Sportwagen
Kolumne
Ferrari 330 P3: Leichtgewicht aus Italien gegen Hubraum-Protz aus den USA
Wie der angeblich schönste Rennsportwagen aus Maranello, eine Mimose auf Rädern, in den 60er-Jahren versuchte, die übermächtigen Ford GT40 aus Dearborn zu schlagen.
Seine Formen waren, sofern sich das von einem Auto überhaupt sagen lässt, betörend sexy, seine Karosserie-Schwünge fast so etwas wie Kunst aus Metall. Ferrari hatte mit dem 330 P3 ein Modell geschaffen, das aber nicht nur optisch in Erinnerung bleiben sollte. Denn seine Motorsport-Historie war zwar relativ kurz, dafür aber brachte es einige wegweisende Innovationen mit sich.
Vor 60 Jahren hatte es ziemlich viel Wirbel gegeben an der Rennstrecke in Sebring (USA) um die Scuderia Ferrari: Denn die Italiener waren endlich wieder offiziell mit mehreren Autos am Start, nachdem es im Jahr zuvor Streit wegen der Rennklassen-Einteilung mit dem Veranstalter gegeben hatte.
Am 26. März 1966 aber war die Welt wieder in Ordnung für die Fans des sich aufbäumenden Pferdes – denn zum zweiten Lauf der damaligen Sportwagen-Weltmeisterschaft hatte das Team aus Maranello gleich zwei Autos gemeldet: einen Dino 206S sowie, nagelneu und als Premiere, den 330 P3 als Weiterentwicklung des P2.
Leider aber verlief sein erster Start gar nicht gut. Denn der vom britisch-amerikanischen Fahrer-Duo Mike Parkes und Bob Bondurant pilotierte neue Ferrari musste schon nach 178 von insgesamt 228 Rennrunden die Segel streichen, an zweiter Stelle liegend. Das Rennen gewannen, wieder einmal, überlegen drei Ford, gefolgt von einem „kleinen“ Porsche 906 aus der Zweiliter-Klasse.
Viele böse Unfälle
Diese Veranstaltung ging aber auch wegen vieler böser Unfälle in die US-Rennhistorie ein: Ein privat gemeldeter Ford GT40 hatte unmittelbar nach seinem Boxenstopp ein Rad verloren, das Auto überschlug sich und brannte sofort, für Fahrer Bob McLean kam jede Hilfe zu spät.
Kurz danach gab´s eine Kollision zwischen dem Porsche 906 von Don Webster und Mario Andretti in einem Ferrari 356 P2. Dabei schleuderte der Porsche in einen Bereich, in dem verbotenerweise Zuschauer standen: Vier Personen waren sofort tot.
Mit diesen Schreckensnachrichten im Gepäck kehrte die Ferrari-Mannschaft zurück nach Italien. Und diesmal, beim 1000-Kilometer-Rennen von Monza genau einen Monat später, am 25. April, gewann die rote Rakete mit Mike Parkes und John Surtees am Steuer vor zwei Ford GT40, ihren härtesten Widersachern im Championat.
Letztes Rennen in der Monza-Steilwand
Dieses Rennen war übrigens das letzte, das auf der zehn Kilometer langen Originalstrecke gefahren wurde, inklusive der berühmten Steilkurve – die Ferrari nagelten hier mit fast 290 km/h durch die extreme Krümmung.
Es folgte ein weiterer Sieg beim 1000-Kilometer-Rennen von Spa-Francorchamps, mit der gleichen Piloten-Paarung, doch beim 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring schieden sie wegen eines Kupplungsdefekts vorzeitig aus.
Dieses Siegerauto mit der Startnummer 26 und der Chassis-Nummer 0844 hat übrigens bei einer Auktion von Christie´s für die stolze Summe von 5,61 Millionen Dollar vor einiger Zeit seinen Besitzer gewechselt.
Ein weiterer Sieg wäre 1966 noch bei der Targa Florio auf Sizilien möglich gewesen. Hier hatten sich Nino Vaccarella, ein expliziter Kenner dieser über 70 Kilometer langen Strecke, und Lorenzo Bandini, einen 330 P3 geteilt.
Doch weil Bandini, der sonst vor allem in den Formel-1-Autos der Marke fuhr und dieses Rennen offensichtlich zu sehr im Sprint-Modus angegangen war, viel zu schnell in eine Kurve kam und wegrutschte, hatte er den Vorderwagen irreparabel beschädigt, es war das Aus.
Debakel in Le Mans
Doch das größte Debakel erfuhr das formschöne Auto bei den 24 Stunden von Le Mans 1966: Alle drei Wagen fielen aus, wieder einmal gewannen die Ford GT40 überlegen.
Dabei hatte Ferrari zeigen wollen, dass mit einem nur vier Liter Hubraum großen Motor, allerdings mit zwölf Zylindern, durchaus gegen die wesentlich größeren und stärkeren US-V8 der Konkurrenz eine Chance bestehen könnte. Der 330 P3 war deutlich leichter, wog nur noch fast unglaubliche rund 800 Kilogramm und besaß als erster Ferrari-Prototyp eine indirekte Benzin-Einspritzung, Doppelzündung und vier obenliegende Nockenwellen.
Motor und ZF-Fünfgang-Getriebe waren ein integraler Bestandteil der Fahrzeugstruktur und trugen zu einer ungewöhnlich hohen Steifigkeit bei. Sein Unterboden aus Fiberglas war mit dem Chassis verklebt. Der Motor, ein Kurzhuber, brachte seine rund 420 PS Leistung, gepaart mit einem Gänsehaut erzeugenden Jubel-Geschrei und damals noch sehr hohen 8000 Umdrehungen pro Minute über fünf Gänge an die Hinterachse, besonders schnelle Exemplare wurden mit fast 310 km/h gemessen.
Zeitlos schöne Form
Gebaut von Piero Drogos Carrozzeria Sports Cars in Modena, entzückte aber vor allem das „Kleid“ des 330 P3 die Fans. Nicht nur ich hatte ein großflächiges Poster jenes eleganten Renners in meinem Jugendzimmer hängen, auch viele andere erfreuten sich an den fließenden Formen dieser Berlinetta mit ihrer den gesamten Karosseriekörper umschließenden Form. Sie war nur 95 Zentimeter flach, ihre breite Spur, die markant geneigte, abgerundete Windschutzscheibe zeigten zeitlose Präsenz.
Wegen damaliger Arbeitskämpfe in Italien wurden nur drei 330 P3 gebaut, im Februar 1966 bekam die Presse das erste Auto zu sehen. Und dann wurde das erste Exemplar, ein offener Spyder, auch schon für das besagte Rennen auf dem amerikanischen Flugplatz-Kurs von Sebring verladen, das, wie bekannt, erst einmal gar nicht gut für dieses schmucke rote Auto enden sollte. In den Herzen seiner Fans wird es aber immer ein Sieger-Auto bleiben.
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