Ducati Lenovo: Gigi Dall’Igna analysiert den Katastrophen-GP in Le Mans
Beim Frankreich-GP musste Ducati erneut eine herbe Niederlage einstecken und zusehen, wie Aprilia feierte. Wie Ducati-Corse-CEO Gigi Dall’Igna das schwierige MotoGP-Wochenende in Le Mans einordnet.
Nach dem zwischenzeitlichen Höhenflug beim Spanien-GP in Jerez erlebte Ducati in Le Mans wieder ein enttäuschendes Wochenende. Dabei setzte das Werksteam am Samstagvormittag mit den Rängen 1 und 2 im Qualifying ein Ausrufezeichen. Alles sah nach einem starken Wochenende für den italienischen Hersteller aus. Dann folgte der heftige Abflug von Marc Marquez im Sprintrennen. Der Champion verletzte sich und musste erneut operiert werden. Pecco Bagnaia rettete am Samstag mit Platz 2 die Ehre von Ducati Lenovo. Dann folgte am Sonntag der Grand Prix, in dem Bagnaia auf aussichtsreicher Position liegend stürzte – null Punkte für die Roten. Bester Desmosedici-Pilot war VR46-Ass Fabio Di Giannantonio auf Rang 4.
Ducati musste in Le Mans zusehen, wie Aprilia einen Dreifachsieg einfuhr. «Es war ein weiterer schwieriger Tag an einem Wochenende, an dem sich unsere Gegner stärker denn je präsentiert haben. Unsere Glückwünsche gehen an sie», fand Ducati-Corse-CEO Gigi Dall’Igna anerkennende Worte auf seinem LinkedIn-Account. «Der Doppelerfolg von Ducati im Qualifying und das positive Feedback unserer Fahrer deuteten eigentlich auf ein ganz anderes Ergebnis hin. Wir waren von Anfang an mit beiden Fahrern schnell und starteten mit äußerst vielversprechenden Aussichten ins Wochenende. Stattdessen endete Le Mans in einer Situation, die unsere Erwartungen völlig auf den Kopf stellte. Die ersten Anzeichen dieses ‘verfluchten’ Wochenendes zeigten sich während des Sprintrennens mit Marcs beängstigendem Sturz und nahmen mit Peccos Ausrutscher im Hauptrennen endgültig Gestalt an – ein Vorfall, der uns praktisch aus dem Rennen warf und einen zutiefst enttäuschenden Sonntag mit null Punkten beendete.»
Aprilia weit voraus
In der Fahrerwertung liegen die Aprilia-Asse Marco Bezzecchi und Jorge Martin nach fünf Rennwochenenden mit 128 bzw. 127 Punkten einsam an der Spitze. Di Giannantonio ist derzeit mit 84 Zählern Dritter. Marquez (57) und Bagnaia (43) belegen die Ränge 7 und 9. In der Teamwertung ist Ducati Lenovo derzeit Fünfter – mit 155 Punkten Rückstand auf Aprilia Racing. In der Herstellerwertung liegt Ducati derzeit 34 Zähler hinter dem Werk aus Noale. «Wir müssen nun in aller Ruhe das Gesamtbild analysieren. Abgesehen vom Pech bleibt die Basis solide, wobei der Sturz das einzige echte Drama im Rennen war», relativierte Dall’Igna das Sonntags-Ergebnis von Le Mans. «Wir müssen uns zweifellos verbessern, aber wir müssen auch die positiven Aspekte anerkennen.»
«Wir hätten von Pecco nicht mehr verlangen können; er hat alles gegeben. Er war seit Malaysia nicht mehr von der Pole-Position gestartet, hielt aber das ganze Wochenende über ein mörderisches Tempo. Im Sprint fand er sofort seinen Rhythmus, im Gegensatz zu Marc, der nicht bei 100 Prozent war ... und jetzt kennen wir alle den Grund», führte der Ingenieur weiter aus. Neben der Stabilisierung der Fraktur in seinem rechten Fuß, wurde bei Marquez am Sonntag in Madrid zugleich ein geplanter chirurgischer Eingriff an seiner rechten Schulter durchgeführt. Die Ärzte entfernten zwei Schrauben und ein Knochenfragment aus einer früheren Operation (2019), das sich verschoben hatte und den Radialnerv komprimierte. «Die Bekanntgabe von Marcs geplanter Schulteroperation – die ursprünglich für nach Barcelona geplant war – unterstreicht angesichts seiner bisherigen Leistung sein überwältigendes Talent noch mehr und macht seinen unglaublichen Rundenrekord in Le Mans umso außergewöhnlicher. Einfach herausragend.»
Catalunya-GP ohne Marc Marquez
An diesem Wochenende geht es mit dem Großen Preis von Katalonien weiter. Dort wird Ducati Lenovo mit nur einem Fahrer an der Startlinie stehen – für Marquez wurde kein Ersatz nominiert. «Wenn alles gegen einen zu laufen scheint, verliert man leicht die positiven Aspekte aus den Augen. Stattdessen müssen wir bei ihnen neu ansetzen, auf die Arbeit vertrauen, die wir leisten, und den überzeugenden Signalen folgen, die wir in Frankreich gesehen haben», fand Dall’Igna aufmunternde Worte. «Die wahre Herausforderung beginnt jetzt: unseren gewohnten Enthusiasmus auch unter widrigen Umständen wiederzufinden und alles zu geben, um wieder auf die Beine zu kommen. Auf der einen Seite haben wir einen wiedererstarkten Pecco und sein Lächeln; auf der anderen Seite bedauern wir, dass Marc in Montmelo nicht bei uns sein wird – wohl wissend, dass wir dadurch im Nachteil sein werden. Wie dem auch sei, wir freuen uns schon darauf, ihn wieder mit uns auf der Strecke zu sehen. Wir senden unserem Champion die herzlichsten Wünsche für eine schnelle und vollständige Genesung, mit einer großen Umarmung vom gesamten Team.»
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