Racing Bulls-Teamchef Alan Permane: «Einige Formel-1-Fans mögen das nicht»
Alan Permane leitet seit 2025 den F1-Rennstall Racing Bulls. Der 59-jährige Engländer spricht über den gelungenen ersten WM-Teil der Rennbullen und die Dynamik zwischen Liam Lawson und Arvid Lindblad.
Die Racing Bulls sind solide in die Formel-1-WM 2026 gestartet: An jedem der drei GP-Wochenenden gab es Punkte – Avid Lindblad beim F1-Debüt in Australien Achter, Liam Lawson in China Siebter (im Sprint wie im Grand Prix), der Neuseeländer Lawson in Japan dann Neunter.
Racing Bulls-Teamchef Alan Permane hat sich im rennfreien April einigen Fragen gestellt und sagt im Rennwagenwerk von Faenza Folgendes …
Prioritäten während der Pause
«Wir hatten stattliche Verbesserungen für Bahrain geplant, das wir nun nach Miami mitnehmen, und weitere wenige Wochen später für Montreal – also haben wir effektiv ein Doppel-Upgrade. Wir führen das eine ein und tauschen es dann direkt wieder aus, weil wir nicht alles auf einmal bringen oder das Montreal-Upgrade vorziehen können.»
«Mit dem Frachtgut aus Japan zurück haben wir auch die Gelegenheit genutzt, einige ungeplante Arbeiten am Chassis durchzuführen – Arbeiten, die eigentlich erst nach dieser Auswärtsrennen-Serie geplant waren. Einige Bereiche des Unternehmens waren stärker gefordert als erwartet, daher haben wir das Rennteam dazu ermutigt, sich etwas Zeit zu nehmen.»
«Wir nutzen diese Phase, um die Wagen in Ruhe aufzubauen, damit das Konstruktionsbüro sie komplett montiert sehen kann. Während der Saison sind die Autos fast nie hier im Rennwagenwerk, also ist das eine gute Gelegenheit, Arbeiten abzuschliessen, die wir vorher nicht erledigen konnten.»
Gedanken zum ersten WM-Teil
«Ich denke, wir haben gute Arbeit geleistet. Ich bin normalerweise nicht der Typ, der sich selbst lobt, aber in Shanghai waren wir wirklich stark. Wir haben sowohl im Sprintrennen als auch im Hauptrennen Punkte holen können, obwohl wir eigentlich nicht schnell genug waren. In Suzuka war es ähnlich, aber wir haben das Maximum aus dem Auto herausgeholt, um Punkte mit nach Hause zu bringen.»
«Wir zahlen den Preis gegenüber den Teams, mit denen wir konkurrieren und die ihre Autos bereits in der letzten Saison entwickelt haben, während wir unseres erst gegen Ende des Jahres strammer entwickelt haben. Dadurch liegen wir etwas im Rückstand. Allerdings sollten die Updates, die wir einführen, uns hoffentlich näher an die Spitze des Mittelfelds bringen.»
Der Motor von Red Bull Powertrains/Ford
«Die Antriebseinheit funktioniert sehr gut, und mit jeder absolvierten Runde lernen wir mehr. Jedes Mal, wenn wir das Auto einsetzen, sammeln wir wertvolle Daten. Ein Vorteil, den wir haben, ist, dass Antriebsstrang-Ingenieure direkt in unserem Technikbüro integriert sind. Das ermöglicht uns eine enge Zusammenarbeit und ein besseres Verständnis sowohl für sie als auch für ihre Arbeitsweise.»
Probleme mit dem Reglement 2026
„Das ist keine einfache Angelegenheit. Wir müssen auf die Fahrer hören. Und es gibt zwei Gruppen von Fans – einige lieben die neue Rennwagen-Generation, andere nicht. Live zuzuschauen ist ziemlich aufregend, aber wir müssen als Teams zusammenarbeiten, um die richtige Balance zu finden.»
«Es läuft derzeit viel Arbeit im Hintergrund, und wir haben in den nächsten Wochen mehrere Meetings, um zu entscheiden, welches Paket von Anpassungen wir nach Miami mitnehmen werden. Die beiden Hauptziele bestehen darin, das Qualifying eher darauf auszurichten, dass die Piloten volle Kanne fahren können. Hier muss die Betonung mehr auf die Fahrer liegen, weniger auf die Antriebseinheiten.»
«Und dann müssen wir Vorfälle überprüfen, um zu sehen, wie wir die Annäherungsgeschwindigkeiten reduzieren können. Allerdings müssen wir darauf achten, das Spektakel nicht zu schmälern. Es gibt Massnahmen, die ergriffen werden könnten, um die Tempo-Unterschiede zu verringern, aber das würde wahrscheinlich die Überholmanöver beeinträchtigen.»
Das Teamverhalten von Lawson und Lindblad
„Liam und Arvid arbeiten sehr gut zusammen. Ich habe ihnen in der Vorsaison sehr deutlich gemacht, dass beide davon profitieren, wenn sie sich gegenseitig unterstützen statt zu behindern. Es geht nicht darum, sich zu bekämpfen, sondern zu kommunizieren und voneinander zu lernen. Bislang funktioniert das gut.»
«Es gibt Unterschiede zwischen den Fahrern, aber bei Arvid ist es noch zu früh, um ein abschliessendes Urteil zu fällen. Daher ist es schwierig, seinen Ansatz direkt mit dem von Liam zu vergleichen, aber sie liegen sehr nahe beieinander, was den Speed betrifft. Liam hatte in Japan Pech mit einem Frontflügelproblem – ohne diesen Defekt wäre er dort oben gewesen, und beide Fahrer hätten wahrscheinlich ähnliche Positionen erreicht.»
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