GP-Sieger Oscar Piastri (McLaren): «Diese Autos sind unberechenbarer»
McLaren ist in der jungen Formel 1 anno 2026 dritte Kraft, hinter Mercedes und Ferrari. Der neunfache GP-Sieger Oscar Piastri (25) aus Australien sagt, wie er den ersten WM-Teil einschätzt.
McLaren hatte in den meisten Rennen 2025 das beste Rennauto, diese Zeiten sind vorbei: Im ersten Teil der Formel-1-WM 2026 gibt Mercedes den Ton an, gefolgt von Ferrari, McLaren ist nur noch dritte Kraft. GP-Sieger Oscar Piastri spricht über die Rennen in Australien, China und Japan.
Oscar Piastri über seine kraftvollsten Eindrücke bislang
«Ich denke, es ist fair zu sagen, dass der Saisonstart schwieriger verlief, als wir es uns gewünscht hätten. Als Konstrukteurs-Weltmeister in diese Saison gestartet, war uns klar, dass es für alle Teams einen Neuanfang geben würde – aber wir würden lügen, wenn wir behaupteten, wir hätten nicht gehofft, weiter vorne mitzumischen. Wie erwartet war die Umstellung auf diese neue Generation von Fahrzeugen herausfordernd, und wir haben gesehen, wie wichtig dafür die Rennpraxis ist. Dass wir die ersten beiden Rennen nicht bestreiten konnten, hat uns daher wertvolle und entscheidende Lernzeit genommen, was frustrierend ist.»
«Wir haben dennoch versucht, aus den ersten zwei Wochenenden so viel als möglich zu lernen, und das hat zur starken Leistung in Japan beigetragen, die sich für mich wie eines meiner besten Wochenenden anfühlte. Es hat gezeigt: Wenn wir ins Rennen gehen, sind wir eigentlich ziemlich gut!»
«Wir wussten, dass Mercedes und Ferrari dieses Jahr stark sein würden, aber ich denke, wir haben in Japan einen stattlichen Schritt gemacht. Wir haben noch viel Arbeit vor uns, wenn wir vorne dabei sein wollen, aber ich weiss, dass dieses Team die Fähigkeit hat, sich im Laufe der Saison weiterzuentwickeln.»
Oscar Piastri über die Rennwagen-Generation 2026
«Insgesamt sind diese Autos ganz anders als alles, was ich bisher gefahren bin. Aber das war uns klar, seit die neuen Regeln bekanntgegeben wurden. Dass sie so anders sind, ist für uns Fahrer eine neue Herausforderung – was nichts Schlechtes ist.»
«Ein erheblicher Unterschied bei diesen Autos ist, dass sie leichter sowie deutlich kürzer und schmaler sind als die von 2025. Das bedeutet, sie sind etwas agiler und fühlen sich in langsamen Kurven besser an, aber die Probleme mit der verwirbelten Luft bleiben bestehen und neutralisieren einige dieser Vorteile, da das Verfolgen nach wie vor ein Problem ist.»
«Als Fahrer muss man im Auto viel mehr bedenken als 2025. Man muss bei einigen Dingen taktischer vorgehen, besonders beim Energie-Management.»
«Diese Autos sind auch unberechenbarer. Ihr habt sicher gesehen, dass wir oft Leistungsspitzen haben, welche die Autos unerwartete Dinge tun lassen. Das ist nur einer von mehreren Bereichen, die in naher Zukunft überprüft und geändert werden müssen, was durch einige verschiedene Vorfälle in dieser Saison noch deutlicher geworden ist.»
Oscar Piastri über das Anpassen des Fahrstils
«Ja, klar musste ich mich anpassen. Doch ich denke, das gilt für jeden Fahrer im Feld, und wie bei allem – je mehr Zeit wir im Auto verbringen, desto eher beginnen wir, unsere antrainierten Instinkte zu verfeinern. Allerdings sind diese Autos grundlegend so anders als alles, was wir zuvor in der Formel 1 oder auf der F1-Leiter gefahren sind, dass man so viele Techniken neu lernen muss, um das Maximum herausholen zu können. »
«Eine der grössten Neuerungen ist der Fokus auf den Batterie-Einsatz. Dinge wie Gaswegnehmen auf den Geraden, um Energie zu gewinnen, und die Kraft, die wir in den Kurvenausfahrten haben, sind alles neue Aspekte. Dieser Batterie-Aspekt spielt auch im Qualifying eine Rolle, wo es nicht mehr nur um Grip geht, sondern viel taktischer um Energie-Management. Ohne den Bodeneffekt-Abwärtsdruck, den die Wagen von 2025 hatten, können die Autos sich lockerer anfühlen und neigen eher zum Rutschen, was sich auch auf die Reifen auswirkt – etwas, an das ich meinen Fahrstil anpassen musste, um mich damit wohler zu fühlen.»
«Die Natur des Rennfahrens ist anders und etwas, das berücksichtigt werden muss, wenn man sich anschaut, wie man überholt. Es gibt viel mehr Fokus auf Batterieeinsatz, also komme ich wieder auf das Beispiel eines Schachspiels zurück, was man an einigen der Kämpfe auf der Strecke ansehen kann.»
Oscar Piastri über die Aussichten 2026
«Ich bin zuversichtlich, dass wir mit diesem Team wieder konstant um Siege kämpfen werden. In Japan gab es zwar am Ende noch eine Lücke, aber wir konnten die Grenzen unserer ursprünglichen Erwartungen verschieben und wären ohne das Safety-Car ernsthaft im Rennen um den Sieg gewesen. Wir haben noch viel Arbeit vor uns, um wieder konkurrenzfähig zu sein, aber die Lücke zu Mercedes zu schliessen und das Feld in der Entwicklung zu überholen, liegt in unserer Hand. Dieses Team hat bereits bewiesen, wie wir die Dinge wenden können, und wir starten von einer stärkeren Position als in früheren Beispielen wie 2024.»
Oscar Piastri über die Zeit vor dem Miami-GP
«Während unsere erste Wahl als Pilot immer das Rennfahren ist, hat die Pause die einzigartige Möglichkeit geboten, sich richtig auszuruhen, neu zu fokussieren und dann in Florida durchzustarten.»
«Nach Japan bin ich für eine Woche zurück nach Monaco geflogen, um nach dem hektischen Saisonstart zu entspannen und abzuschalten. Am 6. April hatte ich ausserdem Geburtstag und habe einen schönen Tag mit meiner Freundin Lily verbracht.»
«Letzte Woche war ich wieder in der Fabrik, um mit dem Team Japan nachzubesprechen und uns auf den Reifentest am Nürburgring vorzubereiten. Dazu kamen noch einige Partnerschaften und Medienaktivitäten. Am vergangenen Wochenende war ich mit einigen anderen Fahrern bei den Monte-Carlo Masters im Tennis – das hat viel Spass gemacht.»
«Nach dem Test gönne ich mir nochmals ein paar Tage Pause, bevor es wieder nach Woking geht, wo Lando und ich weitere Engineering- und Marketingtermine wahrnehmen. Diese Auszeit ist auch eine gute Gelegenheit, das Training zu intensivieren, besonders weil die Saisonpause dieses Jahr so kurz war. Und ehe wir uns versehen, sind wir schon in Miami!»
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