Als Sott Redding 2019 fast verblutete: «Ich dachte, ich schaffe es nicht»
Vier Wochen vor seinem ersten BSB-Test brach sich Ex-MotoGP-Pilot Scott Redding den Oberschenkel – und musste es geheim halten. Jetzt schildert er, wie heftig der Crash und die Folgen wirklich waren.
Dass Scott Redding im Winter 2018/2019 mit einem gebrochenen Oberschenkel in seine erste Superbike-Saison ging, ist bekannt. Wie nahe er dabei an einem ganz anderen Ausgang vorbeischrammte, hat er erst jetzt im Podcast «Scruff Bags by HMY» im Detail erzählt.
Eine halbe Stunde ohne Rettungswagen
Nach seinem komplett verkorksten Aprilia-Jahr hatte Redding die MotoGP verlassen und beim Team des mittlerweile verstorbenen Paul Bird unterschrieben. Wenige Tage nach Trainingsbeginn in Spanien klemmte auf einem Minibike die Vergaseröffnung, das Gas blieb offen. Redding griff in die Bremse, verlor die Front und rutschte durch eine Lücke in der Reifenmauer, dahinter stand ein Betonschacht.
«Das hat mir den Oberschenkel und den Arm aufgeschnitten», sagte er im Podcast. «Ich lag auf der Strecke und blutete sehr stark.» Dramatisch: Ein Rettungswagen war nicht vor Ort. Trainingskollege Jake Dixon und sein Mechaniker Sam Neave banden das Bein mit Seilstücken ab. «Ich habe die pure Angst in ihren Gesichtern gesehen. Nach zwanzig Minuten sagte ich, dass ich es nicht schaffe. Sam hat nur noch gerufen, dass ich die Augen nicht schließen sollte.»
Erst nach rund einer halben Stunde traf ein Rettungswagen ein. In Valencia lag Redding im Krankenhaus dann tagelang auf dem Gang, weil kein Zimmer frei war. Schmutz und Steine waren beim offenen Bruch in die Wunde gedrückt worden, die Ärzte bekamen diese Verunreinigungen nicht heraus. Sein früherer Teamkollege Tito Rabat organisierte schließlich einen privaten Transport – «ein Lieferwagen mit einem Bett hinten drin». Drei Stunden nach Barcelona, ohne Schmerzmittel. Dort wurde der Bruch dann richtig versorgt.
Schweigen über Verletzung: «Niemand darf davon wissen»
Dann meldete sich Bird, der über Neave von dem Sturz erfahren hatte. Reddings Wiedergabe: «Du nützt mir nichts mehr.» Der Brite bat um eine einzige Chance, den ersten Test in Monteblanco. Bird stimmte zu, unter einer Bedingung: niemand dürfe von der Verletzung erfahren.
Die Ärzte veranschlagten acht bis zehn Wochen. Redding hatte vier. «Ich habe ihm nicht widersprochen», sagte er. «Ich musste einfach so tun, als wäre das keine Option.» Es folgten Wochen, in denen er morgens Treppenstufen übte, im Meer balancierte, in der Physiotherapie täglich weinte und abends auf einem Ergometer versuchte, eine einzige volle Kurbelumdrehung zu schaffen. «Sie sagten mir, sobald ich es bewegen kann, bricht es auf. Das war für mich der entscheidende Punkt.»
Nach drei Wochen saß er auf einem Motocross-Bike, kurz darauf auf einer Supermoto. «Ich durfte nicht zeigen, dass ich humpelte. Das war das ganze Geheimnis.»
In Monteblanco stellte Redding schließlich einen Rundenrekord auf und war an beiden Tagen der Schnellste. Am Saisonende wurde er als erster Rookie britischer Superbike-Champion.
Heute relativiert er die eigene Leistung. «Der Unterschied ist: Ich weiß nicht, ob ich das heute noch könnte. Ich hatte damals schlicht keine andere Wahl.»
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