Sylvain Guintolis Marathon-Mission: Emotionen & Rekordjagd in Lederkombi
Ex-Superbike-Weltmeister Sylvain Guintoli läuft den London Marathon 2026 in Lederkombi – als Tribut an seinen verstorbenen Sohn Luca und mit dem Ziel, einen Guinness-Weltrekord zu knacken.
Sylvain Guintoli stellt sich in knapp zwei Wochen einer der ungewöhnlichsten Herausforderungen seiner Karriere – und die hat nichts mit Rundenzeiten auf der Rennstrecke zu tun. Der BMW-Pilot aus der Langstrecken-WM will beim London Marathon die 42,195 Kilometer in einer Motorrad-Lederkombi absolvieren. Es ist ein Projekt voller Emotionen, mit sportlichem Ehrgeiz – und einer ganz besonderen Geschichte.
Im vergangenen Jahr
«Nun, eigentlich kam die Marathon-Idee zuerst von meinen Töchtern. Sie fanden – und ich denke, es war eine großartige Idee –, dass die Teilnahme am London Marathon eine tolle Möglichkeit wäre, als Familie im Winter nicht durchzudrehen, aktiv zu bleiben, sich zu bewegen und gemeinsam etwas zu machen. Und natürlich auch mit dem Ziel, Spenden zu sammeln und Aufmerksamkeit für diese großartigen Organisationen zu schaffen, die Kindern mit Krebs helfen», erklärte Guintoli im exklusiven Interview mit SPEEDWEEK.com.
Guintoli verbindet das Projekt mit einer Charity-Aktion zugunsten von
Warum Guintoli die 42,195 km in Lederkombi laufen wird
Dass der ehemalige MotoGP-Pilot die Marathon-Distanz nicht in klassischer Laufkleidung zurücklegt, hat ebenfalls einen Hintergrund. «Wir alle fanden, dass das die eigentliche Marathon-Teilnahme bereits eine großartige Idee war. Die zusätzliche Herausforderung mit der Lederkombi kam etwas später.»
«Ich dachte mir: Ein Marathon ist an sich schon etwas Besonderes und eine große Herausforderung, aber sehr viele Menschen machen das inzwischen, sodass es – sagen wir mal – durch Social Media ein Stück weit normal geworden ist. Deshalb dachte ich, gerade für die Aufmerksamkeit wäre es wichtig, etwas anderes zu machen. Und da ich seit 30 Jahren Motorradfahrer bin, dachte ich, das wäre genau das Richtige – aber mir war nicht ganz klar, wie hart es wirklich werden würde», schilderte der sympathische Franzose.
Die ersten Laufversuche in der Lederkombi bestätigten schnell, dass dieses Vorhaben alles andere als einfach wird. Da war die Entscheidung aber bereits gefallen. «Ich habe es tatsächlich erst später ausprobiert, nachdem ich mich schon entschieden hatte – allerdings noch bevor ich es angekündigt habe. Und ja, als ich es zum ersten Mal versucht habe, dachte ich: Das wird hart.»
Verletzungen: Guintoli war nie ein regelmäßiger Läufer
Dabei ist Laufen für Guintoli keineswegs Routine. Während seiner Karriere in der MotoGP und Superbike-WM zog sich der Franzose einige Verletzungen zu. «Knie, Knöchel, Beine – ich hatte einige Verletzungen. Deshalb habe ich nie viel Lauftraining gemacht. Ich bevorzugte das Radfahren. Letzten Winter musste ich dann anfangen, mehr zu laufen und mich daran zu gewöhnen, weil es ziemlich belastend für die Beine ist.»
Die Herausforderung liegt dabei weniger in der Ausdauer als im Aufbau der nötigen Belastbarkeit. «Die Kilometer, ja – und die Sehnen. Es geht darum, die Beine nicht zu sehr zu belasten, sich zu erholen und genug Umfang aufzubauen, um für den Marathon vorbereitet zu sein, denn es wird ein langes Rennen.»
