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13. Oktober 1996 - Schmerzvoller Abschied von der ITC in Hockenheim

Rainer Braun für SPEEDWEEK über den Abschied der ITC (die im Herzen der Fans immer noch eine DTM war) vom deutschen Publikum am 13. Oktober 1996 in Hockenheim.

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Als Kalli Hufstadt zur Eröffnung des Renn-Sonntags ein letzten Mal auf seiner Mundharmonika das Cat Stevens-Stück «Morning has broken» spielt, kehrt im weiter Rund des Motodroms bedrückende Stille ein. So mancher Mechaniker an den Boxen heult hemmungslos, andere setzen diskret die Sonnenbrille auf oder gucken weg.

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Und dann werden die Autos von Alfa, Mercedes und Opel ein letztes Mal ins Motodrom geschoben, begleitet von den Fahrern und Mechaniker-Crews. Alle wissen in diesem Moment, dass es ein Abschieds-Defilee der bis dahin beliebtesten Rennserie in der deutschen Rennsport-Historie sein wird.

Ich habe die Ehre, vor dem Start des ersten Laufs noch ein letzten Interview mit Alfa-Pilot Christian Danner für den Streckenfunk zu führen. Christian ist Realist, erklärt nochmal, «dass die ITC samt DTM vor allem an den viel zu hohen Kosten gescheitert ist.» Aber er betont auch, wie sehr er seine Zeit bei Alfa Romeo in dieser Rennserie genossen hat.

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Dann wird’s ernst, der Countdown für den ersten Lauf wird gestartet, das großartige Publikum macht jetzt richtig Stimmung und sorgt für Lärm und Jubel vom Start bis ins Ziel, zweimal 15 Runden lang. Opel kann am Ende des Tages gleich doppelt jubeln: Dreifach-Sieg im ersten Lauf durch Ludwig (Team Zakspeed), Reuter (Team Joest) und Alzen (Zakspeed) sowie Doppelsieg in Lauf zwei durch Reuter und Ludwig.

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Danach große Huldigung für den angehenden Champion Manuel Reuter im Calibra Reuter parkt seinen schwarzen Calibra (der wird mit dem Cliff-Logo in Jahren danach noch zum Kult-Auto) auf der Rennstrecke hinter dem Zielstrich und nimmt die Ovationen des Publikums auf der Haupt-Tribüne entgegen. Der Parkvorgang wird aber richtig teuer für Reuter – der strenge belgische ITC-Renndirektor Roland Brynserade verhängt mal eben 10.000 Dollar Strafe, «wegen Verstoßes gegen die Streckensicherheit.» Nicht überliefert ist, wer die Strafe am Ende wirklich bezahlt hat.

Und dann gibt es da noch eine Geschichte, von der allerdings nur Insider wissen, weil sie per Zufall Teile eines ebenso laustarken wie hitzigen Disputs im Team-Bereich der Opel-Lounge mitbekommen haben: In der Pause zwischen Lauf 1 und 2 gab es richtig Zoff, weil man es marken- und teamintern nicht auf die Reihe gebracht hat, den Titelkandidaten Reuter schon in Lauf 1 zum Sieg zu verhelfen.

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Technik-Vorstand Jürgen Stockmar nahm sich deshalb seinen Starpiloten Klaus Ludwig zur Brust und erklärte ihm mit deutlichen Worten, was man im 2.Laufs in Sachen Marken-Loyalität im Hinblick auf den möglichen Titelgewinn von ihm erwartet. Wie bereits beschrieben, hat das dann ja auch bestens geklappt …

Schon zwei Wochen später sichern sich Reuter und Opel in Sao Paulo mit zwei 4. Plätzen den Titelgewinn noch vor dem Finale in Suzuka.

In Hockenheim wird es nach der Siegerehrung nochmals still im weiten Rund des Motodroms. Traurig, mit gesenkten Köpfen, gehen die Zuschauer nach Hause. Sie alle wissen, was sie an diesem 13. Oktober verloren haben. Und wieder hat so mancher Besucher auf dem Heimweg Tränen in den Augen.

Als Nachschlag zur allgemeinen Trauer um den Verlust der bis dahin wahrscheinlich besten Tourenwagen-Rennserie in der deutschen Motorsport-Geschichte steigt Anfang Dezember 1996 im Hotel Maritim in Stuttgart ein letztes Abschiedsfest. Gastgeber ist die bisherige DTM-Betreiber-Gesellschaft iTR mit ihrem Präsidenten Hans Werner Aufrecht. Die Organisation wird wenig später aufgelöst.

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Die Sportchefs der drei zuletzt in der DTM bzw. der Nachfolge-Serie ITC involvierten Werke halten teils emotionale Reden. Norbert Haug für Mercedes, Wolfgang Peter Flohr für Opel und Giorgio Pianta für Alfa Romeo. Der Italiener wird in seinem Vortrag gar sentimental. Zum Schluss lässt der Alfa-General noch wissen, «dass es für ihn und Alfa Romeo eine Ehre war, mit seinen Fahrern und Autos vier Jahre lang Teil dieser wunderbaren Rennserie gewesen zu sein.»

Für die ITR spricht Hans Werner Aufrecht. Er betont, mit welcher Begeisterung er und seine Leute rund zehn Jahre in und für die Meisterschaft gearbeitet haben. Die lange Nacht mit dem Austausch vieler Erinnerungen dauert bis weit nach Mitternacht. Die paar Grüppchen, die noch gegen drei Uhr versprengt im weiten Rund des Saales die Köpfe zusammenstecken, tauschen ein letztes Mal wechselweise mehr heulend als diskutierend Geschichten aus.

Das Kapitel DTM ist zwar fürs erste geschlossen, aber angestoßen durch den engagierten Einsatz von vier Unverdrossenen, darunter Christian Danner und ZDF-Regisseur Bernd Krämer, feiert die beliebte Rennserie dreieinhalb Jahre nach der denkwürdigen Nacht von Stuttgart ihre Wiederauferstehung.

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Und zwar dort, wo sie am 13. Oktober 1996 beerdigt wurde. Am 28. Mai 2000 startet die «neue DTM» mit drei Herstellern und 19 Autos in ihre erste Saison. Dass daraus bis heute 27 Jahre am Stück werden sollten, hat damals beim zweiten Neustart wohl keiner ernsthaft geglaubt.

Die DTM lebt unverdrossen weiter, geht 2027 in ihrer Neufassung ins 28. Jahr und ist damit die am längsten hierzulande existente Automobil-Meisterschaft auf der Rundstrecke. Rechnet man die 13 Jahre der ersten Serie noch dazu, kommt man sogar auf 40 Jahre.

Zwar brachten die letzten Jahre mit den GT3-Autos eine andere Fahrzeug-Kategorie und mit dem ADAC eine neue Betreiber-Organisation. Aber nur durch diese einschneidenden Veränderungen, die natürlich nicht jedem eingefleischten Fan des alten DTM-Formats gefallen, konnte der Fortbestand der Rennserie durch den ADAC gerettet und längerfristig gesichert werden.

Wie am Ende einer jeden Saison geht in diesen Tagen das Finale 2026 an dem Ort über die Bühne, an dem vor 30 Jahren die Erstauflage der DTM tränenreich verabschiedet wurde. Von den damaligen Piloten sind einige wenige noch heute dabei – aber nur als Markenbotschafter. Und mit Nicki Thiim (37, Aston Martin) und Luca Engstler (26, Lamborghini) gibt es im aktuellen Starterfeld sogar zwei schnelle Söhne ehemals erfolgreicher Väter aus der Ur-DTM.

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