Joan Mir zog Karriereende in Betracht – dann kam Gresini Ducati auf ihn zu
Der ehemalige MotoGP-Weltmeister Joan Mir wollte auch 2027 für ein Werksteam fahren – doch das klappte nicht. Sein Manager Paco Sanchez erzählt, weshalb das Angebot von Gresini unwiderstehlich war.
2017 dominerte Joan Mir die Moto3-WM. Er holte zehn Siege und gewann überlegen den Titel. Danach folgte der Aufstieg in die Moto2-Klasse, wo er bereits nach einer Saison in die MotoGP aufstieg. In der Königsklasse schaffte er es 2020, in seinem zweiten Jahr, mit der Suzuki GSX-RR den WM-Titel zu holen. Die Saison 2021 beendete er als WM-Dritter.
Nach dem MotoGP-Ausstieg von Suzuki wechselte Joan Mir 2023 ins Honda-Werksteam. Seitdem hat der Spanier mit der schwächelnden RC213V zu kämpfen. In den letzten drei Jahren belegte er die WM-Ränge 22, 21 und 15. Letztes Jahr schaffte es Mir immerhin zweimal auf das Podest. 2026 holte er bislang nur 33 WM-Punkte, derzeit liegt er in der Gesamtwertung auf Rang 18. Zum Vergleich: Teamkollege Luca Marini hat 108 Punkte auf seinem Konto und ist 12.
Joan Mir ist schnell, das steht außer Frage. Doch beim Versuch, alles auf der Honda herauszuholen, überfährt er das Motorrad oft – die Folge daraus sind sehr viele Stürze. Schon früh in dieser Saison war klar, dass es für ihn 2027 kein Platz mehr bei HRC geben wird. Honda wird nächstes Jahr im Werksteam mit einem neuen Fahreraufgebot in die 850er-Ära starten – mit Fabio Quartararo und aller Voraussicht nach Diogo Moreira (die offizielle Bestätigung, dass der Brasilianer von LCR ins Werksteam wechseln wird, steht noch aus).
Paco Sanchez über Joan Mir: «Er zog nicht einmal die Superbike»
Für Joan Mir gab es für 2027 zunächst wenig Optionen – bis Gresini Racing auf ihn zukam. «Meine Priorität war es, ein Werksteam für Joan zu finden. Wir sahen dann aber, dass das nicht klappte. Joan dachte über das Aufhören nach – falls wir kein Werksteam finden würden. Er zog nicht einmal die Superbike oder etwas anderes in Betracht. Seine Situation war klar: Wenn ich kein wettbewerbsfähiges Motorrad habe, höre ich auf, und ich gehe nach Hause», erzählte sein Manager Paco Sanchez im Interview von SPEEDWEEK.com-Autor Manuel Pecino. «Dann war es Gresini, die mich anriefen. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihnen. Also rief mich Michele (Masini) an und sagte: ‘Paco, wir sind daran interessiert, über Joan zu sprechen.’ Daraufhin sagte ich ihm: ‘Ich werde zu euch kommen, um zu reden, aber ich bin mir nicht sicher, ob Joan in einem Satellitenteam weitermachen will oder nicht.’ Ich habe mich dann mit Joan getroffen; sowohl im Namen von Gresini als auch von Ducati war Gigi Dall’Igna bei dem Treffen dabei. Er sagte ihm, dass er ein reines Werksmotorrad bekommen würde, dass er offizielle Werksunterstützung erhalten würde und dass er, wenn er die von ihm erwarteten Ergebnisse erzielen würde, dasselbe Motorrad (wie die Werksfahrer, Anm.) haben würde. Natürlich kommen die Upgrades manchmal etwas später, aber er würde dasselbe Motorrad haben wie Marc und Pedro.»
Für Joan Mir klang das Angebot sehr interessant – er nahm es an. «Joan hat von da an die finanzielle Seite vergessen, das trat für ihn in den Hintergrund», so Sanchez. «Er legte den Schwerpunkt auf die Chance, wieder ein wettbewerbsfähiges Motorrad zu haben. Er will sich wieder als Fahrer fühlen, der um die Weltmeisterschaft kämpft – der Rennen gewinnt und ganz vorne mitfährt.»
2027 wird Joan Mir eine Ducati Desmosedici mit 850 ccm fahren. Es ist davon auszugehen, dass dieses Bike in er neuen MotoGP-Ära sehr konkurrenzfähig sein wird – so wie die Ducati mit 1000 ccm.
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