Euro Moto Superbike
Kevin Orgis (BWW): «Die Motorräder sind wild durch die Gegend geflogen»
Manche haben die unterschiedlichen Reglements 2026 begrüßt, andere zweifelten an der Idee des Euro Moto-Promoters. Nach Oschersleben fällt dem die Zweigleisigkeit nun auf die Füße.
«Jetzt haben wir den Salat» wären ebenfalls eine passende Überschrift gewesen. Nun werden Zeit und Nerven benötigt, um die kleinste Serie der Euro Moto wieder auf Spur zu bringen. Nach den beiden Rennen der Euro Moto Sportbike in Oschersleben wurde gegen die Fahrer des Teams ERC Kawasaki Jules Bercot (F) und Sasha de Vits (B) von zwei Teams jeweils ein Protest eingelegt. Beiden Protesten wurde stattgegeben und die Fahrer im Nachgang disqualifiziert und die Punkte aus Rennen 2 aberkannt.
Doch damit ist das vermeintliche Ende der Geschichte noch längst nicht erreicht, sondern fängt gerade erst an. «Wir haben den Protest nicht eingereicht», betont einer der Antragssteller, «weil wir was gegen das Team, gegen Kawasaki oder die beiden Fahrer persönlich etwas haben.» Ausgangslage des Disputs sind die beiden unterschiedlichen Reglements. Die IDM Sportbike, jetzt Euro Moto, war bereits im Vorjahr im Angebot gewesen, mit dem an die Britische Meisterschaft angelehnten Reglement. Eine WM-Klasse gab es zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Seit diesem Jahr ist die Klasse Sportbike auch eine WM-Klasse, mit einem eigenen Reglement. Bei dem allerdings weniger erlaubt ist als bei der BSB-Variante, sprich in der Regel die Motorräder auch langsamer sind. Der Euro Moto Promoter wollte sich nicht für eine der Varianten entscheiden und ließ beide Regelwerke zu. Um den eigenen Bestandskunden durch die Änderung nicht noch mehr Kosten aufzubürden und um dem eigenen Wunsch von wechselseitigen Besuchen zwischen Teams der WM und Euro Moto nicht im Wege zu stehen. Woraus bis heute übrigens nichts geworden ist.
Als das Team ERC Kawasaki am Sachsenring mit der WM-Variante erstmals auftauchte, war schnell klar, dass auch mit einem Top-Fahrer wie Oliver Svendsen an Podeste und Pokale nicht zu denken war. Das Team zog sich zurück, Lothar Kraus schloss sich in seiner Werkstatt ein und in Oschersleben tauchte das Team wieder auf. Sasha de Vits und Jules Bercot landeten beide auf dem Podium.
In dem nun stattgegeben Protest ist zu lesen, dass bei den Motorrädern nicht mit dem regelkonformen Mapping der Mectronik-Elektronik gefahren worden war. Doch die Geschichte ist auch hier noch nicht zu Ende. Jürgen Höpker-Seibert von Kawasaki Deutschland kann bei der Aufklärung weiterhelfen. Denn das ERC Team war nicht mit Betrugsabsichten mit dem veränderten Mapping, welches etwa 10 PS bringt, an den Start gegangen, sondern mit dem Segen des Promoters.
Nach den Sachsenring-Rennen gab es Gespräche zwischen dem Team mit Techniker Kraus, Kawasaki-Vertreter Höpker-Seibert, dem damaligen Euro Moto-Manager Normann Broy und dessen technischem Berater Karsten Bartschat, der allerdings keine Befugnisse wie die durch den DMSB ausgebildeten und entsandten technische Kommissare hat.
«Von Hersteller Mectronik wurde uns ein Mapping der Elektronik angeboten», erläutert Höpker-Seibert, «Dieses Mapping darf ausschließlich von Mitarbeitern der Firma Mectronik aufgespielt werden und wird aus Sicherheitsmaßnahmen, um eine unerwünschte Weitergabe zu verhindern, mit einer individuellen Nummer getrackt.»
