Red Bull Racing: Von Jackie Stewart zu Max Verstappen

Von Mathias Brunner
Die Red Bull Racing-Mannschaft feiert in Texas

Die Red Bull Racing-Mannschaft feiert in Texas

Red Bull Racing hat 2022 in der 18. F1-Saison zum fünften Mal den Konstrukteurs-Pokal gewonnen. Die Wurzeln für den Rennstall aus Milton Keynes gehen auf die schottische Rennlegende Sir Jackie Stewart zurück.

Ein neuer Meilenstein für Red Bull Racing: Zum fünften Mal nach 2010, 2011, 2012 und 2013 hat RBR den Konstrukteurs-Pokal gewonnen. Nur fünf Formel-1-Rennställe waren erfolgreicher – Ferrari (16 Titel), Williams (9), McLaren und Mercedes (je 8) sowie Lotus (7).

Was vielen Fans nicht mehr geläufig ist: Die Wurzeln von Red Bull Racing reichen zurück zu Sir Jackie Stewart. Denn die Geschichte von Red Bull Racing beginnt bei «Stewart Grand Prix». Doch das Team des einstigen Tyrrell-Stars tanzte nur drei Sommer lang. Der dreifache Formel-1-Champion verkaufte den Rennstall Ende 1999 an Ford, der US-Konzern machte daraus Jaguar – und fuhr prompt jahrelang hinterher. Nach fünf Jahren hatte Ford die Nase voll und suchte Käufer.

Red-Bull-Mitbesitzer Dietrich Mateschitz witterte die Möglichkeit, aus dem Team einen Siegerrennstall zu formen. Er ernannte Christian Horner zum Teamchef, ab 2005 trat das frühere Jaguar-Team als Red Bull Racing an. Gleich im ersten Jahr fuhr RBR mehr Punkte ein als Jaguar in zwei Jahren zuvor!

Noch ein Schotte spielte eine elementare Rolle: David Coulthard. Nicht nur brachte er seine Erfahrung ein, er konnte auch mithelfen, im November 2005 jenen Mann nach Milton Keynes zu lotsen, der die Grundlage für acht WM-Titel legen sollte – der anerkannt beste Formel-1-Techniker der Gegenwart, Adrian Newey.

Durchbruch in Monaco 2006: David Coulthard als Dritter in Monte Carlo. Es passte, dass Red Bull Racing bei diesem Rennen Werbung für den neuen Superman-Kinofilm machte. Und so wurde Coulthard der erste Formel-1-Rennfahrer, der nach einem WM-Lauf mit Superhelden-Cape auf dem Podest stand.

Hinter den Kulissen war Newey am Umkrempeln. Der Engländer sagt in seinem Buch «Wie man ein Auto baut»: «Bei den ersten Sitzungen spürte ich Widerstand, im Sinne von – wir wissen schon, was wir machen müssen. Am bedenklichsten fand ich, dass einer der führenden Ingenieure meinte: ‘Wir bei Jaguar ...’ Als klar wurde, dass sich nichts ändert, entliess ich drei Ingenieure, danach bewegte sich endlich etwas.»

2007 kam mit dem Modell RB3 der erste Wagen aus der Feder von Adrian Newey auf die Bahn. Red Bull Racing, 2005 mit Cosworth-Power und 2006 mit Motoren von Ferrari unterwegs, arbeitete nun mit Renault zusammen.

Neben David Coulthard kam Mark Webber ins Team. Der Australier hätte um ein Haar den Regen-GP von Japan gewonnen, aber während einer Safety-Car-Phase wurde er ausgerechnet von jenem Mann abgeräumt, der Coulthard ersetzen und für Red Bull Racing vier Mal Weltmeister werden würde – Sebastian Vettel.

Adrian Newey: «Die beiden ergänzten sich perfekt. Mark hatte ein exzellentes Gespür für die Aerodynamik. Und Seb war ganz stark in Sachen Mechanik, Motor und Reifen. Besser kannst du es als Techniker nicht haben.»

Jahrelang wurde Red Bull Racing im Fahrerlager als Spass-Team verkannt – die lauteste Musik, das cleverste Marketing, die schönsten Frauen, der humorige Blick auf den Sport in Form einer Fahrerlagerzeitung. Wie ernst es Dietrich Mateschitz mit dem Erfolgswillen war, merkte die Konkurrenz erst 2009 in vollem Umfang: RBR begann, Rennen zu gewinnen. Auftakt war ein Doppelsieg in China, Vettel vor Webber.

