Moto2-WM 2010: Viele Bastler, 16 Chassis-Fabrikate

Von Waldemar Da Rin
Moto2
Portugal-GP 2010: Toni Elias (24) gegen Roberto Pietri (39)

Portugal-GP 2010: Toni Elias (24) gegen Roberto Pietri (39)

Als die Moto2-WM 2010 begann, wurden die Teams von 16 Chassis-Herstellern beliefert. Die Bastler sind verschwunden, sogar Moriwaki, die mit Toni Elias den ersten Weltmeistertitel gewannen.

Seit der später in Misano tödlich verunglückte Japaner Shoya Tomizawa am 13. April 2010 auf einer Suter den ersten Moto2-WM-Lauf der Geschichte gewonnen hat, ist viel passiert.

Der damalige Interwetten-Teambesitzer Daniel M. Epp befürchtete vor dem Ende der 250er-WM, anstelle von renommierten Werken wie Honda und Aprilia würde die Moto2-Klasse von Hinterhofbastlern bevölkert werden, denn jede beliebige Firma konnte Rolling-Chassis für die 600-ccm-Einheitsmotoren anbieten.

Epp zog es vor, seinen Sponsoren wie Caffè Latte ein Werkspaket von Aprilia anzubieten, auch wenn die Italiener dafür die unverschämte Leasingsumme von 1,3 Millionen Euro pro Saison verlangten.

Die Moto2-WM sollte preisgünstiger werden, am liebsten hätte Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta einen Fixpreis von 150.000 Euro pro Motorrad vorgeschrieben.

Dieses Vorhaben liess sich nicht verwirklichen, zumindest nicht bei den Spitzenmotorrädern von Kalex, Suter und Moriwaki, die damals ohne Motor rund 160.000 Euro kosteten. Das Motorenpaket verschlang 56.000 Euro pro Fahrer und Saison, für die Reifen wurde ein ähnlicher Fixbetrag fällig.

An manche Moto2-Bastler von 2010 erinnert sich heute niemand mehr. Nicht weniger als 16 unterschiedliche Fabrikate waren eingeschrieben, 14 holten WM-Punkte, nur ADV und AJR gelang es nicht.

Für Siege und Podestplätze waren aber nur Moriwaki, Suter, Speed-Up, MotoB, FTR, Tech3, I.C.P. und Pons-Kalex gut!
Wir sahen auch Fahrzeuge von Promoharris, MZ, Bimota, Force GP210, RSV, ADV, BQR-Moto2 und AJR. Einige dieser merkwürdigen Exemplare verschwanden aber schon bald stillschweigend von der Bildfläche.

Das Mapfre-Aspar-Team hatte sich zum Beispiel leichtsinnigerweise mit dem No-Name-Hersteller RSV aus Italien verbündet, die Bikes hatten Gitterrohrstahlrahmen, waren übergewichtig und viel zu voluminös. Nach wenigen Rennen mussten Teamchef Martinez und Sportdirektor Gino Borsoi auf Suter-Maschinen umsteigen.

Der italienische Speed-Up-Chef Luca Boscoscuro soll damals grossteils Aprilia-Chassis übernommen haben, die dort verwaist rumstanden, weil Aprilia in letzter Minute den Moto2-EInstieg abgeblasen hatte.

FTR-Chef Steve Bones fand in den Speed-up-Bikes auch einige teile, die er für sein Werk hielt, denn Boscoscuro liess Andrea Iannone 2011 auf FTR antreten.

Moriwaki gewann 2010 den ersten Moto2-WM-Titel mit Toni Elias, auch das Gresini-Team und Tom Lüthi traten anfangs auf dem japanischen Fabrikat an. Inzwischen hat auch Moriwaki längst die Segel gestrichen, 2013 gab es ein letztes Aufbäumen im Idemitsu-Team mit Yuki Takahashi.

Alex Baldolini fuhr 2010 die I.C.P.-Maschine im Team Caretta Technology; er wurde damit in Portugal Zweiter hinter Stefan Bradl (Suter) und vor Alex De Angelis (MotoB).

Kurios war auch das Motorrad «Force 210»: Es wurde von der Firma «Rapid Inside» hergestellt. Diese Firma hatte ein Quasi-Monopol bei der Herstellung von Motorradständern, aber nur Knowhow bei der Chassis-Entwicklung. Sie kopierten einfach einen Honda CBR600RR-Rahmen.

Toni Elias dominierte die WM mit der Moriwaki, er gewann sieben Rennen und wurde mit 70 Punkten Vorsprung vor Julian Simón (RSV/Suter) Weltmeister. Simón fuhr nur zwei Rennen mit der RSV, dann wechselte er in Le Mans auf Suter.

Alex De Angelis wechselte von der Force GP210 auf die MotoB (sie hatte ein TSR-Chassis) und fuhr gleich an die Spitze: Vierter in Motegi, Zweiter in Sepang, Sieg in Australien und Dritter in Portugal.
Erstaunlich: Der Thailänder Ratthapark Wilairot schaffte mit der Bimota den beachtlichen vierten Rang in Assen.

Suter gewann in der ersten Moto2-Saison vier Rennen mit Tomizawa in Doha, Cluzel in Silverstone, Rolfo in Sepang und Bradl in Estoril. Iannone schaffte es mit der SpeedUp immerhin dreimal auf das oberste Treppchen (Mugello, Assen und Aragón). Die restlichen drei WM-Laufsiege gingen an Takahashi (Tech3/Barcelona), De Angelis (MotoB/Australien) und Abraham (FTR/Valencia). Karel Abraham wechselte damals im Frühjahr 2010 frühzeitig von der RSV auf FTR.

Die Konstrukteurs-WM in der Moto2-WM:

2010: 1. Suter 322. 7. Pons-Kalex 81.
2011: 1. Suter 384. 2. Kalex 281.
2012: 1. Suter 382. 2. Kalex 320.
2013: 1. Kalex 392. 2. Suter 297.
2014: 1. Kalex 430. 2. Suter 284.

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