Technik-Wettkampf: WP verdrängt Öhlins, Boscoscuro steigt in Le Mans um
In der noch jungen WM-Saison der Moto2 dominieren bislang jene Fahrer die auf Kalex und WP Suspension gesetzt haben. Um die Lücke zu schließen, ist Luca Boscoscuro überraschend zu WP gewechselt.
Das gibt es selten: In der Saison wechselt ein GP-Spitzenteam seinen Ausrüster für Federelemente. Durchaus überraschend stecken in den Bikes der offiziellen Boscoscuro-Piloten Celestino Vietti und Luca Lunetta vor dem Frankreich-GP anstelle von Öhlins-Fahrerwerken nun Komponenten von WP Suspension.
Der Hintergrund ist offensichtlich: Die in Österreich in Sichtweite zur KTM-Rennsportzentrale in Munderfing hergestellten Gabeln und Stoßdämpfer sind schon lange nicht mehr die Wahl der Außenseiter. Etliche WM-Titel gehen auf das Konto der WP-Entwicklungen. Den letzten holte 2025 Jose Antonio Rueda für Red Bull KTM Ajo.
In der laufenden Saison hat sich die Paarung der Kalex-Fahrerwerk in Kombination mit den Federelementen von WP noch weiter in Front geschoben. Der Auftritt des überlegenen Sieger-Trios beim letzten Moto2-Rennen in Jerez, als die WP-Piloten Agius, Gonzalez und Veijer dem Feld fünf Sekunden enteilten und auch der Vierte David Alonso mit WM-Fahrerwerk an Vietti vorbei auf Rang 4 fuhr, dürfte die Entscheidung bei Boscoscuro endgültig beflügelt haben.
In der WM-Tabelle ist das Bild weniger eindeutig. Denn hinter den beiden Führenden der deutschen Intact-GP-Einheit folgen Izan Guevara und Celestino Vietti und damit zwei Fahrer mit Öhlins-bestückten Boscoscuro. Dennoch: Alle Rennen 2026 gewann ein Kalex-Fahrer mit WM-Federelementen. Mit Intact GP, KTM Ajo und CFMOTO (Aspar) setzen drei Top-Teams auf die Österreicher.
Dazu kommt, dass andere Moto2-Siegfahrer aktuell in einer nachhaltigen Ergebniskrise stecken. Allen voran Aron Canet. Der Spanier, 2025 mit Kalex und Öhlins auf WM-Rang 4 eingelaufen, ist nach seinem Wechsel auf die italienische Boscoscuro bei Marc VDS im Nirgends verschwunden – WM-Rang 18. Es gibt also Handlungsbedarf im Lager des Herstellers, dem es 2024 mit Ai Ogura (MSi) Kalex den Titel in der Fahrer-WM zu entreißen. Die beiden weiteren Boscoscuro-Teams Pramac und Marc VDS werden aber auch in Le Mans mit Öhlins-Federelementen auf die Strecke gehen.
Wie positiv der WP-Effekt sein kann, dass zeigte unlängst auch das Moto2-Projekt von Forward. Racing. Das Team wechselte zur Saison 2026 ebenfalls von Öhlins zu WM. Gleich beim ersten Test fuhr der bis dato wenig in Erscheinung getretene Alex Escrig Rekordzeiten. In Jerez ging Escrig von Startplatz 2 ins Rennen.
Die Stimmung im deutschen Kalex-Lager dürfte nach der Neuigkeit angekratzt sein. Denn mit den zur Weltklasse entwickelten Federelementen aus Österreich werden unweigerlich auch Wissen und Daten aus jahrelanger WM-Entwicklung mit Kalex auf den Bildschirmen bei Boscoscuro landen.
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