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Kölner Kult-Geschichten 5: Zoff im Schatten des Doms
​Im fünften Teil unserer Kölner Kult-Geschichten: Verblüffendes über den Dauerkrach der beiden Kölner Porsche-Rennställe Loos und Kremer, Dauerthema in den 1970er Jahren.
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Kremer-Porsche 935 K3 mit Klaus Ludwig in der Startrunde 1979 am Norisring, verfolgt drei roten Loos-935 mit Schurti, Wollek und FitzpatrickKremer-Porsche 935 K3 mit Klaus Ludwig in der Startrunde 1979 am Norisring, verfolgt drei roten Loos-935 mit Schurti, Wollek und FitzpatrickFoto: Kräling
Kremer-Porsche 935 K3 mit Klaus Ludwig in der Startrunde 1979 am Norisring, verfolgt drei roten Loos-935 mit Schurti, Wollek und Fitzpatrick© Kräling
Wenn man heute über die großen Kölner Motorsport-Jahre spricht, ist dieses Thema immer präsent: die öffentlich ausgetragene Privatfehde der beiden Porsche-Rennställe Loos und Kremer.
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Die Kontrahenten: Hier Georg Loos, wohlhabender Geschäftsmann, cholerisch, launisch, aggressiv und arrogant. Dort die Brüder Erwin und Manfred Kremer samt Vater Nikolaus, eigene Porsche-Vertretung mit angeschlossenem Rennstall. Alle Kremers gelten als typische rheinische Originale. Das Familien-Unternehmen Kremer arbeitet solide und bodenständig: Manfred kümmert sich um den Bereich Motoren, Erwin zeichnet für die Finanzen verantwortlich, und Vater Nikolaus managt die Organisation. Es gibt reichlich zu tun, auf den Kölner Straßen rollen schon in den 1970er-Jahren viele Porsche 911 und 914. Bei Loos hingegen gilt eher das Motto: Was kostet die Welt? Wenn er keine Rennen fährt, sitzt er in seiner Villa im vornehmen Kölner Stadtteil Marienburg, bewacht von zwei riesigen Doggen. Sein Geld macht er mit Börsen- und Immobilien-Geschäften.
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Porsche-Kremer werkelt und wohnt im westlich gelegenen Kölner Stadtteil Ossendorf und erfüllt in seinem Betrieb die Wünsche der Porsche-Kundschaft für Renneinsätze und Straße.
Beide Parteien stehen sich von Beginn ihres Motorsport-Engagements an feindselig gegenüber. Hobby-Rennfahrer Loos beeindruckt zunächst mit einem imposanten Renn-Fuhrpark: Ferrari 512 M, McLaren M8F, Mirage-Ford, Porsche 917 Turbo-Spider. Seine persönliche Erfolgsausbeute als Rennfahrer hält sich aber in Grenzen. Das sieht bei Erwin Kremer ganz anders aus – unter Einsatz eines eher bescheidenen Etats rennt und siegt er mit selbstpräparierten 911er-Porsche und bringt es zu einer ansehnlichen Trophäen-Sammlung. Als sowohl Loos wie auch Erwin Kremer nach ihrer eigenen Hobby-Rennfahrerzeit beschließen, künftig mit jeweils eigenem Rennstall anzutreten und dafür Edel-Profis engagieren, geht der ganze Zoff so ab Mitte der Siebziger erst richtig los. GELO Racing vs. Porsche-Kremer – für die Kölner Fangemeinde und die vier lokalen Tageszeitungen ist das für viele Jahre ein wahres Fest. Die Ausgangslage: Porsche-Kremer schickt seine selbstvorbereiteten 911er Carrera, RSR und 935 Turbo mit namhaften Piloten wie Bob Wollek, John Fitzpatrick oder Klaus Ludwig vor allem in die populäre Deutsche Rennsport-Meisterschaft (DRM). Das Team fährt Siege ein, was fürs Werkstattgeschäft gut ist, denn viele Porsche auf Kölns Straßen sind bei Kremer gekauft und werden dort auch gewartet. Geld ist nicht im Überfluss da, aber es reicht unter Einbezug der Sponsoren gerade aus, um gute Autos auf die Piste zu schicken und