Fahrer befürchten das Schlimmste: Miese Vorhersagen

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM

Auf keiner anderen Rennstrecke im Superbike-WM-Kalender sind die Auslaufzonen so gering und die Mauern so nah wie in Imola. Bei Regen wird es im Autodromo Enzo e Dino Ferrari noch gefährlicher.

Seit 2001 gastiert die Superbike-WM im Autodrom Enzo e Dino Ferrari in Imola, längst sind die Meetings Tradition. Kaum ein anderes Rennen im Kalender wird von den Fans so gut besucht, die Atmosphäre der Rennstrecke inmitten der Stadt ist unvergleichlich. Die Piste ist aber auch regelmäßig Schauplatz von Dramen, unvergessen ist das letzte April-Wochenende 1991, als die Formel-1-Piloten Roland Ratzenberger und Ayrton Senna in Imola ihr Leben verloren.

Max Neukirchner, mit zwei Siegen und zehn Podestplätze bis heute der erfolgreichste Deutsche in der seriennahen Weltmeisterschaft, stürzte 2009 bei Testfahrten in Imola schwer. Der damals 27-Jährige hatte einen Highsider, brach sich den 12. Brustwirbelkörper und entging nur mit viel Glück einem Leben im Rollstuhl. Weniger Glück als der Sachse hatte der Spanier Joan Lascorz, der seit seinem Testunfall am 1. April 2012 auf der italienischen Strecke im Rollstuhl sitzt.

Die Begrenzungsmauern in Imola sind so nah wie auf keiner modernen Rennstrecke, Auslaufzonen fehlen an vielen Stellen.

«Das ist eine altbackene Strecke, sie ist zu eng und es gibt nur eine Linie», schilderte WM-Leader Alvaro Bautista seine ersten Eindrücke. «Du kannst dir keine Fehler erlauben. Wenn du in einer Kurve einen Fehler machst, dann sind auch die folgenden drei ruiniert. Du musst immer hochkonzentriert sein.»

Der 34-Jährige weiter: «Was die Sicherheit betrifft, ist diese Strecke unter den Mindestanforderungen. Die Streckenbegrenzungen sind sehr nahe und in einigen Kurven fehlen die Kerbs. An vielen Bremspunkten gibt es keine Kerbs, da kommt direkt das Gras. Wenn du eine Kurve andriftest, kannst du mit dem Hinterrad aufs Gras geraten – es kann sich jeder vorstellen, was dann passiert. Körperlich ist sie sehr anstrengend, weil man sich nirgends ausruhen kann und ununterbrochen mit dem Motorrad kämpft. Die Strecke ist auch zu wellig. Wobei es bei den Ducati viel schlimmer aussieht, als bei den Kawasaki. Während sich unser Motorrad ständig bewegt, schaut es bei Rea so aus, als würde er auf ebener Strecke fahren. Als wären wir auf verschiedenen Strecken unterwegs.»

Während wir am Donnerstag und Freitag schmeichelhaftes Frühlingswetter in der Emilia-Romagna genießen durften und es auch am heutigen Samstag über 20 Grad Celsius und viel Sonnenschein gibt, sind die Vorhersagen für Sonntag grauenhaft. Das Thermometer soll nicht über 12 Grad steigen, mäßiger bis starker Regen und teilweise Sturmböen sind angekündigt.

«Durch die Erfolge von Ducati und Bautista rechneten wir mit den besten Zuschauerzahlen seit dem Debüt 2001», erzählte der Kommunikationschef der Imola-Strecke. «Um das Wetter zu beeinflussen, ist mein Draht nach Oben nicht gut genug. Ich bete und habe auch immer brav ausgegessen, aber die Vorhersage ist schlecht.»

Das haben auch die Fahrer zur Kenntnis genommen und melden bereits im Vorfeld ihre Bedenken an.

«Während des Tests im Regen vor zwei Wochen flossen Bäche über die Strecke», erinnerte sich Bautista. «Die Wettervorhersage bringt starken Regen für Sonntag. Wenn es wirklich so kommt, dann wird es brenzlig.»

«Ich fuhr lange nicht im Regen», grübelte Weltmeister Jonathan Rea. «Während der Wintertests regnete es nie, letztes Jahr hatten wir auch kein Regenrennen. Im Nassen ist Imola furchteinflößender als andere Strecken, weil die Begrenzungen so nahe sind.»

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