Österreich-GP Sponsor «myworld»: Was steckt dahinter?

Von Oliver Feldtweg
MotoGP
GP-Namenssponsor «myworld»: Diffuses Geschäftsmodell

GP-Namenssponsor «myworld»: Diffuses Geschäftsmodell

Die Firma «myworld» trat letztes Wochenende in Spielberg als Namenssponsor des Österreich-GP auf. Aber die Geschäftstätigkeit des Unternehmens wirkt diffus.

Beim GP von Österreich machten wir wieder Bekanntschaft mit einem neuen «naming rights»-Sponsor der Dorna, denn die Firma «myworld» oder «myWorldsolutions» kaufte die Namensrechte für den Motorrad-Grand Prix in der Steiermark. Was dieses Unternehmen konkret produziert, leistet, anbietet oder verkauft, lässt sich nur mit viel Phantasie erahnen.

Hinter dem Firmennamen stecken dieselben Zeitgenossen wie einst hinter der Firma Lyoness, die beim GP in Spielberg 2016 Bannerwerbung kaufte. 2017 erwarb «MotoGP cashback» die Namensrechte für den Österreich-GP, 2018 «eyetime», in diesem Jahr ist «myworld» an der Reihe.

Wer hinter die Kulissen dieses illustren Geschäftsmodells blicken will, findet eine undurchsichtige Art einer Einkaufsgemeinschaft. Die Mitglieder bekommen pro Transaktion 3 oder 5 Prozent «cashback», solange genug neue Mitglieder geworben werden. Kritiker sprechen von einerm Schnellballsystem.

In manchen europäischen Ländern wie in der Schweiz gab es Gerichtsverfahren, es ist von einer diffusen Firmenkonstruktion die Rede. Die Visitenkarten der Topmitarbeiter weisen recht unterschiedliche Geschäftsadressen in unterschiedlichen Ländern auf. Der Chief Executive Officer (CEO) ist bei allen Firmen von Lyoness über eyetime bis myworld überraschenderweise identisch – es handelt sich um Hubert Freidl. Er hat die Lyoness International AG 2003 in Buchs/Schweiz gegründet. Das operative Geschäft wird in erster Linie aus Österreich betrieben. 2018 hat eine Umbenennung zu myworld stattgefunden.

2016 teilte Lyoness mit, man sei weltweit in 47 Ländern tätig und zähle über 130.000 Partnerunternehmen, 13 Millionen Kunden und 250.000 Akzeptanzstellen auf der ganzen Welt. Überprüfen lassen sich diese Angaben alle nicht.

Das intransparente Geschäftsmodell führte jedoch zu zahlreichen Klagen und Ermittlungen gegen das Unternehmen. In Norwegen wurde Lyoness bzw. Cashback verboten, da es als «illegales Pyramidenspiel» eingeschätzt wurde. Auch in Italien hat die Antitrust-Behörde festgestellt, dass es sich bei Lyoness um ein Pyramidenspiel handle; das Unternehmen wurde zu einer Strafe von 3,2 Mio. Euro verurteilt.

In Österreich kam es 2011 zu einem Verfahren, es gab auch in diesem Zusammenhang den Vorwurf von «finanziellen Malversationen» in Form eines «illegalen Gewinnerwartungssystems» beziehungsweise eines «pyramidenartig aufgebauten Schneeballsystems», doch das Verfahren wurde eingestellt. Lyoness bezeichnete sein Geschäftsmodell als Dienstleistungsunternehmen.

Auf Anfrage der Austria Presse Agentur erklärte das von Hubert Freidl gegründete Unternehmen, dass die myWorld Solutions ihr «Know-how verschiedensten internationalen Unternehmen und Organisationen» zur Verfügung stelle. Man biete Lösungen in den Bereichen Produktentwicklung, Projektmanagement, IT, Marketing, PR und Kommunikation sowie Fan- und Kundenbindung.

Als GP-Namenssponsor in der Steiermark hat myworld für den Motorrad-GP 2019 auch Tickets für eine ganze Tribüne mit ca. 3000 Sitzen in der Zielkurve gekauft, sie war stellenweise dünn besiedelt.

Schon vor einem Jahr wunderten sich die Marketing-Spezialisten der Dorna über die verwunderlich geringe Anzahl von VIP-Gästen des GP-Sponsors.

Aber die Rechnungen werden von diesen Cashback-Firmen mit den wechselnden Namen pünktlich bezahlt. Auch in der Formel 1 war diese ominöse Einkaufsgemeinschaft schon GP-Namenssponsor in Spielberg. Auch bei dieser Gelegenheit trat die Cashback-Firma nicht sehr pompös auf, sie stellte nur ein aufblasbares Zelt und zwei Roll-Ups auf. So ein Auftritt sei eines Formel-1-Titelsponsors unwürdig, war zu hören. Denn so ein Deal kostet ca. 2,5 Millionen. 

Aber «myworld» ist auch Jahrespartner der Red Bull-Ring-Rennstrecke in der Steiermark. Es ist zwar keine umtriebige Marketingmannschaft zu erkennen, die Hintergründe des Geschäftsmodells bleiben undurchsichtig. «Myworld» lässt sich aber die Promotion des Firmennamens eine irrsinnige Stange Geld kosten.

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