Dall’Igna (Ducati) über Bulega: «Der richtige Zeitpunkt ist gekommen»
Ducati befördert Nicolo Bulega 2027 endgültig in die MotoGP. Gigi Dall’Igna und Pablo Nieto erklären, warum der 26-Jährige bereit ist – und weshalb ihm das neue Reglement entgegenkommt.
Nicolo Bulegas ungewöhnlicher Karriereweg
Ducati setzt die Zusammenarbeit mit Bulega klassenübergreifend fort. Der Italiener bleibt damit auch nach seinem Abschied aus dem Aruba.it-Ducati-Werksteam Teil des Ducati-Rennsport-Projekts. Für Ducati-Corse-General-Manager Gigi Dall’Igna ist der Zeitpunkt für den Aufstieg gekommen. «Wir freuen uns sehr, unsere Vereinbarung mit Nicolo zu verlängern und ihn ab der kommenden Saison im MotoGP-Projekt von Ducati willkommen zu heißen», erklärte der Ducati-Rennchef.
Bulega habe sich laut Dall’Igna in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. «Er hat bewiesen, dass er ein sehr talentierter Fahrer ist, der sich stetig steigern, das Maximum aus unseren Motorrädern herausholen und ein extrem hohes Niveau erreichen kann.»
Nach schwierigen Jahren in Moto3 und Moto2 hatte Bulega seine Karriere 2022 mit dem Wechsel in die Supersport-WM neu ausgerichtet. 2023 wurde er auf Ducati Weltmeister, anschließend stieg er ins Superbike-Werksteam auf. In seinen ersten beiden Jahren in der höchsten seriennahen Klasse wurde er jeweils Vizeweltmeister, aktuell befindet er sich auf Kurs zum WM-Titel.
«Sein Weg bestätigt, dass er nicht nur eine starke und erfolgreiche Gegenwart hat, sondern gleichzeitig auch eine sehr vielversprechende Zukunft», betonte Dall’Igna. «Wir glauben, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, diese neue Herausforderung anzunehmen.»
Dall’Igna: VR46 ist das ideale Umfeld
Dass Bulega ausgerechnet zu VR46 wechselt, hält Dall’Igna für einen wichtigen Faktor. Schließlich kennt der Italiener das Umfeld aus seiner Jugend und seinen Jahren in Moto3 und Moto2. «Das Pertamina-Enduro-VR46-Team ist das ideale Umfeld, um ihn bei seiner Anpassung an die MotoGP zu unterstützen», ist Dall’Igna überzeugt. «Wir sind sicher, dass er dort alle Werkzeuge erhalten wird, die er benötigt, um sein Potenzial maximal auszuschöpfen.»
Bevor der Fokus vollständig auf der MotoGP liegt, hat Bulega allerdings noch eine wichtige Aufgabe zu erledigen. «Die neue Herausforderung muss warten», stellte Dall’Igna klar. «Im Moment liegt der Fokus weiterhin auf der Superbike-WM. Nicolo fährt eine großartige Saison und jetzt müssen wir die gesamte Arbeit auf ein einziges Ziel konzentrieren: gemeinsam um den WM-Titel zu kämpfen.»
Dall’Igna hebt dabei ausdrücklich die Rolle von Aruba.it Ducati hervor. Das Team habe Bulega nach dessen schwieriger Grand-Prix-Karriere die Möglichkeit gegeben, sich im seriennahen Rennsport neu zu beweisen. «Sie waren die Ersten, die an ihn geglaubt haben», unterstrich der Ducati-Rennchef und lobte damit die Arbeit von Stefano Cecconis Mannschaft. «Die Entwicklung, die ihn an den Punkt gebracht hat, bereit für die MotoGP zu sein, ist das Ergebnis eines gemeinsamen Engagements, der harten Arbeit des Teams und der Entschlossenheit, die Nicolo Jahr für Jahr gezeigt hat.»
Warum Bulega 2027 einen besonderen Vorteil besitzt
VR46-Teammanager Pablo Nieto sieht ebenfalls keinen Zweifel daran, dass sich Bulega seinen Platz in der MotoGP verdient hat. «Mit Nicolo Bulega komplettieren wir unsere Fahreraufstellung für das kommende Jahr. Er hat immer wieder bewiesen, dass er sehr talentiert und entschlossen ist», erklärte Nieto. «Sein Weg war nicht immer einfach, aber jetzt dominiert er die Superbike-WM. Er hat bewiesen, dass er einen Platz in der MotoGP verdient.»
Der Zeitpunkt seines Aufstiegs wird Bulega zweifellos entgegenkommen. 2027 beginnt in der MotoGP mit den neuen 850-ccm-Motoren, weniger Aerodynamik und dem Wechsel von Michelin zu Pirelli eine neue technische Ära. «Im kommenden Jahr ändert sich das Reglement und wir beginnen alle bei null», erinnerte Nieto.
Gerade dabei könnte Bulega über Erfahrungen verfügen, die kaum ein anderer MotoGP-Neuling mitbringt. Durch seine Jahre in Supersport und Superbike kennt er die Pirelli-Reifen bestens. Gleichzeitig arbeitet er bereits als Ducati-Testfahrer an der neuen Desmosedici GP für 2027.
Nieto sieht darin einen wichtigen Vorteil: «Seine Erfahrung mit den Reifen aus der Superbike-WM und die Tests mit der neuen Ducati Desmosedici GP als Ducati-Testfahrer werden ihm sicherlich helfen, sich gut an die neue Kategorie anzupassen und diesen Weg so einfach wie möglich zu gestalten.»
Bulega steigt somit zwar als MotoGP-Rookie ein, startet aber keineswegs bei null. Neben seiner Erfahrung mit Pirelli kennt er bereits die neue Ducati und absolvierte Ende 2025 als Ersatzfahrer im Ducati-Werksteam seine ersten beiden MotoGP-Rennwochenenden. Entsprechend ambitioniert blickt Nieto auf die gemeinsame Zukunft: «Wir vertrauen ihm und wissen, dass er in der Lage sein wird, um gute Ergebnisse zu kämpfen.»
Für Bulega schließt sich damit ein Kreis. Einst führte ihn sein Weg mit VR46 durch Moto3 und Moto2, ohne dass der erhoffte Durchbruch gelang. Erst der Wechsel in den seriennahen Rennsport brachte seine Karriere auf Erfolgskurs. 2027 kehrt er zu VR46 zurück – diesmal mit der Rückendeckung von Ducati und als Stammpilot in der MotoGP.
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