader angereiste Daniil Ivanov in Kurve 1, kurz darauf nach Rennabbruch legte sich auch noch Haarahiltunen hin. Zwar konnte der Schwede, anders als Abbruchverursacher Ivanov, beim Re-Start wieder antreten: «Bei diesem merkwürdigen Unfall habe ich mich aber an der Hand verletzt und musste mich provisorisch medizinisch versorgen lassen. Ich hatte furchtbare Schmerzen, sodass ich aus dem Lauf ausgestiegen bin.»

Die im Rennen verbliebenen Khomitsevich und Weber hatten somit ebenfalls leichtes Spiel, ins Finale einzuziehen.

In diesem gab Koltakov, der in Berlin in den letzten beiden Jahren jeweils einen Doppelsieg feierte, von Beginn an den Ton an. Auch die Plätze 2 und 3 waren schnell von Valeev und Khomitsevich bezogen. Dahinter fuhr Weber zwar in Schlagdistanz zu den russischen Akteuren, aber nicht nah genug, um einen erfolgversprechenden Angriff starten zu können, den vom frenetischen Publikum vielumjubelten vierten Platz nach Hause. Seine Finalteilnahme an sich war schon eine Sensation, war es doch die erste eines deutschen Piloten seit ewigen Zeiten.

Weber erzählte: «Das war ein ziemlich geiler Tag. Er hat zwar bescheiden angefangen, denn in den ersten Rennen ist mein Vorderrad beim Start immer aufgestiegen. Wir hatten einen anderen Kupplungsdeckel montiert, weil wir uns davon etwas versprochen hatten. Das ging allerdings nach hinten los. Mit dem alten Kupplungsdeckel war es dann wieder besser. Es war natürlich wahnsinnig schön, ins Finale zu kommen. Als ich im Halbfinale war, habe ich mir gesagt, jetzt alles oder nichts. Dass mir das Ganze dann von Haarahiltunen etwas erleichtert wurde war zwar ein bisschen Glück, aber wir reden von einem sehr hohen Niveau, sodass man sich dieses auch erarbeiten muss. Im Finale wollte ich natürlich nicht einfach nur auf den vierten Platz umherfahren, sondern schon ein bisschen gegen die Russen anstinken. Ich hatte aber ein Problem mit dem Gasgriff, den ich nicht so richtig kontrollieren konnte. Das soll aber keine Ausrede sein. Ich bin stolz, dass ich ins Finale gekommen und dort im Prinzip auf dem Niveau der Russen mitgefahren bin.»

Die beiden Fahrer des gleichnamigen Teams der gastgebenden Eisspeedwayunion Berlin, Max Niedermaier und Tobias Busch, konnten kaum Akzente setzen, selbiges gilt für Stefan Pletschacher sowie die beiden Österreicher Franz Zorn und Charly Ebner. Niedermaier errang immerhin einen Laufsieg.

Ergebnisse Eisspeedway-GP Berlin:

Vorläufe: 1. Dinar Valeev (RUS), 14 Punkte. 2. Dmitrij Khomitsevich (RUS), 13. 3. Daniil Ivanov (RUS), 13. 4. Dmitrij Koltakov (RUS), 12. 5. Martin Haarahiltunen (S), 10. 6. Andrey Shishegov (RUS), 10. 7. Stefan Svensson (S), 8. 8. Hans Weber (D), 8. 9. Niclas Svensson (S), 7. 10. Nikita Toloknov (RUS), 7. 11. Ove Ledström (S), 5. 12. Franz Zorn (A), 5. 13. Max Niedermaier (D), 3. 14. Charly Ebner (A), 3. 15. Stefan Pletschacher (D), 1. 16. Tobias Busch (D), 0. 17. Markus Jell (D), 0. 18. Marc Geyer (D), 0.

1. Halbfinale: 1. Koltakov, 3 Punkte. 2. Valeev 2. 3. Shishegov 0. 4. S. Svensson D.

2. Halbfinale: 1. Khomitsevich 3. 2. Weber 2. 3. Haarahiltunen 0. 4. Ivanov D.

Finale: 1. Koltakov 3. 2. Valeev 2. 3. Khomitsevich 1. 4. Weber 0.

Stand nach 5 von 10 Rennen: 1. Koltakov 82. 2. Valeev 78. 3. Khomitsevich 77. 4. Ivanov 77. 5. Toloknov 52. 6. Haarahiltunen 46. 7. Weber 41. 8. Shishegov 36. 9. S. Svensson 33. 10. N. Svensson 27. 11. Ledström 27. 12. Konstantin Kolenkin (RUS), 22. 13. Niedermaier 14. 14. Ebner 14. 15. Zorn 12. 16. Dmitrij Borodin (RUS), 11. 17. Pletschacher 7.

Johann Weber (Gelb) kam bis ins Finale © FIM/Reygondeau Johann Weber (Gelb) kam bis ins Finale Sieger Dimtry Koltakov © FIM/Reygondeau Sieger Dimtry Koltakov Die Top-3 von Berlin: Valeev, Koltakov und Khomitsevich (v.l.) © FIM/Reygondeau Die Top-3 von Berlin: Valeev, Koltakov und Khomitsevich (v.l.) Martin Haarahiltunen stürzte gleich zweimal © Thorsten Horn Martin Haarahiltunen stürzte gleich zweimal

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