2010 hatten sowohl Webber als auch Vettel Chancen auf den Titel. Webber verlor wichtige Punkte mit einem Ausritt in Südkorea, im gleichen Rennen schied Vettel wegen Motorschadens aus, Fernando Alonso sagt im Ferrari «grazie» und gewann. Doch beim WM-Finale von Abu Dhabi konzentrierte sich der Ferrari-Kommandostand auf Webber, um Alonsos Position zu schützen, Aussenseiter Vettel profitierte und führte in der WM, als es drauf ankam – am Schluss.

Vettel wurde mit seinem Sieg im dramatischen Finale auf dem Yas Marina Circuit 2010 zum jüngsten Formel-1-Champion.

Dank überragender Aerodynamik und guter Rennstrategie, dank eines Jahrzehntetalents Vettel und eines soliden Webber reihte sich Titel an Titel: Vettel wurde vier Mal in Folge Weltmeister, RBR gewann parallel dazu vier Konstrukteurs-Meisterschaften in Serie (2010–2013).

Beim Schritt in die Turbo-Ära Anfang 2014 kam die Erfolgsmaschine ins Stocken: Renault verschlief die Entwicklung. 2015 zeigte sich: Selbst das beste Chassis kann das Manko durch die enttäuschenden Renault-Motoren nicht wettmachen. Weder Leistung noch Standfestigkeit stimmte. Erstmals seit 2008 konnte kein Rennen gewonnen werden.

2016 errang Ricciardo wie 2014 den dritten Schlussrang hinter den fast unschlagbaren Mercedes-Fahrern Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Im Frühling wurde der glücklose Daniil Kvyat durch den Rohdiamanten Max Verstappen ersetzt, der Niederländer bedankte sich mit dem Sieg im ersten Rennen für Red Bull Racing, in Spanien.

2017 kam Red Bull Racing erst im Frühsommer in Schwung, Max Verstappen und Daniel Ricciardo litten unter der Anfälligkeit der Renault-Motoren. Wenn der Wagen lief, war RBR bei der Musik: Ricciardo behielt die Nerven im Chaos-GP von Aserbaidschan und triumphierte, Verstappen siegte in Malaysia und Mexiko.

2018 bestätigte sich der Aufwärtstrend: Vier Siege (Ricciardo in China und Monaco, Verstappen in Österreich und Mexiko), eigentlich hätten es fünf sein müssen, wäre Max in Brasilien nicht über Esteban Ocon gestolpert.

Ab 2019 hatte Red Bull Racing erstmals einen echten Werkspartner: Honda. Max Verstappen wurde 2019 und 2020 jeweils WM-Dritter und konnte in dieser Zeit weitere fünf Rennen gewinnen.

2021 dann die Krönung des Niederländers: Erster WM-Titel von Max Verstappen, nach dem dramatischen Finale von Abu Dhabi.

2022 legte Max nach, zweiter Fahrer-WM-Titel in Japan, und Red Bull Racing eroberte im Rahmen des Grossen Preises der USA den ersten Konstrukteurs-Pokal seit neun Jahren – einen Tag nach dem Tod von «Mr. Red Bull» Dietrich Mateschitz.

Erneuter Weltmeister-Titel, einen Tag lang die Rolling Stones in dert RBR-Box, die Mannschaft in Jeans – Didi Mateschitz hätte diesen Tag geliebt.

Red Bull Racing – die Fahrer

2005: David Coulthard (GB), Christian Klien (A), Tonio Liuzzi (I)
2006: David Coulthard, Christian Klien, Robert Doornbos (NL)
2007: David Coulthard, Mark Webber (AUS)
2008: David Coulthard, Mark Webber
2009: Sebastian Vettel (D), Mark Webber
2010: Sebastian Vettel, Mark Webber
2011: Sebastian Vettel, Mark Webber
2012: Sebastian Vettel, Mark Webber
2013: Sebastian Vettel, Mark Webber
2014: Sebastian Vettel, Daniel Ricciardo (AUS)
2015: Daniel Ricciardo, Daniil Kvyat (RU)
2016: Daniel Ricciardo, Kvyat, Max Verstappen (NL)
2017: Daniel Ricciardo, Max Verstappen
2018: Daniel Ricciardo, Max Verstappen
2019: Max Verstappen, Pierre Gasly (F), Alex Albon (T)
2020: Max Verstappen, Albon
2021: Max Verstappen, Sergio Pérez (MEX)
2022: Verstappen, Pérez

Red Bull Racing – die Motoren

2005: Cosworth
2006: Ferrari
2007–2018: Renault
Seit 2019: Honda

Red Bull Racing – die Erfolgsbilanz

5 Fahrer-WM-Titel (Vettel 2010–2013, Verstappen 2021)
5 Konstrukteurs-Pokale (2010–2013, 2022)
344 Grands Prix
79 Pole-Positions
84 beste Rennrunden
90 Siege
22 Doppelsiege
230 Podestplätze
5219 Führungsrunden
6285 WM-Punkte

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