Brad Binder geht zu BMW: KTMs erster MotoGP-Sieger wird ausgemustert
Nach 15 Jahren im Grand-Prix-Fahrerlager endet für Brad Binder nach der Saison 2026 ein großes Kapitel. Der Südafrikaner wechselt nach sieben MotoGP-Saisons zu BMW in die Superbike-WM.
Nun herrscht endgültig Klarheit über die Zukunft von Brad Binder: Der Südafrikaner verlässt nach der Saison 2026 die MotoGP und die KTM-Familie und wechselt in die Superbike-WM.
Damit endet für Binder eine lange Ära. Seit 2012 gehört der Südafrikaner ununterbrochen zum Grand-Prix-Fahrerlager. Über die Moto3 und die Moto2 führte ihn sein Weg 2020 in die MotoGP. Besonders bemerkenswert: Seine komplette Karriere in der Königsklasse bestritt Binder mit KTM.
Seine ersten Jahre in der Weltmeisterschaft verbrachte Binder in der Moto3. Nach ersten Podestplätzen entwickelte er sich zu einem der stärksten Fahrer der Nachwuchsklasse. Den großen Durchbruch schaffte er 2016.
In seiner fünften Moto3-Saison dominierte Binder mit der KTM die Weltmeisterschaft und sicherte sich mit sieben Siegen souverän den Titel. Unvergessen blieb sein Rennen in Jerez: Wegen einer technischen Unregelmäßigkeit musste er vom letzten Startplatz ins Rennen gehen – und gewann dennoch.
Über Moto2 in die Königsklasse
2017 stieg Binder in die Moto2 auf und wurde Teil des neuen KTM-Projekts in der mittleren Kategorie. Bereits in seiner Rookie-Saison gelangen ihm drei Podestplätze, 2018 folgten die ersten drei Moto2-Siege.
Seine stärkste Saison in der mittleren Kategorie erlebte Binder 2019. Nach einem schwierigen Saisonstart kämpfte er sich mit fünf Siegen noch einmal in den Titelkampf zurück. Am Ende wurde er hinter Alex Marquez Vizeweltmeister.
KTM beförderte Binder daraufhin für 2020 ins MotoGP-Werksteam. Lange benötigte der Südafrikaner nicht, um auch in der Königsklasse für Aufsehen zu sorgen. Bereits bei seinem dritten MotoGP-Rennen gelang die Sensation: In Brünn gewann Binder den Grand Prix von Tschechien. Es war nicht nur sein erster MotoGP-Sieg, sondern gleichzeitig der erste Triumph von KTM in der Königsklasse. Damit schrieb Binder ein wichtiges Kapitel in der MotoGP-Geschichte des österreichischen Herstellers.
Zwei MotoGP-Siege – und ein unvergessliches Regenrennen
Seinen zweiten Grand-Prix-Sieg feierte Binder 2021 auf dem Red Bull Ring. Auch dieser Erfolg blieb in Erinnerung. Als in den Schlussrunden Regen einsetzte, verzichtete Binder im Gegensatz zu zahlreichen Konkurrenten auf den Wechsel zum Motorrad mit Regenreifen. Auf Slicks kämpfte er sich über die zunehmend nasse Strecke und rettete einen spektakulären Sieg ins Ziel.
Binder entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer der Konstanten im KTM-Projekt. Während Teamkollegen kamen und gingen, blieb der Südafrikaner dem Hersteller treu. Besonders seine kompromisslose Fahrweise, seine Stärke beim Bremsen und seine Fähigkeit, auch aus schwierigen Situationen noch Ergebnisse herauszuholen, machten ihn zu einer wichtigen Größe im Werksteam.
Seine beste MotoGP-Saison erlebte Binder 2023. Er beendete die Weltmeisterschaft als Vierter und stand mehrfach auf dem Podium. Zudem gewann er die Sprintrennen in Argentinien und Jerez.
An einen Grand-Prix-Sieg konnte Binder allerdings seit Spielberg 2021 nicht mehr anknüpfen. Mit der zunehmenden Leistungsdichte der MotoGP wurde es für den Südafrikaner immer schwieriger, regelmäßig um die Spitzenplätze zu kämpfen. Auf den 2024 präsentierten neuen Michelin-Hinterreifen konnte sich Binder nie richtig einstellen. Sein natürlicher, spektakulärer Fahrstil war nach der Reifenumstellung nicht mehr schnell.
Neue Herausforderung nach sieben MotoGP-Saisons
Nach sieben Saisons in der Königsklasse schlägt Binder 2027 nun einen grundlegend anderen Weg ein. Erstmals verlässt er den Grand-Prix-Sport und stellt sich der Herausforderung mit einem seriennahen Rennmotorrad.
BMW setzt große Hoffnungen in den Moto3-Weltmeister von 2016. «Besonders beeindruckt uns sein unbedingter Wille, in der Superbike-WM ein neues Kapitel aufzuschlagen», erklärte BMW-Motorrad-Motorsportchef Sven Blusch. «Sein Ziel ist klar: Er will um den Weltmeistertitel kämpfen.»
Zunächst müsse sich Binder allerdings mit den Besonderheiten der seriennahen Weltmeisterschaft und seinem neuen Arbeitsgerät vertraut machen. «Es gilt, sich an die BMW M1000RR und die neue Weltmeisterschaft zu gewöhnen – wir trauen ihm zu, dass ihm das schnell gelingt», betonte Blusch.
Bei BMW trifft Binder auf einen bestens bekannten Teamkollegen. Mit Miguel Oliveira teilte er sich bereits in Moto3, Moto2 und MotoGP die Box. 2027 werden die beiden Routiniers nun erstmals gemeinsam in der Superbike-WM antreten. Binder übernimmt dabei den Platz von Danilo Petrucci, dessen Zeit im BMW-Werksteam nach der laufenden Saison endet. Der Hersteller prüft jedoch Möglichkeiten, mit dem Italiener in einem anderen Projekt weiterzuarbeiten.
Für Binder stehen zunächst noch die verbleibenden Rennen seiner letzten MotoGP-Saison auf dem Programm. Danach endet eine bemerkenswerte Verbindung: Seit 2012 war Binder fester Bestandteil des Grand-Prix-Fahrerlagers, einen Großteil dieser Zeit verbrachte er mit KTM. Seine komplette MotoGP-Karriere von 2020 bis 2026 bestritt er für die Mattighofener. 2027 beginnt für Binder mit BMW, der M1000RR und der Superbike-WM eine völlig neue Karrierephase.
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