Marini über Rossi: «Ich bekam mit, was hinter den Kulissen passierte»
Luca Marini wuchs hautnah mit den Erfolgen seines Halbbruders Valentino Rossi auf. Vor dem MotoGP-Heimspiel in Misano verrät der Honda-Pilot, wie sehr ihn «Vale» prägte.
Als Luca Marini am 10. August 1997 in Urbino geboren wurde, hatte die einzigartige Karriere seines Halbbruders Valentino Rossi gerade erst Fahrt aufgenommen. Drei Wochen später krönte sich der damals 18-jährige Rossi in Brünn zum 125-ccm-Weltmeister – es war der erste von insgesamt neun WM-Titeln.
Marini wuchs somit in einer Zeit auf, in der sein 18 Jahre älterer Bruder vom italienischen Nachwuchstalent zu einem der größten Stars des Motorradsports wurde. Als Kind begleitete er Rossi regelmäßig zu den Rennstrecken und erlebte dessen Erfolge aus einer Perspektive, die den meisten anderen verborgen blieb.
Marini folgte seinem Halbbruder an die Rennstrecken der Welt
Vor seinem MotoGP-Heimspiel in Misano sprach der inzwischen 29-jährige Marini bei MotoGP.com darüber, wie sehr ihn diese Zeit geprägt hat. «Als ich jünger war, folgte ich meinem Bruder an viele Orte und in viele Länder der Welt. Ich feierte mit ihm seine Erfolge. Wir alle wissen, was Vale erreicht hat», erinnert sich Marini.
Doch für ihn waren nicht nur die Pokale und Jubelszenen entscheidend. «Ich bekam auch mit, was hinter den Kulissen passierte. Und das inspirierte mich sehr und gab mir ein tolles Gefühl. Ich genoss jeden Moment und diese besondere Verbindung mit Vale. Ich versuchte, von ihm zu lernen.»
Marini erlebte aus nächster Nähe, wie aus dem 125-ccm-Weltmeister ein Champion in der 250er- und schließlich der Königsklasse wurde. Rossi sammelte neun WM-Titel und 115 Grand-Prix-Siege, bevor er seine aktive Karriere Ende 2021 beendete. Zu diesem Zeitpunkt war sein jüngerer Bruder bereits selbst in der MotoGP angekommen.
Marinis eigene Karriere begann ausgerechnet in Misano
Trotz der prominenten Verbindung musste sich Marini seinen Weg durch die Nachwuchsklassen erarbeiten. 2013 wurde er mit sechs Podestplätzen Vierter der Italienischen Moto3-Meisterschaft. Im selben Jahr gab er ausgerechnet in Misano per Wildcard sein Debüt in der Motorrad-WM, das allerdings bereits mit einem Sturz in der ersten Kurve endete.
Nach einem Jahr in der Spanischen Moto3-Meisterschaft wechselte Marini 2015 in die Moto2-Europameisterschaft. 2016 folgte mit Forward Racing seine erste komplette WM-Saison in der Moto2. Den entscheidenden Karriereschritt machte Marini 2018 mit dem Wechsel zum Sky Racing Team VR46 seines Halbbruders. Auf dem Sachsenring stand er erstmals auf einem WM-Podium, in Sepang feierte er seinen ersten Grand-Prix-Sieg.
2019 folgten zwei weitere Siege. Ein Jahr später kämpfte Marini um den Moto2-WM-Titel. Mit Siegen in Jerez, Misano und Barcelona wurde er am Ende Vizeweltmeister – lediglich neun Punkte hinter Enea Bastianini. 2021 folgte schließlich der Aufstieg in jene Klasse, die sein Bruder über viele Jahre geprägt hatte: die MotoGP.
Dass die familiäre Verbindung zur legendären Startnummer 46 auf seinem eigenen Karriereweg zusätzlichen Druck erzeugte, sieht Marini allerdings nicht als entscheidenden Faktor. «Ich würde nicht behaupten, dass ich mehr Druck habe», stellt er klar. «Jeder MotoGP-Pilot steht unter großem Druck. Es ist schwierig für uns, auf diesem Niveau zu fahren. Ich lernte zeitig, wie ich damit umgehen muss.»
Über Ducati zu Honda zu KTM
Seine ersten drei MotoGP-Jahre bestritt Marini auf Ducati. Nach der Debütsaison bei Sky VR46 Avintia wechselte er 2022 ins neu aufgestellte MotoGP-Team von VR46. Seine bis heute erfolgreichste Saison in der Königsklasse erlebte er 2023. Beim Grand Prix of The Americas in Austin wurde Marini Zweiter und feierte damit sein erstes Grand-Prix-Podium in der MotoGP. In den Sprintrennen in Argentinien, Thailand und Katar stand er ebenfalls auf dem Podest. Die Saison beendete er als WM-Achter.
Anschließend wagte Marini einen großen Schritt und verließ das familiäre VR46-Umfeld. Seit 2024 fährt er für Honda und arbeitet am Wiederaufbau des erfolgreichsten Herstellers der MotoGP-Geschichte. Seine Zeit bei HRC endet nach der laufenden Saison: Für die neue 850-ccm-Ära wechselt Marini 2027 zu Tech3 und KTM.
Unabhängig von Motorrad und Team ist die MotoGP für Marini längst zu einem ähnlich wichtigen Bestandteil seines Lebens geworden, wie er es schon als Kind an der Seite seines Bruders erlebte. «Die MotoGP ist ein großer Teil meines Lebens», unterstreicht der Italiener. Besonders die extreme Geschwindigkeit fasziniert ihn bis heute.
«Wir erreichen unglaubliche Topspeeds. Selbst wenn man sich hinter der Verkleidung klein macht, spürt man, dass man richtig schnell unterwegs ist. In dem Moment, in dem man bremst und aus der Verkleidung kommt, drückt der Wind extrem und man muss sich richtig festhalten.» Trotz inzwischen mehrerer Jahre in der Königsklasse hat dieses Erlebnis für Marini nichts von seiner Faszination verloren: «Das ist ein tolles Gefühl. Ich liebe es!»
Am Wochenende kehrt der 29-Jährige nun nach Misano zurück – an jene Strecke, an der er 2013 sein WM-Debüt gab, 2020 einen seiner drei Moto2-Siege auf dem Weg zum Vizeweltmeistertitel feierte und die nur wenige Kilometer von der Heimat der Familie Rossi entfernt liegt.
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