Kimi Antonelli über Verstappen und Leclerc: «Was zur Hölle ist hier los?»
Mit dem sechsten Saisonsieg hat der 19-jährige Italiener Kimi Antonelli seinen Vorsprung in der Fahrer-WM ausgebaut. Aber der Mercedes-Fahrer wiegt sich keine Sekunde in falsche Sicherheit.
Cool wie italienisches Eis hat Kimi Antonelli in Belgien seinen sechsten GP-Sieg nach Hause gefahren. Im internen Duell hat er seinen Mercedes-Stallgefährten George Russell nun um 50 Punkte abgehängt, es steht 204:154. Dazwischen liegt Ferrari-Star Lewis Hamilton, der Russell kurz nach dem Start von der Bahn geschubst hatte (und dafür eine Strafe erhielt).
Erstmals seit Monaco hat nun der verblüffende Kimi wieder gewonnen, danach ging beim Teenager Einiges schief: Elektrikdefekt in Spanien, Platz 3 in Österreich, Defekt in England (ein Aero-Teil hatte sich in der Aufhängung verkantet), nun also der sechste Volltreffer der Saison.
Der Bologneser weiss: «Die letzten Rennen haben gezeigt, wie schnell etwas schieflaufen kann, daher will ich derzeit überhaupt nicht an den Titel denken. Ich will viel lieber versuchen, bei jedem Rennen ein Top-Ergebnis einzufahren, der Rest ergibt sich von selber.»
Kimi über die wilde Anfangsphase des Grand Prix: «Das war echt verrückt! Um ehrlich zu sein, ich war so verwirrt, was da passierte, weil Max vor Eau Rouge an mir nur so vorbeiflog, und dann überholte ich ihn wieder. Dann sah ich Charles fast neben mir, und ich dachte mir: ‚Was zur Hölle ist hier los?‘ Ich hatte keine Ahnung. Ich versuchte in jenen Momenten nur, meine Position zu halten, aber ich schaute die ganze Zeit in den Spiegel, weil ich einfach so viele Autos kommen sah. Es war wirklich ein verrückter Start.»
Später hat die virtuelle Safety Car-Phase (VSC) Kimi nicht in die Karten gespielt, aber Antonelli ist da ganz pragmatisch: «Natürlich war ich etwas genervt, aber solche Dinge kann man eben nicht vorhersagen. Mal läuft es nach Plan und für dich, mal nicht und gegen dich.»
«In Suzuka hatte ich grosses Glück mit dem Timing des Safety-Cars, und heute war das Glück in dieser Situation nicht auf meiner Seite. Aber so ist es nun mal, und deshalb versucht man trotz allem, das Beste daraus zu machen und das Ergebnis stets zu maximieren.»
Hand aufs Herz: War Kimi überrascht, dass Charles Leclerc wie eine Klette an ihm hing, nachdem Antonelli ihn überholt hatte? Kimi antwortet: «Naja, sie waren im Training schon flott unterwegs gewesen. Ihre Dauerläufe sahen nicht schlecht aus, also wussten wir, dass sie im Rennen stark sein würden.»
«Heute kam dann die Bestätigung, dass sie da vorne mitmischen können, und sie waren vor allem in der Passage der Kurven 12 und 13 im Vergleich zu uns sehr stark. Wir hatten dort etwas mit einem nervösen Heck zu kämpfen, der Ferrari lag da besser, dafür waren wir in den langsamen Kurven stärker. Aber wir haben definitiv erwartet, dass sie heute schnell sein würden.»
Und nun also zum Hungaroring. Was rechnet sich Kimi dort aus? «Ich schätze, die vier Top-Teams werden eng beieinanderliegen, weil man dort keine Probleme haben wird, die Batterie voll zu laden. Daher wird das eine weitere Strecke sein wie Monaco, wo man einfach darauf achtet, so schnell wie möglich zu fahren – ohne sich allzu sehr mit Energie-Management abzumühen. Das wird interessant.»
50 Punkte Vorsprung auf George Russell, kann sich da Kimi ein wenig zurücklehnen? Antonelli sofort: «Nein, denn du weisst nie, was passiert, das haben die Rennen in Barcelona und Silverstone zur Genüge gezeigt.»
«Ich werde an meiner Vorgehensweise nichts ändern. Ich gehe ein Wochenende ums andere an und versuche jedes Mal, das bestmögliche Ergebnis herauszuholen.»
«Aber ich bleibe auf der Hut – mit diesen Autos kann so viel Unvorhersehbares passieren. Deshalb will ich gar nicht allzu weit voraus denken.»
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