Bahrain-GP Malaysia: Valtteri Bottas über Tipps und Tricks gegen die Hitze
Jahrelang nannten die malaysischen GP-Organisatoren ihren F1-WM-Lauf «das heisseste Rennen der Saison». GP-Veteran Valtteri Bottas sagt, wie ein Fahrer mit den besonderen Anforderungen umgeht.
Okay, auch beim Bahrain-GP haben wir oft hohe bis sehr hohe Temperaturen erlebt, aber der Bahrain-GP in Malaysia, das ist eine ganz andere Sache.
Die Umgebungstemperaturen am Sepang International Circuit liegen durchschnittlich bei mehr als 30°C und die Luftfeuchtigkeit bei 70 Prozent plus – Waschküchen-Atmosphäre wie in Singapur, aber in gleissender Sonne.
Cadillac-Fahrer Valtteri Bottas sagt: «In Malaysia Rennen zu fahren, das ist wie in die Sauna gehen. Wir tragen unsere gesamte Ausrüstung samt Helm, und das Auto ist ebenfalls heiss, richtig heiss.»
In Sepang erreichen die Temperaturen im Cockpit regelmässig Werte von mehr als 50° Celsius. Die Fahrer sind in diesem heissen, stickigen, engen Raum eingeengt, dick verpackt in mehreren Lagen aus feuerfestem Nomex und kämpfen gegen extreme g-Kräfte an, die auf ihren Körper wirken – eine enorme Bewährungsprobe für ihre körperliche Leistungsfähigkeit.
Aus diesem Grund reisen viele Fahrer so früh wie möglich nach Malaysia, um sich an die Hitze und die Luftfeuchtigkeit zu gewöhnen. Viele Piloten jetteten schon am Sonntag nach dem Baku-GP weiter Richtung Kuala Lumpur.
Der 261-fache GP-Teilnehmer Bottas weiss: «Es dauert drei bis vier Tage, bis sich dein Körper an die Hitze gewöhnt hat. Du beginnst mit etwas Training draussen, damit dein Körper richtig ins Schwitzen kommt. Wir können der Hitze nicht wie die Einheimischen widerstehen, aber diese Tage zur Akklimatisierung machen einen erheblichen Unterschied aus.»
Dies ist eines jener Rennen im Kalender, bei dem sich das gesamte körperliche Training bezahlt macht, dem sich die Fahrer während der Winterpause unterziehen und das sie während der Saison aufrechterhalten.
Während eines typischen Malaysia-GP erreicht der Herzschlag des Fahrers leicht170 Schläge pro Minute, in Spitzenmomenten 200. Drei bis vier Liter an Körperflüssigkeit zu verlieren, das ist nicht ungewöhnlich. Während eines 90-minütigen Rennens sind das grob fünf Prozent des gesamten Körpergewichts. Das macht die Regulierung des Wasserhaushalts umso wichtiger, um die drohende Gefahr von Erschöpfung abzuwenden.
Der zehnfache GP-Sieger Bottas weiter: «Einer der wichtigsten Punkte ist es, die Flüssigkeitszufuhr aufrecht zu erhalten. Wenn du diesbezüglich nur einmal abfällst, dauert es sehr lange, bis du das wieder im Griff hast. Wir müssen viel Wasser sowie Sportgetränke mit Elektrolyten trinken, um das Niveau im richtigen Bereich zu halten. Du musst absolut sicherstellen, dass die Flüssigkeitszufuhr gut funktioniert.»
Nach dem Katar-GP 2023, als einige Piloten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gerieten, reagierte der Autosport-Weltverband FIA. Er kann einen Grand Prix nun zum Hitzerennen erklären, das bedeutet, dass die Teams entsprechende Vorrichtungen zur Kühlung des Piloten einbauen müssen. Das tragen der Kühlweste ist dennoch freiwillig.
Bottas sagt dazu: «Die Weste ist eigentlich nicht kalt, sie besitzt eine ganz angenehme Raumtemperatur. Sie nimmt eher die Hitze weg als dass sie deinen Körper kühlt. Die Körpertemperatur schiesst während des Rennens in die Höhe, aber die Weste hilft dir dabei, sie vor dem Start unter Kontrolle zu halten. Selbst wenn eine Weste nur 0,4 Grad Körpertemperatur vor dem Start bringt, sind das 0,4 Grad, die dir beim Rennende vielleicht fehlen – das kann einen Unterschied ausmachen.»
Während des Rennens vertrauen die Fahrer auf ihre Trinkflasche im Cockpit. Diese ist mit Sportgetränken und Elektrolyten gefüllt, um die durch Schwitzen verlorenen Flüssigkeiten zu ersetzen. Es ist ein Kampf gegen die Erschöpfung. Und wenn es ein Rennen gibt, bei dem man nicht will, dass die Trinkflasche nicht funktioniert, dann ist es Malaysia.
Bottas, WM-Zweiter 2019 und 2020, bestätigt: «Wir schwitzen mehr als drei Liter während eines Rennens wie in Malaysia. Wenn wir das nicht ersetzen, beeinflusst das unsere Konzentration. Erschöpfung setzt ein. Dann wird es schwieriger, konstant zu fahren und im schlimmsten Fall kannst du Krämpfe oder sogar Sehstörungen bekommen.»
Esteban Ocon musste sich in Katar übergeben, Logan Sargeant musste nach Aufgabe wegen Erschöpfung von seinen Mechanikern gestützt werden, damit er nicht zusammensackt.
Nach dem Rennen liegt das Hauptaugenmerk des Fahrers darauf, den Körper zu kühlen und Flüssigkeiten zuzuführen. Die verlockenden Wasserflaschen im Erholungsraum bleiben nach Rennende nicht lange unangetastet, bevor die Fahrer für den etwas süsseren Geschmack von Champagner auf das Podium gehen.
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