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MotoGP-Reifen: Freier Wettbewerb noch vorstellbar?

Seit acht Jahren werden in der MotoGP-WM alle Hersteller und Teams mit Einheitsreifen versorgt, 2016 erstmals von Michelin. Ist eine Rückkehr zu einem Reifenkrieg wünschenswert? Eine Analyse.

MotoGP

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Seit dem Jahr 2009 existieren in der MotoGP-Weltmeisterschaft die Einheitsreifen. Lange Zeit hatten sich manche Teams und Motorradhersteller gegen dieses System gesträubt, heute wird es kaum mehr in Frage gestellt.

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Auch wenn Michelin nach sieben Bridgestone-Jahren in der Saison 2016 noch mit Schwierigkeiten kämpft, niemand will derzeit ernsthaft wieder einen freien Wettbewerb auf dem Reifensektor haben.

Denn jetzt werden alle Werke und Teams kostenlos mir identischen Reifen ausgestattet, für jeden Fahrer werden pro Grand Prix 21 Slicks zur Verfügung gestellt.

Das war nicht immer so.

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Auf dem Höhepunkt des Reifenkriegs zu Beginn des neuen Jahrtausends nützte Michelin zum Beispiel den Standortvorteil gegenüber dem japanischen Konkurrenten Bridgestone und liess manchmal nach dem Freitagtraining in Clermont-Ferrand/Frankreich eine Kleinserie neuer Reifen fertigen, die dann in einer Nacht- und Nebelaktion mit einem Kleintransporter ins Fahrerlager nach Assen oder sonst wohin gekarrt wurden.

Diese auf den jeweiligen Belag massgeschneiderten Reifen wurden dann natürlich nur an die drei oder vier Sieganwärter der Michelin-Teams ausgeliefert.

Michelin suchte sich damals die Teams sehr sorgfältig aus und überliess zum Beispiel die nicht siegfähigen Werksteams von Suzuki und Kawasaki lange Zeit den chancenlosen Gegnern Bridgestone oder Dunlop.

Und als Ducati die Überzeugung gewann, Michelin kümmere sich in erster Linie um die Werksteams von Honda und Dunlop, stiegen die Roten frühzeitig auf Bridgestone um – und bekamen dort exklusives Material, das Casey Stoner und Ducati 2007 zum WM-Titel verhalf.

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Rossi wechselte deshalb 2008 auf Bridgestone, Teamkollege und Rookie Jorge Lorenzo musste sich 2008 in seiner Debütsaison mit Michelin abmühen und erlebte besonders bei den ersten Grand Prix einen Highsider nach dem anderen

Michelin war 2007 gegenüber Bridgestone ins Hintertreffen geraten, besonders auf Pisten wie Laguna Seca. Damals sahen die Verantwortlichen der Werke ein: Selbst ein Seriensieger wie Rossi und ein Werk wie Yamaha mit dem besten Motorrad konnten eine ganze Saison nicht konkurrenzfähig sein, wenn man sich für den falschen Reifenhersteller entschieden hatte.

Also kam die Idee der Einheitsreifen ins Spiel.

Dunlop war damals der schwächste Reifenhersteller in der MotoGP, aber selbst Tech3-Yamaha musste sich in gewissen Jahren mit diesen Pneus herumschlagen, die in den letzten drei Rennrunden oft um 3 sec pro Runde einbrachen.

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Von Chancengleichheit konnte also keine Rede sein.

Das Team Roberts bezahlte beispielsweise 2005 pro Grand Prix und Fahrer 50.000 Euro, um sich bei Michelin die besten Reifen zu sichern.

Es gab auch andere Wege. Als das Ilmor-Team Ende 2006 und in Katar 2007 drei MotoGP-Rennen mit dem neuen 800-ccm-Bike bestritt, freute sich der Schweizer Firmenchef und Teambesitzer Mario Illien über konkurrenzfähige Michelin-Reifen. Die anderen kleinen Teams wunderten sich. Eifersucht machte sich breit.

Aber Illien hatte bei der Firma Ilmor in England mit Roger Penske aus Amerika einen sehr hilfreichen Teilhaber: Penske besitzt in Amerika ein Transportunternehmen mit der unfassbaren Zahl von ca. 230.000 Trucks. Als Michelin-Kunde mit Millionenumsätzen setzte sich die US-Niederlassung von Michelin für Penske und Ilmor vehement für die Lieferung der MotoGP-Reifen aus Frankreich ein. Mit Erfolg.

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Ist in absehbarer Zeit eine Rückkehr zu einem Reifenkrieg mit anderen Herstellern denkbar?

Darüber wird momentan nicht ernsthaft diskutiert.

Besonders die Privatteams wollen sich das nicht mehr vorstellen. Und Suzuki, Aprilia und KTM würden dann momentan vielleicht keinen Zugang zu den besten Reifen haben...

"Ob wir uns in der MotoGP-Klasse einen freien Wettbewerb auf dem Reifensektor wünschen? Michelin hat gerade einen Vier-Jahres-Vertrag bis Ende 2019 unterschrieben. Es ist also müssig, jetzt darüber zu diskutieren. Frag mich in drei Jahren wieder", erklärte Yamaha-Renndirektor Lin Jarvis.

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