Silverstone 2025: Nach Patzern und Technik-Pleite staubte Bezzecchi ab
Der Mai 2025 ging in die MotoGP-Geschichte ein: Nach dem Thriller in Frankreich gab es auch in England einen GP voller Dramen – zur Freude von Marco Bezzecchi, der erstmals für Aprilia triumphierte.
Es fällt ihnen schwer, sich noch im Detail an den Britischen GP im letzten Jahr zu erinnern? Das dürfte daran liegen, dass die Rennen auf der Insel 2025 bereits Ende Mai im Anschluss an den Frankreich-GP und damit zu einem noch frühen Zeitpunkt im Jahreskalender angesetzt waren. Vor fast 15 Monaten hatte Marc Marquez bereits klare Ansagen gemacht, doch vom Titel war bei Runde 7 noch keine Rede.
Schon während des Trainings und Qualifyings hatte sich gezeigt, dass «MM93» zwar konkurrenzfähig, nicht aber weit vor der Konkurrenz fährt. Mit Platz 4 holte sich der Tabellenführer eine solide Ausgangsposition in Reihe 2. Das Gerangel um die Pole überließ er Bruder Alex. Doch auch der jüngere Repräsentant der Familie kam nicht so schnell um die schnelle Piste wie Yamaha-Pilot Fabio Quartararo. Einmal hatte «El Diablo» gezeigt, wer über eine Runde regiert.
Unscheinbar zunächst die späteren Helden – Marco Bezzecchi und Johann Zarco. Der Franzose, Held des Frankreich-GP, hatte die Kunden-Honda auf Position 9 gebracht. Bezzecchi haderte und musste gar nur aus Reihe 4 in die beiden Rennen gehen.
Im Sprint auf der Insel wurde dann das Gemüt des Pole-Setters zum ersten Mal strapaziert. Quartararo hatte null Chance gegen die hinter ihm breit aufgestellte Ducati-Meute. Runde für Runde ging es retour. Mehr als Platz 7 war auch mit einem funktionierenden Renner nicht drin. An der Spitze zeigte Alex Marquez, wie es geht. «AM73» ließ sich nicht einmal auf ein Duell ein – fast vier Sekunden fuhr der Gresini-Pilot über die kurze Distanz heraus. Es war eines der besten Rennen des späteren Vizeweltmeisters überhaupt. Bemerkenswert: Hinter Marc Marquez und Fabio Di Giannantonio wurden im Sprint bereits Bezzeechi und Zarco abgewunken. Acosta war bester KTM-Racer, Platz 8.
Am Sonntag gab es dann Action im Vollformat. Der GP war keine 500 Meter alt, da flog Alex Marquez nach gewonnenem Start in Kurve 1 ab – das vordere Start-Device war nicht in die Ausgangsposition zurückgefahren. Marc Marquez hatte profitiert und an der Spitze vor Fabio Quartararo davongezogen. Noch im ersten Umlauf sorgte eine Kollision zwischen Franky Morbidelli und Honda-Wild-Card Aleix Espargaro für hitzige Debatten im Kies – und einen Abbruch, nach dem Flüssigkeiten ausgetreten waren.
Als die rote Flagge geschwenkt wurde, lag auch Marc Marquez nach übertriebenem Einsatz auf der Nase. Doch der Ducati-Werksfahrer hatte Glück. Da vor Runde 3 abgebrochen wurde, durften alle Piloten wieder zu einem zweiten Versuch ausrücken.
Start 2 war dann eine Angelegenheit von Fabio Quartararo. Der Yamaha-Pilot, noch im Sattel der M1 mit Reihen-Vierzylinder, schaffte das scheinbar Unmögliche und entkam dem Feld mit überlegener Pace. Nach einem Drittel der Distanz hatte die Nummer 20 über fünf Sekunden auf das Feld herausgefahren – alles deutete auf den ersten Yamaha-Sieg seit Jahren hin.
Entkommen konnte «El Diablo» auch, weil große Uneinigkeit für die Verfolgung herrschte. Niemand hatte dabei Jack Miller auf der Rechnung. Der Pramac-Pilot hatte auf soften Reifen zu Beginn so viel Speed, dass er bis auf Platz 2 vordrückte. Marc Marquez, Bagnaia, Alex Marquez und dann auch die stark aufkommenden Bezzecchi und Zarco kämpften sich eine gute Weile am Aussie ab.
Runde 12, der Schock für Yamaha. Der Führende wurde immer langsamer und rollte schließlich aus. Die hintere Höhenverstellung des Bikes war blockiert. Endstation und tiefer Frust beim Champion von 2021. Damit war die Bahn frei für einen Premierensieg auf Aprilia. Bezzecchi, der von Platz 11 mit mittleren Reifen gestartet war, war nach einem Renndrittel nicht mehr zu stoppen. «Bezz» distanzierte Zarco und die Ducati-Piloten Marc und Alex und hielt das Tempo bis zur Flagge oben – es war der erste Triumph auf der RS-GP, der auch deshalb so wichtig für Aprilia war, weil Jorge Martin verletzungsbedingt gar nicht am Start war.
Laut wurde es erneut in der Honda-Box von LCR. Nach dem Sieg in der Heimat etablierte sich Zarco mit Platz 2 kurzzeitig zum neuen MotoGP-Geheimtipp. Der Franzose kam souverän für Marc Marquez über die Linie, der bis auf den letzten Meter mit dem bissigen Franco Morbidelli zu tun hatte. Sprint-Sieger und Start-Crasher Alex Marquez kam mit Platz 5 gut davon. Jack Miller wurde Siebter, hinter Pedro Acosta als wieder klar schnellstem KTM-Athleten.
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