Marc Marquez siegt trotz Patzer: «Ich machte einen massiven Fehler!»
Marc Marquez triumphierte auch im MotoGP-Hauptrennen von Aragon. Dabei brachte sich der Ducati-Star mit einem Fehler beim Ride-Height-Device zunächst selbst in Schwierigkeiten.
Marc Marquez bleibt der König des MotorLand Aragon. Nach seinem Erfolg im Sprint am Samstag gewann der Ducati-Werkspilot auch den Grand Prix am Sonntag und holte damit die maximal möglichen 37 Punkte aus seinem Heim-Wochenende.
Dabei begann das Rennen für den von Startplatz 2 losgefahrenen Weltmeister zunächst nach Plan. Wie bereits im Sprint bremste Marquez Polesetter Marco Bezzecchi in Kurve 1 aus und übernahm die Führung. Doch unmittelbar danach unterlief der Nummer 93 ein folgenschwerer Fehler.
Auf einen perfekten Start folgt ein kleiner Patzer
Marquez hatte vergessen, das hintere Ride-Height-Device zu deaktivieren. Seine Ducati blieb deshalb abgesenkt und setzte in Kurve 3 auf. Mehrere Konkurrenten zogen am Weltmeister vorbei. «Die erste Kurve war gestern der Schlüssel und mir gelang es erneut. Doch heute machte ich einen massiven Fehler, weil ich das hintere Ride-Height-Device vergessen hatte», schilderte Marquez unmittelbar nach dem Rennen.
«Als ich von Kurve 1 zu Kurve 2 beschleunigte, war das hintere Device noch aktiviert. Ich war in Kurve 2 und Kurve 3 extrem langsam und viele Fahrer zogen vorbei. Dadurch wurde es schwieriger.»
Statt sich über seinen Patzer zu ärgern, konzentrierte sich Marquez sofort auf die Aufholjagd. «Als ich aus Kurve 1 herauskam und wieder führte, verstand ich sofort, was passiert war. Da sagte ich mir: Okay, jetzt darfst du nicht lamentieren. Versuche einfach, nicht zu viele Positionen zu verlieren und dein Rennen wieder aufzubauen.»
Schreckmoment bei 300 km/h
Marquez kämpfte sich anschließend mit sehenswerten Manövern zurück. Bereits in der ersten Runde schnappte er sich Jorge Martin in Kurve 15. Einige Runden später attackierte er an derselben Stelle den Führenden. Doch Bezzecchi gab sich nicht so leicht geschlagen und hielt dagegen.
Dabei kam es auf der Gegengeraden bei rund 300 km/h zu einem spektakulären Moment zwischen den beiden Motorrädern. «Selbst auf dem Motorrad fühlte es sich sehr seltsam an», berichtete Marquez. «Durch die ganze Aerodynamik gab es bei 300 km/h einen Moment, in dem sich unsere Motorräder gegenseitig angesaugt haben. Ich wollte rechts an ihm vorbeifahren, aber mein Motorrad wurde zu ihm gezogen – und ich glaube, seines wurde zu meinem gezogen.»
Die Situation sorgte selbst beim erfahrenen Marquez für einen kurzen Schreckmoment. «Wenn man sich die Wiederholung ansieht, sieht man sogar einen kleinen Wheelie im sechsten Gang. Das war ein beängstigender Moment, aber eine gute Show für die Fans.»
Nachdem Bezzecchi bezwungen war, erwies sich Pedro Acosta als hartnäckigster Gegner. Der KTM-Werkspilot blieb über viele Runden dicht hinter der Ducati mit der Nummer 93. Marquez hatte jedoch noch Reserven. Für das letzte Renndrittel hatte der 33-Jährige bereits vorab einen Plan zurechtgelegt. «Ich versuchte, die Reifen über den Großteil des Rennens zu schonen. Mein Plan war: Wenn noch zehn Runden übrig sind und ich vorne liege, lege ich einen Schritt zu.»
Genau das setzte Marquez um. Er erhöhte das Tempo, setzte sich von Acosta ab und kontrollierte anschließend seinen Vorsprung. Nach 23 Runden überquerte er die Ziellinie 1,754 Sekunden vor seinem zukünftigen Ducati-Teamkollegen.
Marquez macht WM-Kampf wieder spannend
«Ein Heim-GP ist immer etwas Besonderes und mit einem Doppelsieg noch mehr», freute sich Marquez. «Ich habe schon am Donnerstag gesagt, dass mein Ziel darin besteht, möglichst nah an die 37 Punkte heranzukommen. Jetzt sind es 37 geworden, deshalb bin ich sehr glücklich.» Der perfekte Aragon-Auftritt hat auch erhebliche Auswirkungen auf die Weltmeisterschaft. Marquez reiste mit 40 Punkten Rückstand auf WM-Leader Jorge Martin nach Aragon. Nach Sprint und Grand Prix fehlen ihm nur noch 19 Zähler. Gleichzeitig schob sich der Ducati-Star an Bezzecchi vorbei auf den zweiten WM-Rang.
«Wenn wir überhaupt eine Chance haben wollen, um die Weltmeisterschaft zu kämpfen, dürfen wir auf einer Strecke, die uns liegt, keine Punkte liegen lassen», betonte Marquez. «Genau das haben wir an diesem Wochenende geschafft. Es war eine gute Strecke für uns und wir haben das Maximum herausgeholt.»
Dennoch schreibt Marquez seine Aprilia-Rivalen für den weiteren Saisonverlauf keineswegs ab. «Martin hatte an diesem Wochenende ein paar Schwierigkeiten. Aber ich bin überzeugt, dass Martin und Marco in diesem letzten Teil der Saison sehr schnell sein werden.» Auch für Ducati war der Sieg wertvoll: In der Hersteller-WM beträgt der Rückstand auf Aprilia nur noch 15 Punkte.
Besonders emotional wurde es für Marquez nach der Zieldurchfahrt. Vor der nach seiner Startnummer benannten 93-Tribüne feierte er mit den zahlreichen Fans. «Wir versuchen, den Fans ein besonderes Erlebnis zu bieten. Es soll nicht nur um Racing gehen, sondern auch eine Art Party sein. Genau das gefällt mir. Ich möchte den Moment genießen – und auf der Strecke versuche ich, 100 Prozent zu geben.»
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