schnelle Fahrer zu bezahlen. Aber den begehrten DRM-Titel holen sich zunächst fünf Mal hintereinander die Ford-Werkspiloten. GELO hingegen kauft groß bei Porsche ein: Zunächst mehrere Carrera RSR, danach drei 935-Turbo. Dazu verpflichtet er Profis der Preisklasse Stommelen, Schenken, Hezemans, Schurti & Co. Die Rennautos gibt er standesgemäß in die teure technische Vollpension zu Porsche nach Zuffenhausen. Loos und sein Team schaffen zwar auch DRM-Einzelsiege, scheitert aber in Sachen Titelgewinn wie Kremer bis zum Ende der Ford-Dominanz. Schon zu dieser Zeit nehmen verbale Gefechte und gegenseitige Abneigung von Jahr zu Jahr zu. Als John Fitzpatrick von Loos mit höherer Gage bei Kremer weggelockt wird, ist schon die nächste Lunte gelegt. Der Engländer, in Stil und Auftritt das glatte Gegenteil seines neuen Arbeitsgebers, kommt aber mit der prollig-protzigen Art des neuen Chefs nicht zurecht und schmeißt nach drei Monaten wieder hin. "Der Mann ist unerträglich", erklärt "Fitz" stocksauer der Fachpresse – und kehrt reumütig in sein altes Kremer-Team zurück. Zum großen Showdown kommt es im September 1977 beim dramatischen DRM-Finale am Ring. Beide Kontrahenten bzw. deren Titelanwärter Bob Wollek für Kremer und Rolf Stommelen für Loos starten beim Super-Sprint auf der 2,1 km kurzen Betonschleife mit nur drei Punkten Unterschied im strömenden Regen zur entscheidenden Schlacht. Mit einem klaren Stommelen-Sieg über Wollek schnappt Loos seinem Erzfeind Kremer den schon greifbar nahen Titel weg und sorgt für den ersten Porsche-Triumpf in der DRM seit deren Start 1972. Derweil zählt die Polizei vor Ort "so viele Porsche mit Kölner Kennzeichen wie noch nie zuvor in der Ring-Geschichte" (O-Ton Ring-Polizeichef Kempenich). Nach diesem Triumph veranstaltet Loos noch am selben Abend eine ausschweifende Siegesfeier mit diversen Schäden am Hotel-Mobiliar ("Das zahl‘ ich aus der Portokasse"). Anschließend macht er sich über die enttäuschten Kremers öffentlich lustig, nennt sie "armselige Würstchen und Korinthenkacker" und noch viel Schlimmeres. So geht es in den folgenden Jahren immer weiter, Fahrer kommen und gehen, Loos wildert im Kremer-Revier – und umgekehrt. Immer neue Provokationen und Eskalationen folgen. Loos lockt für jeweils viel Geld bei Kremer deren langjährige Stammpiloten zu sich, die allerdings, vom neuen Chef genervt, nach und nach wieder zum alten Team zurückkehren. Beide Teams konkurrieren inzwischen mit jeweils gleichen Waffen, mit dem Porsche 935 Turbo treten sie in der DRM und in der Marken-WM gegeneinander an. Die Rivalität mutiert zu offener Feindschaft mit immer groteskeren Begleiterscheinungen. Vor und nach jedem Renn-Wochenende brodelt es in Köln weiter, Loos-Anwälte haben phasenweise Hochkonjunktur. Kölner Amtsrichter verdrehen genervt die Augen beim Anblick immer neuer Klageakten beider Seiten. Einstweilige Verfügungen und Unterlassungs-Erklärungen wabern hin und her. Manfred Kremer, früher mal Amateurboxer, muss sich manchmal sehr beherrschen. "Oft hat’s mich gejuckt, dem Loos mal richtig die Fresse zu polieren. Aber mit Rücksicht auf unser Team und die Bewerberlizenz hab’ ich darauf verzichtet." Angeblich mussten die Kremers sogar Fans und Freunde aus dem Kölner Milieu davon abhalten, die Loos-Abreibung in Eigenregie zu erledigen. Aber die Gedemütigten geben nicht auf und schmieden einen gewaltigen Racheplan. Nachdem Loos den Kremers auch noch Stammpilot Bob Wollek abgeworben hat, schlagen die Porsche-Brüder zurück. Für