Jack Miller (11.) überrascht mit Yamaha-Lob: «Funktioniert ziemlich gut»
Zuletzt fand Jack Miller häufig deutliche Worte für die Schwächen der Yamaha M1. Nach dem MotoGP-Rennen in Aragon schlug der Australier überraschend positive Töne an.
Von Jack Miller und seinen Markenkollegen war in den vergangenen Wochen viel Kritik an der Yamaha M1 zu hören. Vor allem die fehlende Motorleistung sorgte beim Pramac-Piloten immer wieder für Frust. Nach dem Grand Prix im MotorLand Aragon rückte der Australier jedoch die Fortschritte in den Vordergrund und stellte seinem Motorrad ein überraschend positives Zeugnis aus.
Dabei lieferte das Ergebnis auf den ersten Blick wenig Anlass zur Euphorie. Miller kam als bester Yamaha-Pilot auf Platz 11 ins Ziel und verlor nach 23 Runden satte 27,2 Sekunden auf Rennsieger Marc Marquez. Im Kampf mit den KTM von Enea Bastianini und Brad Binder zog er in der Schlussphase den Kürzeren.
Miller in Aragon stärkster der vier Yamaha-Piloten
«Alles in allem war es ein ordentliches Wochenende. Ich habe in diesem Rennen alles gegeben, was ich hatte», bilanzierte Miller, der sich zwischenzeitlich in den Top-10 behaupten konnte. «Leider mussten wir am Ende die Positionen an die KTM abgeben. Ich habe versucht, es ihnen so schwer wie möglich zu machen, aber irgendwie kämpfte ich mit auf dem Rücken gebundenen Händen.»
Gemeint war damit vor allem das weiterhin vorhandene Topspeed-Defizit der M1. Beim Anbremsen konnte Miller seine Stärken ausspielen, auf den Geraden war er gegen die KTM-Piloten jedoch machtlos.
«Als Enea vorbeikam, versuchte ich, es ihm so schwer wie möglich zu machen, indem ich sehr spät bremste. Aber am Ende überholte er mich mitten auf der Geraden und hielt in der letzten Kurve eine sehr enge Linie. Brad machte genau dasselbe. Viel mehr kann man da nicht machen.»
Lob für das Fahrverhalten der M1
Trotz dieser bekannten Schwäche fällt Millers Gesamturteil über die aktuelle M1 inzwischen deutlich positiver aus. Besonders beim Fahrverhalten sieht der 31-Jährige Yamaha mittlerweile auf einem guten Weg. «Das Motorrad funktioniert ehrlich gesagt ziemlich gut. In den Kurven kann ich ihm keinen Vorwurf machen. Wir verlieren einfach zu viel auf den Geraden, aber das wissen wir», stellte Miller fest. «Wir können momentan nicht viel dagegen tun, deshalb bringt es auch nichts, sich darüber zu beschweren. Wir müssen einfach mit dem weitermachen, was wir haben.»
Mit seiner eigenen Leistung war Miller ebenfalls zufrieden. «Ich war wirklich glücklich mit meiner Pace und habe keine Fehler gemacht. In der ersten Runde hatte ich eine kleine Berührung, aber davon abgesehen war es bis zum Ende ein ziemlich sauberes Rennen.»
Eine wichtige Rolle spielte dabei das Reifenmanagement. Aus dem Sprint am Samstag hatte Miller seine Lehren gezogen und ging im Grand Prix insbesondere mit dem Vorderreifen vorsichtiger um. Das hatte allerdings seinen Preis. «Wenn man den Vorderreifen schont, verliert man etwas Kurvenspeed. Gestern war ich im Sprint in diesem Bereich einer der Schnellsten. Ich glaube, im letzten Sektor war ich insgesamt ungefähr Vierter und sogar schneller als Marc – und ich kann euch versichern, dass das nicht von der Gegengeraden kam», scherzte der Australier.
Diese aggressive Fahrweise konnte Miller über die volle Grand-Prix-Distanz jedoch nicht aufrechterhalten. «Im Hauptrennen konnte ich das Motorrad nicht so fahren. Dann bekommt man zu viel Untersteuern am Vorderrad und zerstört den Reifen. Deshalb war ich diesmal vorsichtiger.»
Die Strategie ging auf. Vorder- und Hinterreifen hielten bis in die Schlussphase durch. «In der letzten Runde wurde es ziemlich kritisch, aber bis dahin war ich mit der Performance wirklich zufrieden. Der Reifen war am Ende aufgebraucht, aber genau so sollte es eigentlich sein.»
Miller sieht deutliche Fortschritte bei Yamaha
Besonders bemerkenswert war Millers Einschätzung der grundsätzlichen Entwicklung der M1. Zu Saisonbeginn bereitete das komplett neue Motorrad Yamaha noch erheblich größere Schwierigkeiten. Inzwischen sieht Miller die Basis als deutlich konkurrenzfähiger an – auch wenn der Motor weiterhin die entscheidende Schwachstelle darstellt.
«Natürlich verändert es den Charakter eines Motorrads, wenn man einfach 20 PS mehr Leistung hinzufügt», erklärte Miller mit Blick auf die fehlende Motorleistung. «Aber trotzdem glaube ich, dass wir dieses Motorrad in ziemlich kurzer Zeit deutlich verbessert haben.» Dabei verwies der Routinier darauf, wie jung das aktuelle Projekt noch ist. «Es ist in diesem Jahr ein komplett neues Motorrad. Wir versuchen, mit dem, was wir haben, das Maximum herauszuholen.»
Das Fazit nach Aragon fällt damit ungewohnt positiv aus: Beim Chassis und insbesondere beim Verhalten in den Kurven sieht Miller die Yamaha M1 inzwischen auf einem guten Niveau. Der entscheidende Schwachpunkt bleibt jedoch unverändert. Solange es der M1 auf den Geraden deutlich an Leistung fehlt, kann selbst der beste Yamaha-Pilot seine Stärken im direkten Zweikampf nur eingeschränkt ausspielen.
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