Der Promoter genehmigte den Einsatz dieses Mappings und nahm diese in die Eligible List auf, die im Rahmen der Balance of Performance in allen Klassen regelmäßig ergänzt, erweitert, oder auch gekürzt wird. Diese Liste ist öffentlich einsehbar, auch für die Konkurrenz. Dem Protest wurde stattgegeben, da im Reglement ein Passus zu finden ist, nachdem nur Teile, dazu gehört auch die Elektronik und deren Mapping, verwendet werden dürfen, die für alle Beteiligten frei zugänglich sind.
«Das Map welches Mectronik zu Verfügung stellt», fügt der Mectronik-Hersteller an, «wird nicht in der WM zum Einsatz kommen. Das Map ist ein Custom Map, welches erstellt worden ist, um die Leistungslücke zum National/International bzw. BSB-Reglement zu schließen. Die jeweilige Freigabe des Maps obliegt der jeweiligen Rennserie.»
Juristisch geht es nun auch weiter. Das Team ERC hat gegen die Protest-Entscheidung Berufung eingelegt, womit die Sache wieder beim DMSB, dieses Mal vor dem Berufungsgericht.
Auch das Team ERC aus Karlsruhe äußert sich zu dem Vorfall: «Zunächst möchten wir betonen, dass unser Team zu keinem Zeitpunkt die Absicht hatte, sich einen unlauteren sportlichen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Sämtliche technischen Maßnahmen und Entscheidungen wurden im Vorfeld des Rennwochenendes in enger Abstimmung mit Kawasaki, Mectronik sowie dem Veranstalter und Promoter Euro Moto getroffen. Aus unserer Sicht wird in der aktuellen Diskussion ein wesentlicher Punkt außer Acht gelassen: Für die Euro Moto Sportbike-Klasse liegt die Hoheit über die sogenannte Balance of Performance (BoP) beim Promoter. Gleichzeitig existiert in den aktuell gültigen Regularien keine Bestimmung, die vorschreibt, dass jede im Rahmen der BoP zugelassene technische Lösung frei am Markt erhältlich oder von jedem Teilnehmer zu beziehen sein muss. Eine solche Regelung findet sich zwar in anderen Klassen, nicht jedoch in den Bestimmungen der Sportbike-Klasse.
Vor dem Rennwochenende in Oschersleben wurde unserem Team die ausdrückliche Zustimmung zum Einsatz des verwendeten Steuergerätes und des entsprechenden Mappings erteilt. Diese Freigabe erfolgte nach einem erheblichen technischen und zeitlichen Aufwand, den wir gemeinsam mit Mectronik betrieben haben. Die Programmierung und Abstimmung der Elektronik erfolgten mit voller Transparenz gegenüber den beteiligten Stellen. Darüber hinaus sehen wir auch im Ablauf der technischen Überprüfung mehrere Regelverstöße. Nach unserem Verständnis können technische Beanstandungen ausschließlich innerhalb der vorgesehenen Parc-Fermé-Fristen festgestellt werden. Darüber hinaus sind technische Kontrollen nach den geltenden Regularien an entsprechend zugelassene und autorisierte DMSB-Techniker gebunden. Wir stellen fest, dass dem nicht so war.
Ebenfalls bemerkenswert ist der Umstand, dass bei der technischen Bewertung offenbar ein Fahrzeugdatensatz aus dem FIM-Checker-Tool herangezogen wurde, der sich auf eine Kawasaki ZX-4RR bezog und nicht auf das tatsächlich eingesetzte Modell Kawasaki ZX-6R 636. Hierzu gibt es Bildbeweise. Aus unserer Sicht handelt es sich daher keineswegs um einen Fall bewusst regelwidrigen Handelns, sondern vielmehr um unterschiedliche Auslegungen eines komplexen Regelwerks, das zusätzlich durch verschiedene Zuständigkeiten zwischen Veranstalter, Promoter, Elektroniklieferant und DMSB geprägt ist.
Das Team ERC Kawasaki respektiert selbstverständlich die Arbeit der Offiziellen und der Sportgerichtsbarkeit. Gleichzeitig sind wir überzeugt, im Vorfeld transparent und nach bestem Wissen gehandelt zu haben. Aus diesem Grund haben wir gegen die getroffene Entscheidung widersprochen und einstweilige Verfügung wird beantragt.»
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