Beirer (KTM) über Binder: «Müssen bei ihm fahrerisch einen Schritt machen!»
Seit der MotoGP-Saison 2025 läuft es bei Brad Binder nicht mehr rund. Laut KTM-Rennsportchef Pit Beirer muss sich der Routinier fahrerisch weiterentwickeln. Die RC16 müsse benutzerfreundlicher werden.
Seit 2020 fährt Brad Binder in der MotoGP-WM. Der Südafrikaner, der 2016 den Moto3-WM-Titel holte, ist eng mit KTM verbunden und fuhr in der Königsklasse noch nie ein anderes Motorrad als die RC16. Binder konnte bislang mit dem Bike zwei Siege und neun weitere Podestplätze erzielen. Von 2021 bis 2024 belegte er in der WM-Wertung die Gesamtränge 6, 6, 4 und 5. Mit seinem kämpferischen und spektakulären Fahrstil fuhr er regelmäßig Top-Resultate ein – er war über mehrere Jahre der schnellste KTM-Pilot.
Konnte Binder 2024 den damaligen MotoGP-Rookie und Ausnahmekönner Pedro Acosta in der Gesamtwertung noch knapp hinter sich lassen, folgte 2025 die Wende. Acosta, seit letztem Jahr im KTM-Werksteam der Teamkollege von Binder, stellte den Routinier die gesamte Saison in den Schatten. Während der junge Spanier laufend Fortschritte machte und vor allem ab der zweiten Saisonhälfte 2025 regelmäßig auf das Podest fuhr, strauchelte Binder. Er tat sich schwer, mit dem orangen Bike ein gutes Gefühl zu finden, auch die positiven Entwicklungsschritte halfen ihm nicht viel weiter.
Der Saisonauftakt 2026 in Thailand verlief für Binder mit den Rängen 6 und 7 positiv. Danach folgte der enttäuschende Brasilien-GP, bei dem jedoch alle KTM-Piloten ihre Probleme hatten. Zuletzt in Austin kam Binder über zwei zwölfte Plätze nicht hinaus. Das Leben hat sich der 30-Jährige bereits im Qualifying schwer gemacht, wo er nur auf Startplatz 18 landete.
«Ein Marc Marquez hat mittlerweile in seiner Karriere fünf Mal seinen Fahrstil geändert.»Pit Beirer
«Es ist auch für uns frustrierend. Wir haben hinsichtlich des Mindsets für dieses Jahr so viel mit ihm gearbeitet – etwa, wie wir in das Wochenende starten, um am Freitag sofort Druck zu machen», erklärte KTM-Rennsportchef Pit Beirer im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Nach Thailand waren wir mit ihm Sechster in der WM, und wir waren auf dem richtigen Weg. In Brasilien lag es mit Sicherheit an unserer Performance mit dem Bike, weshalb wir ein schlechtes Wochenende hatten. Bei dem was wir aber bei Enea und Pedro in Austin gesehen haben, gab es dort nicht wirklich einen Grund zu sagen, dass es mit der KTM überhaupt nicht geht.»
Pit Beirer: «Die junge Generation hat den Fahrstil in der Klasse geändert»
Handlungsbedarf sieht Beirer deshalb bei Brad Binder selbst. «Die junge Generation hat den Fahrstil in der Klasse geändert. Ein Marc Marquez hat mittlerweile in seiner Karriere fünf Mal seinen Fahrstil geändert – er geht da halt mit. Und Brad mit seiner brutal späten Bremserei und dem quer in die Kurven reinrutschen… das war ein, zwei Jahre lang eine unglaubliche Benchmark, so fahren zu können», erklärte Beirer. «Mittlerweile musst du den Reifen aber nutzen beim Bremsen, du kannst ihn nicht einfach rutschen lassen. Da müssen wir mit ihm feilen und fahrerisch einen Schritt machen, um mit den anderen mithalten zu können.»
Bei der RC16 ist ein deutlicher Schritt gelungen – insbesondere was das Verhalten auf der Bremse und beim Einlenken betrifft. Noch nicht genug für Binder? «Unser Bike hat vielleicht immer noch ein sehr enges Fenster, wo es richtig gut funktioniert. Wenn du ein wenig daneben bist, wird es vielleicht sehr schwer», räumte Beirer ein. «Eine Ducati ist sehr fahrerfreundlich, sodass auch ein junger Fahrer damit gut zurechtkommt. Ich will kein Fahrer-Bashing gegen Brad machen. Wir müssen daran arbeiten, dass unser Bike vielleicht noch einfacher zu fahren ist. Wir haben Pedro nach vorne gekriegt, dann haben wir uns gesagt, dass wir alle drei anderen noch verbessern müssen – das ist auf unserer Liste. Wir haben Enea Bastianini als Vierter und Vinales als Siebter in der Weltmeisterschaft engagiert und haben letztes Jahr die Performance nicht hinbekommen. Aber es haben beide große Highlights gezeigt. Der nächste Schritt ist es, neben Pedro auch die anderen Fahrer nach vorn zu führen.»
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