Brasilien: Chaos, Norris-Pole, Strafe für Verstappen, Hamilton und Leclerc!
Verregnetes Abschlusstraining zum São Paulo-GP: Lando Norris erzielt in Interlagos seine 20. Formel-1-Pole, vor Russell und Antonelli. Fünf Fahrer mit Strafen, auch Verstappen, Hamilton und Leclerc.
Im verregneten, verrückten Qualifying zum Traditions-GP in Brasilien hat Lando Norris die Nase vorn: 20. Pole-Position in der Königsklasse (gleich viele wie Valtteri Bottas und Damon Hill), seine vierte in dieser Saison (nach Hungaroring, Zandvoort und Madrid) und die dritte im Autódromo José Carlos Pace von Interlagos, nach 2024 und 2025. Der Formel-1-Champion von 2025 liegt am Ende der turbulenten Quali vor dem Mercedes-Duo George Russell und Kimi Antonelli.
Für seinen Rennstall McLaren ist dies die 181. F1-Pole der Firmengeschichte, die vierte in der GP-Saison 2026 und die 14. für einen WM-Lauf in Brasilien.
Die Quali begann bei viel Himmel, Lufttemperatur 22 Grad, die Bahn bei 31 Grad, also fast 25 Grad weniger als im dritten freien Training! Es hatte übel geschüttet zwischen drittem Training und der Quali, kurz vor dem Abschlusstraining begann es wieder stärker zu regnen.
Die Quali begann auch mit einigen Piloten, die wissen: Sie werden strafversetzt. Wegen des Einbaus einer neuen Antriebseinheit rücken nach hinten: die Champions Max Verstappen und Lewis Hamilton, ebenso Sergio Pérez. Charles Leclerc wird um zehn Ränge zurückrücken müssen, George Russell um fünf.
Immer im Wissen, dass für den 8. November ein Regen-GP angesagt ist, kann das ja lustig werden mit den beiden Champions da hinten!
In Q1 auf nasser Bahn einige Fahrer zunächst auf Intermediates (grün markiert), aber das war zu wenig für diesen Regen. Ein paar Fahrer wagten sich trotzdem mit Intermediates raus, ein paar andere fuhren noch in der Boxengasse zur Seite, um sich Regenreifen abzuholen (blau markiert).
Der Regen nahm zu, viel Wasser auf der Bahn, Weltmeister Antonelli am Funk: «Ich habe bereits Aquaplaning.»
Nach nur zwei Minuten: rote Flagge. Fahrer wie Isack Hadjar und Kimi Antonelli berichteten, dass sie bis auf die feuerfeste Unterwäsche durchnässt sind, Oliver Bearman hatte sogar Wasser im Helm!
Zwei alte Füchse, die gar nicht auf die Bahn gegangen und daher trocken waren: Max Verstappen und Lewis Hamilton.
Doch die Formel 1 ist in solchen Fällen gerüstet auf alle Misslichkeiten. Das Vorgehen in solchen Fällen ist immer das Gleiche: Das Medical- oder das Safety-Car werden auf die Bahn geschickt, um die Verhältnisse zu prüfen. Dabei wird vor allem auf stehendes Wasser geachtet, wo die GP-Rennwagen wegen Aquaplanings von der Bahn segeln könnten.
Die Quali wird schrittweise verschoben, bis die Verhältnisse das Fahren erlauben oder bis die ganze Übung abgebrochen werden muss, entweder weil es zu viel Wasser hat, weil es nicht aufhört zu schütten oder weil das Tageslicht abhandenkommt.
Nach 84 Minuten Pause ging es weiter, bei wieder stärkerem Regen. Die Autos auf Regenreifen, nicht auf Intermediates. Und mit viel Sprit an Bord, weil niemand wusste, wie lange gefahren wird.
Max Verstappen erhielt die Info, dass der Regen innerhalb von fünf Minuten wieder zunehmen werde. Alpine-Fahrer Pierre Gasly beklagte sich über Aquaplaning – und flog fast von der Bahn.
Schon bald gelbe Flagge, nach einem Dreher von Haas-Neuling Rafael Rafael Câmara und Kuss der Pistenbegrenzung.
Natürlich purzelten die Zeiten im Sekundentakt. Zunächst Audi-Pilot Hülkenberg vorne, dann Leclerc, dann Verstappen, dann Alonso im Aston Martin-Honda.
