Unser neues Rätsel Racing-Raritäten: Ein Beispiel von schlechtem Timing
Das neue Rätsel zeigt ein Auto, dessen Team in der Formel 1 schlechtes Timing bewies. Wer ist hier zu sehen? Wo und wann wurde dieses Foto aufgenommen? Machen auch Sie mit!
Meist aus dem Archiv unserer Foto-Partner XPB und Grand Prix Photo stellen wir jede Woche ab Dienstag ein kleines Stück Motorsport-Historie vor. Sagen Sie uns, wer zu erkennen ist (Beispiel: Jo Siffert, Monza, 1970) und rätseln Sie um die Ehre mit – zu gewinnen gibt es nichts. Schicken Sie Ihre Lösung an: mathias.brunner@speedweek.com. Einsendeschluss ist Sonntag der laufenden Woche, um 24.00 Uhr.
Die Teilnahme ist kostenlos. Teilnahmeberechtigt sind Personen ab 18 Jahren. Mitarbeiter der beteiligten Unternehmen sind ausgeschlossen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die im Rahmen des Rätsels übermittelten Daten werden ausschliesslich zur Durchführung verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Für das neue Rätsel gilt der Tipp: Ein Beispiel von schlechtem Timing.
Unser Hinweis für die letzte Aufgabe lautete: Rot bedeutet in der Formel 1 nicht immer automatisch Ferrari. Zu sehen ist der Formel-1-Alfa Romeo bei Testfahrten im belgischen Zolder 1979, am Lenkrad sitzt Bruno Giacomelli.
Alfa Romeo war die Marke der ersten Stunde in der Formel 1: Die ersten beiden Weltmeister – Giuseppe Farina und Juan Manuel Fangio – sassen 1950 und 1951 in den zeitlos eleganten Alfa Romeo 158 und 159, die zärtlich «Alfetta», also kleine Alfa, genannt wurden.
Die Alfetta wurde zu einem der erfolgreichsten Grand-Prix-Renner – 47 von 54 Grands Prix wurden gewonnen, angefangen schon 1938, unterbrochen vom Zweiten Weltkrieg.
Das Comeback von Alfa 1979 war eine Blamage, der Wagen war so hässlich wie langsam. Es dauerte einige Jahre, bis die Autos konkurrenzfähig waren. Siege gab es keine. Ende 1985 fiel der Vorhang.
Alfa Romeo hat im Rahmen der Formel-1-WM 112 Grands Prix bestritten und 10 davon gewonnen. Das zweite Engagement – 1985 als «Benetton Alfa Romeo» mit Eddie Cheever und Riccardo Patrese – endete mit einer punktelosen Saison.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass der 2018 verstorbene Konzernchef Sergio Marchionne ein weiches Herz für die Marke Alfa Romeo hatte, die zum Fiat-Chrysler-Konzern gehört.
Anlässlich der Ferrari-Medienkonferenz in Maranello sagte der Italo-Kanadier schon im Dezember 2015: «Ich finde es erstaunlich, welchen Platz die Marke Alfa Romeo noch immer in den Herzen der Menschen hat. Wir denken daran, wie wir Alfa Romeo in die Formel 1 zurückbringen könnten.»
Die Weichen zu einer weiteren Rückkehr wurden 2015 gestellt: Auf der Motorverkleidung des Formel-1-Ferrari wurde das Alfa-Emblem spazierengefahren, nicht mehr das Fiat-Logo.
Damit hat sich ein Kreis geschlossen: Ende der 20er Jahre tauchte auf den GP-Rennern von Alfa Romeo das berühmte Pferdchen des damaligen Alfa-Werksfahrers Enzo Ferrari auf – wenige Jahre darauf übernahm Ferrari die Renneinsätze von Alfa Romeo. 2015 war es sozusagen umgekehrt: auf dem GP-Auto von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen war auf der Motorabdeckung das Emblem von Alfa Romeo zu sehen.
An dieser Stelle ein wenig Historie: Alfa steht seit 1910 als Abkürzung für "Società Anonima Lombarda Fabbrica Automobili" (also Aktiengesellschaft Lombardische Automobilfabrik), Romeo kam im Dezember 1915 hinzu, als die Rüstungsgesellschaft von Nicola Romeo das Sagen in der jungen Firma übernahm.
Als Markenzeichen ist seit gut hundert Jahren unverändert: in der linken Seite ein rotes Kreuz auf weissem Grund (die Farben der Stadt Mailand), rechts eine grüne Schlange mit Drachenkopf und Krone, auf blauem Grund, auch dies Teil des Mailänder Stadtwappens. Die Schlange mit einem Kind im Mund geht auf eine Legende aus den Kreuzzügen zurück, als ein Mitglied der Mailänder Familie Visconti bei Rom einen Sarazenenfürsten tötete und dessen Wappenschild an sich nahm. Auf das Schild war angeblich eine Schlange mit Kind im Mund gemalt.
Was aber machte nun das Alfa-Romeo-Logo auf dem Ferrari-Rennwagen?
Jahrelang stand auf den Ferrari-GP-Autos ein Fiat-Schriftzug, für die Mutterfirma von Ferrari. Alfa Romeo wurde ab 2015 auf den Rennwagen von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen gezeigt, weil Fiat-Geschäftsleiter Sergio Marchionne die Mailänder Automarke erstarken lassen wollte.
2019 bis 2023 traten die bei Sauber in der Schweiz gebauten Rennwagen als Alfa Romeo an, aber natürlich hatte das mit dem einstigen Werksrennstall nichts zu tun, sondern das war eine reine Marketing-Massnahme.
Britischer Formel-3-Meister 1976, Formel-2-Champion 1978 – Bruno Giacomelli konnte Rennwagen fahren, das steht hier ausser Frage. Aber in der Formel 1 wurde der umgängliche Bruno unter Wert geschlagen.
69 Grands Prix für McLaren (1977/1978), Alfa Romeo (1979–1982) und Toleman (1983), eine Pole Position (Watkins Glen/USA 1980), eine Podestplatzierung (Dritter in Las Vegas 1981), aber 42 Ausfälle! Mehr als WM-Rang 15 im Jahr 1981 war nicht drin.
Schwer zu sagen, wieso er sich 1990 antat, den Life F190 zu bewegen, in dessen Heck ein W12-Motor (also mit drei Bänken zu je vier Zylindern) vor sich hinröchelte.
Giacomelli hatte mit dem Auto ungefähr so viele Aussichten, als würde heute ein Formel-3-Fahrzeug unter den Grand Prix-Rennwagen antreten.
Damals hatten wir so viele Autos in der Formel 1, dass es am Freitagmorgen eine Vorqualifikation gab. Die Journalisten standen um den Life herum, und wenn der launische Motor zum Leben erwachte (nomen est omen), spendeten wir respektvoll Applaus.
Giacomelli ging auf die Bahn. Der Topspeed liess ein bisschen zu wünschen übrig – wo andere mit 300 vorbeipfiffen, ächzte der Life mit 220 Sachen vorbei.
Als Giacomelli zurück war, fragte ich ihn, wieso er nicht schneller fahre. Bruno, ohne mit der Wimper zu zucken: «Wenn ich schneller fahre, zerreisst’s den Kübel.»
Die Honda-Motoren leisteten damals rund 700 PS. Das Triebwerk des früheren Ferrari-Ingenieurs Franco Rocchi kam auf 350.
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