Weltmeister Lando Norris scheinheilig? Politiker löst Welle des Hasses aus
Die Wogen nach dem Aserbaidschan-GP haben sich noch nicht geglättet. Lando Norris’ Kritik an Franco Colapinto und Aussagen eines argentinischen Politikers haben einen Shitstrom ausgelöst.
Die Ausgangslage: Re-Start zum Grossen Preis von Aserbaidschan, aber Alpine-Fahrer Franco Colapinto verschätzt sich beim Anbremsen von Kurve 1, er ist viel zu schnell, sticht verzweifelt an die Innenseite, rutscht dann mit blockierten Rädern geradeaus, dort trifft er ausgerechnet den Wagen seines Teamkollegen Pierre Gasly, der wiederum wird ins Rennauto von Lando Norris gestubst – aus für alle drei.
Danach kannte der Ärger von Lando Norris keine Grenzen. Der 2025er F1-Weltmeister schäumte: «Ein solcher Fahrstil gehört nicht in die Königsklasse, Colapinto müsste für ein Rennen gesperrt werden.»
Was dann folgte, war absehbar: Ganz viel Hass im Netz, zum grössten Teil von den heissblütigen argentinischen Fans; einige von ihnen reagieren bei allem, was ihren Favoriten Colapinto betrifft, leider mit ziemlich kurzer Zündschnur.
Da half es auch nicht, dass sich der argentinische Aussenminister Pablo Quirno (60) zu einer Wortmeldung auf X bemüssigt fühlte. Der Politiker zeigte ein Bild, wie Norris in Montreal 2025 den vor ihm fahrenden Piastri rammt, und der Argentinier unterstellt Norris Scheinheiligkeit, als er dazu schreibt: «Klar, Lando Norris hat auch eine Strafe für jenen Fahrer gefordert, der 2025 in Montreal in Oscar Piastri hineingefahren ist. Ach, nein, hat er ja nicht.»
Das fachte den Zorn weiterer Schreibtischtäter in Argentinien an, die sich im stillen Kämmerlein hinter Laptop und Tastatur verstecken, um – in der Regel natürlich anonym – Hass und Hetze zu verbreiten.
Der Shitstorm nahm so grosse Ausmasse an, das sich Alpine (nicht zum ersten Mal) zu einer Stellungnahme gezwungen sah.
Die Franzosen schreiben: «Als Team halten wir es für notwendig, uns nach dem Grand Prix von Aserbaidschan erneut zu Hassbekundungen und Beleidigungen im Internet zu äussern.»
«Diese richteten sich nicht nur gegen einen unserer eigenen Fahrer, sondern auch gegen Mitglieder der Formel-1-Gemeinschaft, einschliesslich der Medien, sowie gegen unsere Rennkollegen, die wir respektieren, bewundern und gegen die wir gerne an der Spitze des Motorsports antreten.»
«Fehler passieren, wenn man am Limit fährt, und unabhängig vom Ergebnis oder Ausgang sollte niemand hasserfüllten oder beleidigenden Kommentaren ausgesetzt sein.»
«Die Verurteilung von Beleidigungen in den sozialen Medien richtet sich nicht gegen eine bestimmte Fangemeinde oder die Anhänger eines bestimmten Teams oder Fahrers; dies ist ein allgemeines Problem und sollte von allen Fans des Sports angeprangert und anerkannt werden.»
«Wie wir bereits in früheren Fällen gesagt haben, verurteilen wir die Reaktionen einiger Fans im Internet aufs Schärfste und stehen solidarisch an der Seite der Formel 1, der FIA und anderer Teams in ihrem Bestreben, dem ein Ende zu setzen. Dies ist in den letzten Rennen zu einem regelmässigen Phänomen geworden und kann nicht länger hingenommen werden.»
«Wir sind uns bewusst, dass wir als stolzer Teilnehmer und Akteur in diesem Sport die Verantwortung tragen, unsere Stimme zu erheben und auch dabei zu helfen, eine Lösung zu finden.»
„Wir werden weiterhin eng mit dem Veranstalter und Rechteinhaber der Meisterschaft sowie dem Dachverband zusammenarbeiten, um Wege zu erörtern, wie wir gegen Online-Missbrauch vorgehen und einen gesunden sportlichen Wettstreit fördern können – etwas, wofür die Formel 1 bekannt ist und was sie so besonders macht.“
Schöne Worte. Aber vielleicht wäre es mal an der Zeit, dass sich der in Argentinien umjubelte Franco Colapinto mal an seine Fans wendet und mit ihnen Klartext redet.
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