Es kam nun darauf an, seine beste Runde zu zeigen, bevor der Regen wieder zunimmt. Die Sichtverhältnisse wegen der gewaltigen Gischt vor allem bei Start und Ziel kritisch.
Leclerc wieder vorne, dann Verstappen, dann Hülkenberg, dann gelbe Flagge – Gabriele Bortoleto neben der Bahn, der Brasilianer zog sich einen beschädigten Heckflügel an seinem Wagen zu, aus.
Erneut alles anders an der Spitze: Hamilton Erster, dann Norris, dann Russell, Lance Stroll neben der Bahn, an der gleichen Stelle wie zuvor Bortoleto.
Eine Sensation lag in der Luft, denn Oliver Bearman übernahm die Bestzeit, vor Lawson und Lindblad, dann wieder Verstappen in Front, vor Hamilton, also die zwei, die in der Startaufstellung nach hinten müssen.
Aber nur zwei Minuten später sah alles schon wieder ganz anders aus: Russell, Norris, Antonelli, Bearman, Verstappen, Hamilton – und dann Nico Hülkenberg im Audi an der Spitze!
Als dieses verrückte, verspätete Q1 zu Ende ging, schieden aus: Colapinto auf P17, dann Gasly, Stroll, Bottas, Pérez und Bortoleto.
Die schnellsten Zehn: Norris, Russell, Verstappen, Hamilton, Hülkenberg, Hadjar, Lawson, Alonso, Leclerc und Antonelli.
Im zweiten Quali-Segment war von Verstappen nichts mehr zu sehen, der Niederländer muss ohnehin von weit hinten losfahren. Da riskierte er sein Auto nicht, zudem war er schlau genug, Reifensätze zu sparen.
Wieso machte Hamilton weiter, der ja auch nach hinten muss? Weil der Engländer Spass am Fahren hatte und für Sonntag üben wollte, wenn es ebenfalls nass sein soll.
Die ersten Fahrer mit Sorgen: Von den Regenreifen haben alle Fahrer nur zwei Sätze, von den Intermediates fünf. Und für Sonntag ist Regen angesagt.
Der Regen hatte fast aufgehört, wieder eine ruhigere Phase also, aber noch immer viel Gischt und tückische Verhältnisse.
Mercedes-Fahrer George Russell am Funk: «Es sieht nach Intermediates aus, aber die Regenreifen verhalten sich recht manierlich.»
Erneut veränderte sich die Reihenfolge fast im Sekundentakt: Russell vorne, dann Antonelli, dann Norris, dann Leclerc.
Arvid Lindblad musste den Racing Bulls-Renner zur Seite stellen: technisches Problem, Pech für den Briten.
Fernando Alonso wechselte als Erster auf die grün markierten Intermediate-Reifen. Dies während der Himmel wieder dunkler wurde. Weitere Fahrer holten ebenfalls Intermediate-Reifen ab.
Dann rote Flagge! Unfall von Haas-Neuling Câmara. Das Auto an der Vorderachse beschädigt. Rafa war von der Bahn gerutscht, auf dem nassen Gras verzögerte der Wagen so gut wie gar nicht. Der junge Brasilianer hatte keine Chance.
Die letzten Q2-Sekunden wurden nicht mehr gefahren, Q3 begann mit weiterer Verspätung, weil der Haas-Renner von Câmara weggebracht werden musste.
Aus für: Hamilton auf P11, dann Piastri, Câmara, Lindblad, Sainz und Verstappen.
Die Top-Ten: Russell, Lawson, Hadjar, Leclerc, Hülkenberg, Albon, Alonso (erstmals für ihn und Aston Martin in dieser Saison!), Bearman, Norris und Antonelli.
Wegen der Reparatur verstrichen die Minuten, das war nicht gut, weil sehr dunkle Wolken heranrollten.
Alonso stellte sich sofort als Erster in die Reihe, um freie Bahn zu haben zu Beginn ein vielleicht verkürztes Q3.
Funk an Antonelli: «Wir erhalten wahrscheinlich nur eine Runde, bevor schwerer Regen kommt.»
Hatten die Fahrer auf Intermediates jetzt schon einen Fehler gemacht? Hätten sie sich auf Regenreifen anstellen sollen? Die Mercedes ganz hinten in der Reihe dieser zehn Autos.
George Russell kurz vorne, dann Lando Norris, weder Antonelli noch Leclerc konnten da mithalten.
Zum Schluss intensivierte sich der Regen wieder, damit war klar: Die Zeit von Lando Norris unterbot niemand mehr.
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