Bezzecchi schmiss die WM-Führung weg: Jetzt ist Jorge Martin Favorit!
Im MotoGP-Sprint-Krimi von Austin übernahm Aprilia-Racer Marco Bezzecchi eine Hauptrolle. Doch die starke Fahrt in Richtung Spitze endete im Dreck. Was der Ex-WM-Leader zum zweiten Sprint-Crash sagt.
Der Grand Prix der Vereinigten Staaten hat sich für Marco Bezzecchi nach Plan entwickelt. In bereits bekannter Manier arbeitete sich «Bezz» durch die drei Sessions vor dem Q2, um sich dort mit Position eine vergleichsweise entspannte Ausgangslage zu sichern. Doch das kurze Rennen auf der 5,5 km langen Piste in Texas hatte gleich mehrere Überraschungen für den Tabellenführer bereit.
Die erste erlebte Bezzecchi im Getümmel der ersten Passage. Trotz gutem Start aus Reihe büßte die Nummer 72 viele Positionen ein. Nicht nur KTM-Pilot Acosta war vorbei, auch Honda-Pilot Mir und sogar der aus Reihe 3 losgefeuerte Teamkollege Jorge Martin kamen aus Runde 1 vor dem Italiener auf der Werks-Aprilia zurück. Festzuhalten war außerdem, dass Bezzecchi in Runde 1 Zeuge der Kollision von Marc Márquez und Di Giannantonio war.
Ekstase und Schmerz in der Aprilia-Box
Doch obwohl damit Weltmeister und Pole-Setter außer Gefecht waren, wollte Marco Bezzecchi maximale Punkte aus der Situation mitnehmen. In Runde 4 holte er sich Joan Mir, in Runde 5 Pedro Acosta, in Runde 6 Jorge Martin und in Runde 7 kreiselte er in der langsamen Kurve 11 von der Strecke. Es war bereits der zweite Abflug bei einem Sprint im in der laufenden Saison. Damit war der frei für den Teamkollegen. Und Martin tat das, was Bezzecchi im Sinne war: Der Spanier triumphierte vor Ducati-Werksfahrer Pecco Bagnaia – und holte sich zugleich die Tabellenführung. Wie so oft im Rennsport lagen Ekstase und Schmerz nun wieder einmal auf engstem Raum in der Aprilia-Doppelbox vereint.
Während Martin längst verloren geglaubte Kräfte in sich spürte, trat ein geknickter Marco Bezzecchi zum Mediengespräch an. «Es war, bis zu meinem Crash, ein komplizierter, aber guter Sprint. Das Entscheidende ist es, immer ein gutes Gefühl und den Speed für die Spitze zu haben – und das war vorhanden. Ich war sehr zuversichtlich, also habe ich versucht, ganz nach vorne zu kommen. Ob ich Pecco schnappen kann, das wusste ich nicht, aber ich war konstant schnell, also habe ich gepusht.»
Bezzecchi zu seinem Ausrutscher: «Es war ganz einfach mein Fehler. Ich war beim Reinfahren in Kurve 11 etwas zu fest an der Bremse, hatte vielleicht 7–8 Meter später verzögert, das war's.»
Nach dem Fehler und dem Verlust der WM-Führung fiel es leicht, den Ball weiter an Jorge Martin zu spielen: «Ich freue mich wirklich für ihn, er hat es absolut verdient und ist hier fahrerisch sehr stark. Ich habe den Fehler, für mich ist Jorge der Favorit für den GP.»
Frust auch wegen «Grid Penalty»
Auf die Stimmung des Italieners drückte auch ein weiterer Vorfall. Nach einer umstrittenen Situation im zweiten Qualifying, in der Bezzecchi dem Weltmeister im Weg stand, erhielt der Aprilia-Pilot eine «Grid Penalty». Statt von Position 2 geht es nun von 4 – und damit in der gleichen Reihe wie Marc Marquez – ins sechste Rennen des Jahres. Marco Bezzecchis Redaktion mit versteinerter Miene: «Kein Kommentar!»
Die Ausgangslage vor dem Austin-GP ist nach den Ausfällen von Bezzecchi, Marquez und Di Giannantonio spannend. «Bezz» hat einen Zähler Rückstand auf den Teamkollegen. Dritter ist weiterhin Pedro Acosta, Marc Márquez Sechster. Rechnerisch könnte aber auch selbst der Weltmeister mit einem Sieg auf seiner Hausstrecke wieder die WM-Führung übernehmen.
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