Cal Crutchlow teilt gegen MotoGP-Technik aus: «Bin von der alten Schule»
2016 holte Cal Crutchlow in Brünn seinen ersten MotoGP-Sieg und den ersten überhaupt für das LCR-Team. Zehn Jahre später kämpfte der Brite als Zarco-Ersatz darum, das Rennen zu beenden.
Das Jubiläum hat einen bitteren Beigeschmack: Zehn Jahre nach seinem historischen Brünn-Sieg kehrte Cal Crutchlow als Ersatz für den verletzten Johann Zarco an den Ort seines größten Triumphs zurück. Von Siegambitionen war diesmal keine Rede, er beendete das Rennen 44 Sekunden hinter Sieger Marc Marquez (Ducati). Dementsprechend nüchtern fiel sein Fazit aus: «Es war ein langes Rennen. Ich bin froh, es zu Ende gebracht zu haben.»
Cal Crutchlow kann nichts mit der modernen MotoGP-Technik anfangen
Die ersten acht Runden seien noch in Ordnung gewesen, danach überhitzte der Vorderreifen und der Druck stieg an. Diese Situation sei ihm seit fünf Jahren nicht mehr passiert. Zeitweise habe er sich in einer kleinen Gruppe der Yamaha-Piloten Jack Miller, Alex Rins und Toprak Razgatlioglu wohlgefühlt, ehe er sich zurückfallen ließ. In den letzten sieben Runden ließ dann die Kraft nach. Seine Schulterverletzung aus Mugello machte sich bei den Linkskurven bemerkbar. Er fuhr mit dem Ziel, das Rennen zu beenden, statt erneut einen Sturz wie im Brünn-Sprint zu riskieren.
Auf die Frage, wie sich das Fahren im Pulk im Vergleich zu vor fünf Jahren verändert habe, fiel das Urteil von Crutchlow über die moderne MotoGP-Technik deutlich aus: «Ich bin von der alten Schule, ich mag dieses ganze Zeug nicht. Ich mag die Devices nicht, ich mag die Aerodynamik nicht, ich mag nicht all die Kabel überall am Bike – das sind die Dinge, die ich nicht mag. Die Mechaniker übrigens auch nicht.»
Die ersten Runden im engen Feld beschrieb Crutchlow als Herausforderung. «Wir haben uns die Motorbremse genauer angeschaut, sie schien für mich nicht gut zu funktionieren – weil ich wegen all dem, was um einen herum passiert, ganz anders bremse. Man kann nicht glauben, wie stark sich das Bike beim Bremsen bewegt, wegen der Aerodynamik, die alle anderen beeinflusst.» Auch das Gewichtsgefühl über die Renndistanz beschrieb er: «Die Aerodynamik ist großartig für die Ingenieure, aber für die Fahrer ist sie schwierig zu managen. Am Anfang fühlt sich das Bike mit vollem Tank an wie 158 Kilo, gegen Ende des Rennens fährt es sich wie ein 300-Kilo-Bike.»
Crutchlow zeigt Verständnis für das Verhalten von «Bez»
Auch zum Bezzecchi-Vorfall äußerte sich Crutchlow indirekt. Wer nie in dieser Situation gewesen sei, könne das Gefühl nicht nachvollziehen: «Ich war selbst in dieser Position. Du stehst auf, egal was los ist, egal ob du dachtest, du könntest wieder ins Rennen zurück, egal, ob das Bike noch ging. Leute, die das nicht erlebt haben und nie in dieser Situation waren, verstehen es nicht. Du bist heiß, du bist aufgebracht, weil du gestürzt bist.» Er stellte aber klar: «Was er getan hat, war falsch. Ich verstehe aber, dass man alles um sich kaputtschlagen will. Ich sage nicht, dass es Menschen, Bikes oder Wände treffen sollte. Alle Fahrer verstehen dieses Gefühl.»
Die Strafe selbst – Bezzecchi wurde für den Brünn-GP gesperrt – wollte er nicht bewerten: «Ich bin kein Steward. Ich finde alle Strafen zu hart, weil ich eine Strafe von eintausend Euro bekommen habe. Ich bin nicht der Richtige, um über Sanktionen zu urteilen.»
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