ihre neue, selbst aufgebaute Wunderwaffe Kremer 935 K3 holen sie sich für die DRM-Saison 1979 den aktuellen Loos-Piloten Klaus Ludwig. "Das war nicht sonderlich schwer", sagt Erwin K. grinsend, "der Klaus war von Loos und seiner Art, mit Menschen umzugehen, sowieso restlos bedient." Der Gegenspieler tobt und lässt sich zu neuen Drohungen hinreißen – alles natürlich wieder öffentlich. Im Laufe der DRM-Saison 1979 demütigt Kremer dann seinen Peiniger gnadenlos. Ludwig gewinnt zehn von elf DRM-Rennen samt Meistertitel. Und als Sahnehäubchen auch noch die 24 Stunden von Le Mans. Loos hingegen zählt da wie dort zu den Verlierern. Die Kremers haben endlich zum großen Befreiungsschlag ausgeholt. Unterdessen legt sich Loos in einem Anfall von Größenwahn sogar mit Porsche an. Weil Pressesprecher Manfred Jantke in einem TV-Interview diplomatisch klarstellt, "dass Auftritt und Benehmen unseres Kunden Georg Loos nicht dem Stil des Hauses entsprechen", wird ihm vom Kölner Chef-Choleriker sogleich "wegen unpassender Kommentare zu meiner Person" eine Klage angekündigt. Als Loos deshalb von Porsche-Vorstand Dr. Fuhrmann öffentlich gerüffelt wird, droht er großkotzig mit dem Aufkauf des Unternehmens ("notfalls kauf‘ ich die Klitsche eben"). Jetzt ist das Maß auch bei Porsche voll, der Vorstand geht offiziell auf Distanz zum Kunden Loos. Mit dem Ende der großen Porsche 935-Turbo-Ära 1981 wird es auch langsam ruhiger um die streitbaren Parteien. Die Wege der beiden Kölner Porsche-Rennställe beginnen sich zu trennen. Kremer konkurriert noch ein paar Jahre mit einem Porsche 936 in der DRM und setzt parallel dazu in der neuen Gruppe C seine Eigenkonstruktion Porsche CK 5 ein. Zusätzlich starten Kremer-Porsche 956/962 in der Sportwagen-WM. GELO kündigt zwar ein ähnliches Programm an, das er aber nie verwirklichst. Stattdessen verschwinden er und sein Team bald ganz von der Bildfläche, offensichtlich aber nicht so ganz freiwillig. Man munkelt von geschäftlicher Schieflage und finanziellen Problemen. Auch die Kölner Staatsanwaltschaft interessiert sich in der Folgezeit für Georg Loos. Mit Schlagzeilen wie "Kölner Porsche-König auf der Flucht" oder "Staatsanwalt jagt Loos wegen Millionen-Betrug" vermelden die Tageszeitungen der Domstadt die Kunde vom tiefen Fall des umstrittenen Rennstallbesitzers. Wer jetzt noch mit Loos Kontakt aufnehmen will, kommt zu spät – er ist nicht mehr erreichbar. Seine Villa steht bald leer und verfällt im Laufe der Jahre zusehends. Damit endet eine der verrücktesten Kölner Rennsport-Geschichten. Sowohl Georg Loos wie auch Nikolaus, Manfred und Erwin Kremer sind schon vor Jahren gestorben. Aber der Name Kremer als Service-Betrieb für die Porsche-Klientel lebt nach der Umbenennung in "Kremer Racing" weiter am alten Standort im Kölner Stadtteil Ossendorf. Und all jene, die damals etwa vermutet haben, der ganze Zirkus sei von beiden Parteien ganz bewusst nur als Scheingefecht inszeniert worden, um etwa Futter für die newsgierige Kölner Boulevard-Presse zu produzieren, die musste Erwin Kremer noch zu Lebzeiten enttäuschen: "Leider war das alles bitterer Ernst und ich hätte mir gewünscht, dass uns das alles erspart geblieben wäre." Seit 2010 hat "Kremer Racing" mit dem ehemaligen Hobby-Rennfahrer und Kölner Unternehmer Eberhard Baunach einen neuen Besitzer. Der Betrieb bietet neben normalen Werkstatt-Leistungen auch Restaurierung und Service im historischen Rennsportbereich an.
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