Unterstützung holt sich der Franzose auch von Physiotherapeuten. «Ja, ich gehe zur Physiotherapie. Über die Jahre hatte ich viele Verletzungen, deshalb versuche ich, das zu managen. Denn im Grunde genommen verursacht man jedes Mal, wenn man läuft – besonders bei langen Läufen – Verletzungen. Auch wenn sie klein sind, entsteht immer eine gewisse Belastung. Das ist etwas Neues für mich. Es macht die Sache schwierig – die Herausforderung wirklich, wirklich hart.»
Dass medizinische Experten dem Projekt skeptisch gegenüberstehen, überrascht ihn nicht. «Sie halten das für eine ziemlich dumme Idee. Und ehrlich gesagt, jetzt wo ich mehr trainiert habe, ist es tatsächlich ziemlich hart. Außerdem ist es das Wochenende nach dem 24-Stunden-Rennen von Le Mans, also werde ich nicht besonders frisch sein.»
Die EWC-Fahrerkollegen gingen mit Guintoli auf die Strecke
Denn Guintoli bleibt auch in der Saison 2026 voll im Rennbetrieb: BMW-intern wechselte er vom Werksteam mit der Startnummer 37 in die Mannschaft von AutoRace Ube mit der Nummer 76. Am Wochenende startet die Langstrecken-WM (EWC) mit dem Klassiker in Le Mans in die neue Saison – nur eine Woche vor dem Marathon. Die Belastung könnte kaum größer sein.
Am Dienstag traf sich Guintoli mit seinen EWC-Kollegen, um eine Runde um die Strecke zu laufen. Viele Fahrerkollegen erschienen dabei in ihren Lederkombis und kamen bereits auf der 4,2 Kilometer langen Piste ordentlich ins Schwitzen.
Was Guintolis größte Sorge ist
Die größte Herausforderung beim Laufen in Leder ist jedoch nicht das Gewicht, sondern die Hitze und eingeschränkte Beweglichkeit. «Es ist ein bisschen von allem. Ich war überrascht, dass das Reiben gar nicht so schlimm ist, wie ich gedacht hatte – ich dachte, das wäre die größte Herausforderung. Die Lederkombi ist natürlich nicht bequem zum Laufen, aber besser als erwartet.»
«Das größte Problem ist die Hitze. Man wird extrem heiß. Außerdem ist man in der Bewegung eingeschränkt. Nach längerer Zeit bekommt man Schmerzen an Stellen, wo man sie normalerweise nicht hätte – zum Beispiel im Rücken –, weil man sich nicht frei bewegen kann. Aber die Hitze ist die größte Herausforderung», so Guintoli.
Schafft es Guintoli ins Guinness-Buch der Rekorde?
Neben der emotionalen Komponente und der Charity steht auch ein sportliches Ziel im Raum: ein Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde, den Guintoli als «i-Tüpfelchen» bezeichnet. Einfach nur dabei sein entspricht nicht der Denkweise eines echten Racers. «Der Rennfahrer in mir denkt natürlich auch an die Zeit. Ich habe neulich im Internet gesehen, dass es tatsächlich einen Weltrekord für Marathonlaufen in Motorrad-Lederkombis gibt», bemerkte Guintoli.
«Die Zeit liegt bei genau vier Stunden. Ich müsste also unter vier Stunden bleiben», grübelte Guintoli. Nach seinen bisherigen Tests ist das realistisch: «Ja, das ist möglich. Ich bin bereits einen Halbmarathon in Leder gelaufen und habe 1 Stunde 47 Minuten gebraucht. Also unter vier Stunden ist definitiv drin – wenn es nicht zu heiß wird.»
«Aber das Wichtigste ist, die Herausforderung zu bewältigen. Wir haben auch eine sehr gute Vorbereitung genutzt, um Spenden zu sammeln und möglichst viel Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das ist die eigentliche große Aufgabe. Am Tag selbst geht es dann darum, stark zu bleiben und nicht aufzugeben», betonte der ehemalige Superbike-Weltmeister.
Am 26. April stellt sich Guintoli der Herausforderung, die 42,195 Kilometer von Greenwich bis ins Zentrum der britischen Hauptstadt zu bewältigen. Eine außergewöhnliche Mission – zwischen persönlicher Trauer, sportlichem Ehrgeiz und dem tiefen Wunsch, anderen zu helfen.
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