Sito Pons zu Rins: «Vergiss Twitter & Sonnenbrillen»

Von Manuel Pecino
Moto2
Paginas-Amarillas-Teambesitzer Sito Pons erwartet von seinem Schützling Alex Rins bei den restlichen neun Rennen vollen Einsatz. Er soll Johann Zarco den Moto2-Titel abjagen.

Für Alex Rins (20) werden die Ergebnisse in der zweiten Hälfte der Moto2-Saison, die am 14. August in Österreich losgeht, darüber entscheiden, wie seine Karriere weitergeht: Nachdem er zweimal am Moto3-Titel vorbeigeschlittert ist und 2017 mit Suzuki in die MotoGP aufsteigen wird, wird sich in den kommenden neun Rennen die Moto2-Weltmeisterschaft zwischen ihm und dem Franzosen Johann Zarco entscheiden.

Darüber, dass Alex Rins einer der Fahrer ist, die die höchste Präsenz haben, ist etwas, worüber sich alle, die sich im Motorsport auskennen, einig sind. Davide Brivio, der Manager des Suzuki Ecstar-Teams, hat nicht gezögert, ihm einen MotoGP-Vertrag anzubieten, nachdem sich Maverick Viñales für einen Wechsel zu Movistar-Yamaha entschieden hatte.

«Beide sind sehr gut», erklärte Sito Pons vor ein paar Wochen auf dem Sachsenring. Als Besitzer des Teams, bei dem Rins 2015 gefahren ist, bei dem er auch 2016 unter Vertrag ist und wo auch Viñales 2014 vor seinem Wechsel in die MotoGP fuhr (auch Tito Rabat und Pol Espargaró fuhren dort), ist Pons wohl derjenige, der Rins als Fahrer am besten einschätzen kann.

Ja, beide sind sehr gut, das zeigen ihre Resultate. Aber wer ist der Bessere und worin unterscheiden sie sich als Fahrer?

Pons zögerte einige Sekunden, bis er antwortete. Er seufzte ein paar Mal, um zu zeigen, dass er überlegt, was er sagen will. Viñales ist nicht mehr bei ihm, Rins schon. «Beide sind sehr gut... Ich würde sagen, Maverick macht die Dinge natürlicher; bei Alex braucht es mehr Aufwand. Viñales geht raus und alles läuft wie am Schnürchen. Und wenn er zurück in die Box kommt, scheint es, als wäre alles ganz von selbst passiert. Alex kann auf demselben Level performen wie Maverick und die gleiche Leistung erbringen, gleich schnell sein. Aber es benötigt mehr Aufwand. Er muss sich auf das fokussieren, was er tut.»

Die Geschichte mit dem Fokussieren ist eine Hausaufgabe des katalanischen Teammanagers Sito Pons an seinen Fahrer, die Alex Rins noch nicht vollendet hat. Vor allem in der zweiten Hälfte der Saison, wenn es darum geht, Johann Zarco den WM-Titel abspenstig zu machen. Zarco hat jetzt 25 Punkte Vorsprung.

Vor dem Rennen in Deutschland, als die beiden Gegner in der WM sehr nahe beieinander standen, hat sich Pons mit seinem Fahrer zusammengesetzt und ein paar klare Worte gesprochen.

Pons weiter: «Ich habe versucht, ihm seine Situation klarzumachen. Er hat nur einen ernsthaften Rivalen im Kampf um den Titel – und das ist Zarco. Von nun an sollte es nur noch um Zarco gehen. Zarco muss seine Besessenheit werden, der Einzige, an den er denkt. Ich habe zu Alex gesagt, er soll Twitter, Sonnenbrillen und den ganzen Unsinn vergessen... Zarco! Wenn du Weltmeister werden willst, muss Zarco das Erste sein, an was du am Morgen denkst, wenn du trainierst. Du musst sein Gesicht sehen, wenn du in den Spiegel schaust... Das ist der einzige Weg, wie du Weltmeister werden kannst. So funktioniert das... Viñales weiß das alles ganz genau. Er kommt an die Rennstrecke und weiß, wofür er hier ist. Er denkt an nichts anderes, als daran, seine Arbeit zu machen.»

Stellen Sie sich das vor, was sie gerade gelesen haben, ein paar Dezibel höher gesprochen als den Rest der Konversation. Pons wurde an diesem Punkt aufgeregt. Er ist ganz klar: «Es ist der einzige Weg! Alex muss sich entscheiden, was er will und welche Rolle er in der Weltmeisterschaft spielen möchte. Er darf sich die Chance nicht entgehen lassen. Nächstes Jahr wird er in der MotoGP-Klasse sein. Dort einen Titel zu gewinnen ist sehr, sehr schwer. Jetzt hat er die Chance, Weltmeister zu werden. Es liegt an ihm, diese Chance umzusetzen.»

Nachdem Rins in den letzten drei Rennen 31 Punkte an Zarco verloren hat (er hat ein direktes Duell in Montmeló verloren), hat Pons seinem Fahrer auf dem Sachsenring ans Herz gelegt, dass er Zarco Druck machen und dessen Selbstvertrauen schwächen muss, bevor es in die Sommerpause geht. «Psychologisch fühlst du dich stärker und das ist auch richtig so. Es geht darum, ihm die Augen zu öffnen und zu zeigen, dass er immer noch einen starken Gegner hat. An dem Punkt, an dem wir jetzt sind, wenn zwei Fahrer so eng beieinander liegen, liegt der Unterschied hier», sagt Pons und deutet mit seinem Zeigefinger an seine Schläfe. Der Teamchef war selbst zweimal Weltmeister – in der 250-ccm-Klasse 1988 und 1989.

Die Dinge sind dann in Sachsen völlig anders gelaufen, wie Sito Pons sich das vorgestellt hat. Am Sonntag beim Deutschland-Grand-Prix stürzte Rins drei Runden vor Schluss, während sein größter Rivale den dritten Sieg in vier Rennen holte.

Mathematisch gesehen heißt das, dass Kalex-Pilot Rins in die zweite Hälfte der Saison mit 25 Punkten Rückstand startet. Wenn man bedenkt, dass es insgesamt noch 225 Punkte zu holen gibt, sind 25 Punkte keine unüberbrückbare Distanz. Deshalb, erklärt Pons, ist Zarcos Vorsprung viel mehr mental als mathematisch.

Es wird spannend zu sehen, in welcher Form Alex Rins aus der Sommerpause zurückkehrt. Alex Rins hat sich den WM-Titel in der Moto3 schon zwei Mal wegnehmen lassen. Einmal schnappte ihn sich Maverick Viñales (2013), einmal Alex Márquez (2014). Und die Moto2-WM im zweiten Jahr nicht zu gewinnen wäre ein bedeutsames Stolpern. Es wäre hochgradig frustrierend.

Ein Fehler, der sich nie mehr wettmachen liesse.

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