Hamilton bei Ferrari: 2026 drei Ingenieure? Kritik: Ferrari wie Call-Center
Ferrari-Star Lewis Hamilton ist ohne festen Renningenieur, ein Nachteil, findet der Brite. Ferrari-Teamchef Fred Vasseur spielt das herunter. Ein langjähriger Ferrari-Mitarbeiter ist anderer Ansicht.
Am 5. März beginnt im Albert-Park von Melbourne das erste Training zum Grossen Preis von Australien. Aber es bleibt ungewiss, mit welchem Renningenieur Ferrari-Superstar Lewis Hamilton dann arbeiten wird.
Das sagt Lewis Hamilton
Im Rahmen des ersten Bahrain-Wintertests hat der siebenfache Formel-1-Champion kritisiert: «Das jetzt ist für mich eine ziemlich knifflige Phase, weil die derzeitige Lösung nicht langfristig ist. Sie wird nur für ein paar Rennen gelten. Und deshalb werde ich schon früh in der Saison wieder meinen Ansprechpartner wechseln und muss lernen, mit jemand Neuem zusammenzuarbeiten. Das ist natürlich nachteilig. Aber so ist nun mal die Situation, in der ich mich befinde, und ich werde versuchen, mein Bestes zu geben.»
Das sagt Fred Vasseur
Ferrari-Teamchef Fred Vasseur ist auf die Kritik von Hamilton angesprochen worden und reagierte recht dünnhäutig. «Das ist nicht die Diskussion, die wir führen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Team, Lewis und der Boxenmauer ist sehr gut. Ich sehe in Bahrain einen zuversichtlichen Hamilton, mit einer sehr guten Einstellung.»
"Bitte hört auf mit dieser Geschichte! Es gibt 22 Fahrzeuge im Fahrerlager. Jedes Jahr gibt es etwa sechs oder sieben neue Ingenieure, und auch bei den Teamchefs haben wir viele Änderungen erlebt. Ich bin wahrscheinlich der Älteste zusammen mit Toto Wolff. Jedes Jahr wechseln drei, vier Teamchefs, und das bedeutet nicht das Ende des Teams.»
Fakt ist: Hamilton arbeitete 2025 mit Riccardo Adami, der wurde von Ferrari Mitte Januar zur Nachwuchs-Arbeit versetzt. Bei den ersten Wintertests in Barcelona wurde Hamilton dann von Charles Leclercs Ingenieur mitbetreut, von Bryan Bozzi. Nun arbeitet der 105-fache GP-Sieger Hamilton in Bahrain übergangsmässig mit Carlo Santi (einst Renningenieur von Kimi Räikkönen). Noch immer hält sich das Gerücht, Ferrari hole Cedric Grosjean (2025 als Performance Engineer am Wagen von Oscar Piastri).
Der langjährige Ferrari-Ingenieur Rob Smedley schätzt die Lage von Lewis Hamilton in Ferrari im Podcast High Performance so ein: «Ich erinnere mich an Kritik von Lewis, als er fand, am Kommandostand werde etwas träge reagiert. Da sagte er etwas wie ‘macht doch gleich Teepause’.»
«Wenn am Funk solche Kommentare fallen, ist das ein klares Zeichen dafür, dass die Beziehung nicht gefestigt ist zwischen Fahrer und Renningenieur, und genau da kann es dann ungesund werden. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass Frustrationen überkochen.»
Rob Smedley: «Das ist doch kein Call-Center!»
«Es gehört zu den Aufgaben des Renningenieurs, das Auto gut genug zu kennen und seine Arbeit so im Griff zu haben, dass er Fragen des Fahrers wie aus der Pistole geschossen beantworten kann. Es schmerzt mich, wenn am Funk Antworten höre wie: ‘Wir melden uns bei Ihnen.» Wir sind hier doch nicht im Call-Center!»
«Man muss sich das mal vorstellen: Der Fahrer versucht, bei 300 Sachen eine makellose Leistung zu bringen. Antworte ihm ruhig und fundiert und gib ihm so Selbstvertrauen. Wenn du hingegen reagierst, als müsstest du erst jemand Anderen fragen, untergraben diese kleinen Momente das Vertrauen, und die Beziehung wird angespannt.»
«Riccardo Adami hat eine lange und erfolgreiche Karriere hinter sich und wurde Lewis von Sebastian Vettel empfohlen. Er hatte eine grossartige Beziehung zu Seb und viel Erfolg mit dem Deutschen. Aber es menschelt halt auch in der Formel 1: Wenn es nicht harmoniert, funktioniert es einfach nicht.»
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