Euro Moto Superbike
Euro Moto Sachsenring: Marcel Schrötter kann auch Superbike – erster Pokal
Die Euro Moto-Premiere auf dem Sachsenring war für Kevin Orgis eine Premiere in doppeltem Sinn. Erstmals fuhr er in der Klasse Superbike in Sphären, die er selbst nicht erwartet hatte.
Mit zwei fünften Plätzen in den Rennen der Klasse Superbike beim Saisonauftakt und gleichzeitig der Premieren-Veranstaltung der IDM-Nachfolge-Serie Euro Moto auf dem Sachsenring erzielte Kevin Orgis am vergangenen Wochenende seine bisher besten Resultate in der Top-Kategorie. Dass das vielleicht mal kommen würde, war nie ausgeschlossen, doch das Außergewöhnliche war, mit wem er dabei auf Augenhöhe kämpfte bzw. hinter sich ließ.
Im ersten Lauf finishte er gut 12 Sekunden hinter dem Sieger Lukas Tulovic und 6 Sekunden hinter dem viertplatzierten Hannes Soomer als Erster und somit Lokomotive eines Viererzuges, wobei Twan Smits, Lorenzo Zanetti, Florian Alt und Toni Finsterbusch seine Wagons waren. In Lauf 2 mischte er in der Verfolgergruppe von Lukas Tulovic und Twan Smits munter mit und landete letztendlich im Sandwich zwischen Marcel Schrötter und Markus Reiterberger.
Eine Erklärung für diese Leistungsexplosion hatte er anschließend nicht und verwies im Gespräch mit SPEEDWEEK.com darauf, dass es im familieneigenen Team ORM Racing / ADAC Sachsen e. V. in Sachen Technik und/oder Personal keine gravierenden Unterschiede zum Vorjahr gibt. Sein Understatement-geschwängerter Erklärungsversuch lautete lediglich: «Der Sachsenring ist unsere Heimstrecke, und ich kenne ihn von früher recht gut. Hier ist nicht viel mit testen, aber das gilt ja für alle. Wir hatten knapp zwei Wochen zuvor einen Track Day mit einem Serienmotorrad. Das hat trotzdem geholfen, ein Gefühl für die Strecke zu bekommen.»
Nun, Profi-Rennfahrer vom Schlage eines Marcel Schrötter oder Markus Reiterberger kennen den Sachsenring ebenfalls lange genug, und Nuancen, die sich mit der Zeit verändert haben, bekommen auch sie binnen kürzester Zeit spitz. Dennoch betont Kevin Orgis, einen Vorteil darin zu sehen, den Sachsenring schon seit seiner Moto3-Zeit zu kennen. «Auch da der Freitag so verregnet war, alle wenig Fahrzeit hatten und die Strecke wenig Grip bot, was mir auch immer entgegenkommt, hatte ich ziemlich schnell ein gutes Gefühl. Ich denke, dass mir das mit in die Karten gespielt hat. Ich muss auch sagen, dass ich mit dem gleichen Setup wie in Hockenheim 2025 und bei unserem Test in Valencia gefahren bin. Entweder haben wir einfach Glück, dass das Setup ganz gut passt, oder ich habe doch fahrerisch viel kompensieren können und habe irgendwie gezaubert.»
Das zeigt, dass das Fahrerfeld in diesem Jahr sehr stark ist.Kevin Orgis
Dass auch er gegenüber vor zwei Jahren, als die IDM das letzte Mal auf dem Sachsenring gastierte, eine deutliche Schippe drauflegen musste, erklärt er folgendermaßen: «Die langsamste Quali-Zeit war diesmal eine 1:24,8. Das war schneller als ich beim letzten Mal hier gefahren bin. Das zeigt, dass das Fahrerfeld in diesem Jahr sehr stark ist. Auch wenn es nur 17 Fahrer sind, sind keine Fahrer mehr dabei, die mit unterlegenem Material und ohne die ganz großen Ambitionen einfach nur dabei sind. Stattdessen sind 17 richtig gute Rennfahrer am Start. Auch von daher habe ich mir vorm Wochenende gedacht, wenn ich irgendwie in die Top-10 komme, bin ich schon zufrieden. Gerade beim Heimrennen wäre das eine coole Sache gewesen. Dass es jetzt zwei Mal Top-5 wurde, kam auch für uns sehr, sehr überraschend.»
Beim nächsten Rennen in Brno (Brünn) glaubt er in Sachen Streckenkenntnis einen Nachteil zu haben. «Wir hatten im April dort einen Test geplant, doch der hat sich dann mit meinem kurzfristigen Einsatz beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans überschnitten. Aber früher hat mir die Strecke immer gut gelegen und sie gefällt mir auch. Ich denke, sie sollte zu meinem Fahrstil ganz gut passen. Von daher kann ich mir vorstellen, dass ich wieder ganz gut zurechtkommen werde.»
Zu seiner nun gegebenenfalls angepassten Zielsetzung für diese Saison sagte er: «Ich kann es immer noch nicht richtig einschätzen, wie viel der Faktor Sachsenring ausgemacht hat. Ich warte jetzt mal noch Brünn und Most ab. Das sind auch Strecken in meiner Nähe, da wird es hoffentlich ähnlich. Es kann aber auch sein, dass es nur eine Eintagsfliege war. Es kann aber auch sein, dass wir uns über den Winter einfach nur sehr gut vorbereitet haben, ich körperlich fit bin und wir nun das Zeug dazu haben, vorn mitzufahren. Das werden die nächsten Events zeigen. Deswegen gehe ich die nächsten Rennen mit keiner konkreten Erwartung an, sondern versuche alles wieder bestmöglich umzusetzen.»
Dabei ist jedem klar, dass wenn man einmal ganz vorn war, man da wieder hinwill. «Von einem Podium in diesem Jahr träume ich schon – das wäre eine coole Sache. Irgendwann wird es auch mal Zeit. Ich habe schon lange keinen Pokal mehr bekommen, weil die Superbike einfach die höchste Klasse ist. Das ist das Ziel, aber da gehört natürlich auch Glück dazu», so der Pro-Superstock-Meister von 2023.
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