Chaz Davies: Vom Kämpfer auf der Rennstrecke zum Coach im Hintergrund
Der ehemalige GP-Pilot und Superbike-Vize-Weltmeister Chaz Davies hat sich in den vergangenen Jahren im Fahrerlager der MotoGP eine eindrucksvolle Zweitkarriere aufgebaut. Ein Blick über die Schulter.
Im Fahrerlager der MotoGP- und der Superbike-WM spielen sich auch im Hintergrund interessante Dinge ab. In den vergangenen Jahren hat sich das Thema Coaching steig weiterentwickelt. Einer der Berater für die Fahrer und Teams ist Chaz Davies mit seiner Crew. Der 39-Jährige hat sich mittlerweile einen sehr umfangreichen Kundenstamm aufgebaut. Einer seiner Schützlinge ist auch der Wahl-Andorraner Senna Agius aus dem Moto2-Team von Liqui Moly Dynavolt IntactGP. Die Familie Agius wird von Davies auch in geschäftlichen Angelegenheiten beraten.
Chaz Davies war Supersport-Weltmeister, gewann 32 Rennen in der Superbike-WM und war dreimal Weltmeister in der höchsten seriennahen Serie. Der Waliser, der im Herbst seiner Karriere auch in der Langstrecken-WM sowie in der MotoE am Start war, coacht mit seinen Leuten auch für das Moto2-Team von Marc VDS, wo Aron Canet sowie Deniz Öncü bisher auf der italienischen Boscoscuro noch nicht die gewünschten Spitzenresultate geholt haben. Auch in der MotoGP-WM gibt es Kunden für die Experten um Davies – hier wird aber Stillschweigen bewahrt. Sensibel ist das Thema auch deshalb, weil es naturgemäß auch um die Beobachtung mit entsprechender Dokumentation und Auswertung der Gegner geht.
Die Arbeit ist zweifellos beeindruckend, wie SPEEDWEEK.com auch bei der Arbeit vor Ort feststellen konnte. Auch beim Boss Davies raucht zwischen den Sessions der Kopf. «Innerhalb von zwei Stunden nach einer Session liefern wir mit unseren Leuten dem betreffenden Fahrer oder dem Team die komplette Analyse ab», berichtet Davies. Hier handelt es sich jedoch bei weitem nicht nur um Fotos oder Videos oder mündliche Infos. In der Analyse ist für die Aktiven eine großer Datensatz enthalten.
Selfmade: Davies entwickelt eigene Analyse-Programme
Jeder Sektor einer Runde wird einzeln analysiert. Dazu kommt: Hinter jeder Sektorenzeit wird im Analyse-Sheet dann auch gleich das entsprechende Video der betreffenden Passage hinterlegt. Farbliche Kennzeichnungen markieren schnell erkennbar die Unterschiede im Speed. Erstaunlich: Davies ist hier ein absoluter Selfmade-Typ – hat die komplexen Computer-Programme für die Analyse teilweise selbst mitentwickelt.
Das Geschäft hat sich gut entwickelt. Davies beschäftigt mittlerweile ein halbes Dutzend Mitarbeiter für seine Auftraggeber. Einer seiner Mannen in der Davies'-Crew ist sein Schwager, der nicht minder prominente Eugene Laverty. Der 13-fache Superbike-WM-Laufsieger ist als Coach in der Superbike-WM exklusiv für das Werksteam von Yamaha abgestellt. Der Ire besuchte in dieser Saison auch Yamaha-Motocross-Neuzugang Tim Gajser im Rahmen des WM-Laufes in Frauenfeld.
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