Vinales-Ersatz Espargaro: «Maverick ist viel besser, als er gezeigt hat»
KTM-Testfahrer Pol Espargaro ersetzt in Silverstone Maverick Vinales. Nach einem letzten 850er-Test in Mugello fährt er wieder das 1000er-MotoGP-Bike, auf dem er seit Februar nicht mehr gesessen ist.
Die Nachricht, dass Pol Espargaro den Tech3-Stammfahrer Maverick Vinales ersetzen sollte, kam kurzfristig: «Letzte Woche fing etwas an, ich bekam ein paar Anrufe von Pit Beirer und Aki Ajo, und schließlich fanden wir heraus, dass Maverick nicht bereit war, hier in Silverstone anzutreten. Also fragten sie mich, ob ich fahren kann», berichtete Pol Espargaro.
Der Weg nach Großbritannien war für den 35-Jährigen stressig: Am Mittwoch testete er noch in Mugello die künftige 850er-KTM mit den Pirelli-Reifen, landete mitten in der Nacht auf Donnerstag in England und stand im Morgengrauen im Fahrerlager. «Es ist immer schön, zurückzukommen, weil ich das Racing mag. Aber wenn ich zurückkomme, dann immer, weil sich jemand verletzt hat – und das ist nicht schön.»
Von 63 Grad Asphalttemperatur in Mugello zu britischer Kühle
Sportlich stellt sich der Testfahrer auf einen Kaltstart ein. Seine im Mai erlittene Verletzung sei kein Thema mehr: «Ich habe noch nicht die volle Beweglichkeit in der Hand, aber ich habe die 850er getestet, die deutlich langsamer ist als die 1000er, und das fühlt sich gut an.» Kritischer sieht er die abrupten Wechsel der Rahmenbedingungen: «Ich komme aus Mugello mit fast 40 Grad, 63 Grad auf dem Asphalt. In Silverstone sind die Temperaturen deutlich niedriger, dazu fahre ich mit Michelin-Reifen. Das ist ein komplett anderes Szenaro.»
Sein Ziel für den Trainingsauftakt sei deshalb bescheiden und ist darauf ausgerichtet, das Ersatzteillager zu schonen: «Gerade im FP1 kann man früh Fehler machen, wenn man zu sehr pusht. Das will ich weder für das Team noch für mich. Erstmal muss ich ruhig bleiben und dann langsam das Vertrauen aufbauen.»
Verständnis für Maverick Vinales – die Verletzung warf ihn komplett aus der Bahn
Zur Situation seines Landsmanns äußerte sich Espargaro einfühlsam, denn er kennt sie aus eigener Erfahrung. «Ich war in seiner Position und bin zurückgekommen, obwohl ich wusste, dass ich nicht zu 100 Prozent fit war. Ich war körperlich sehr schwach und habe versucht zu performen, aber ich wusste, dass es nicht funktioniert. Fahrer versuchen immer ihr Bestes, und ich glaube, Maverick versucht es wirklich.» Die Zwickmühle sei eine andere: «Wenn du abwesend bist, sieht dich niemand und du hast keinen Platz mehr. Kommst du verletzt zurück, erzielst du schlechte Resultate – und dann will dich niemand. Es gibt da kein gutes Ende.»
Sein Urteil über den Tech3-Piloten fiel eindeutig aus: «Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass Maverick massiv besser ist als das, was er in den letzten Rennen gezeigt hat. Seit der Verletzung im vergangenen Jahr kämpft er, und er ist meilenweit von dem entfernt, was er erreichen kann.»
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