Sanchez: Die Leistungen von Mir und Fernandez werden zu wenig gewürdigt
Im Interview von SPEEDWEEK.com erklärt Paco Sanchez, Manager von Joan Mir und Raul Fernandez, weshalb es seine beiden Fahrer verdient haben, auch 2027 in der MotoGP zu fahren.
Paco Sanchez ist seit fast vier Jahrzehnten im Motorsport tätig und seit über dreißig Jahren mit der Weltmeisterschaft verbunden. Im ersten Teil des Interviews von SPEEDWEEK.com-Autor Manuel Pecino bricht der Manager eine Lanze für seine beiden Fahrer Joan Mir und Raul Fernandez.
Man schreibt dir zu, die Karriere von Joan Mir gerettet zu haben. Nicht wenige sind überrascht, dass er für nächstes Jahr eine Ducati ergattert hat. Siehst du dich selbst als Macher des Unmöglichen? Was Joan Mir betrifft, gibt es Leute mit einem sehr kurzen Gedächtnis. Wir leben in einer Welt, die derzeit stark von einer Rivalität geprägt ist, die in den letzten Jahren entstanden ist – nämlich der Rivalität zwischen Valentino und Marc. Und das hat praktisch alles in den Vordergrund gerückt und die Erfolge der anderen in den Schatten gestellt. Ohne Vale oder Marc ihre Verdienste absprechen zu wollen, die sie verdient haben. Sie sind zwei Legenden. Für mich sind sie die beiden besten Fahrer der Geschichte und verdienen es daher, immer im Rampenlicht zu stehen.
Aber ich kenne Joan sehr gut, ich kenne ihn seit seinem Debüt. Joan debütierte 2016 in der Moto3, gewann bereits in jenem Jahr Rennen, wurde «Rookie des Jahres» und im folgenden Jahr Weltmeister, wobei er den Siegesrekord von Valentino in dessen zweitem Jahr einstellte. Anschließend wechselte er in die Moto2, fuhr dort nur ein Jahr und wurde in einem turbulenten Jahr, in dem es innerhalb des Marc-VDS-Teams viele Probleme gab, zum «Rookie des Jahres» gekürt.
Im folgenden Jahr schafften wir den Sprung in die MotoGP mit einer Suzuki-Werksmaschine – einem Motorrad, das seit 20 Jahren keinen Sieg mehr in der Weltmeisterschaft errungen hatte. In seinem zweiten Jahr wurde Joan – für alle völlig unerwartet – MotoGP-Weltmeister. Das ist eine kometenhafte Karriere, mit einem Motorrad, das zu dieser Zeit den anderen unterlegen war. Zudem war es ein seltsames Jahr, das COVID-Jahr.
Diesen Titel herabzuwürdigen, nur weil wenige Grands Prix gefahren wurden, erscheint mir absurd. Im folgenden Jahr, in einem Jahr, in dem Suzuki als einziger Hersteller vorne und hinten über keine Devices verfügte, wurde er Dritter in der Weltmeisterschaft – mit einem Motorrad, das den anderen technisch unterlegen war. Danach passierte, was passierte: Suzuki zog sich aus der Meisterschaft zurück, wir kamen zu Honda – und zwar zum schlechtesten Zeitpunkt.
Die Leute werfen ihm vor, dass er zu oft stürzt, aber Joan hat einfach einen unglaublichen Ehrgeiz. Und er stürzt, weil er versucht, viel schneller zu fahren, als es das Motorrad zulässt. Er versucht es, Rennen für Rennen. Und dafür muss man ihm dankbar sein. Und ich glaube, dass man bei Gresini seine Erfolgsbilanz zu schätzen weiß und den Einsatz würdigt, den es kostet, diese Honda mehrfach auf das Podium zu bringen und laufend um die Spitzenplätze zu kämpfen.
Bei Raul Fernandez war es alles andere als sicher, dass er 2027 mit dem Team Trackhouse weitermachen kann. Was Raul betrifft, so ist er ein Fahrer, der seit Mitte des letzten Jahres eine hervorragende Entwicklung vorweisen kann. Er ist ein Fahrer, der aus den Tiefen, aus den hinteren Reihen gekommen ist. Er hat letztes Jahr in der Schlussphase der Meisterschaft eine unglaubliche Aufholjagd hingelegt. Er hat in Australien gewonnen, in Indonesien stand er auf dem Podium. Anschließend startete er mit einem Podestplatz in Thailand ins neue Jahr. Danach folgte der Sieg (im Sprint, Anm.) in Mugello. Es erzielte erneut mehrere Podiumsplätze, bis er schließlich im Hauptrennen in Silverstone den Sieg holte.
Die Leute scheinen diese Ergebnisse nicht zu würdigen. Dass man nicht wertschätzt, dass er kein Werksmotorrad hatte, überrascht mich. Die MotoGP ist eine Meisterschaft, in der niemand etwas verschenkt. Aber ich verstehe immer noch nicht, warum er nach dem ersten oder zweiten Rennen der Meisterschaft noch kein Vertragsverlängerungs-Angebot erhalten hatte.
Dass Joan und Raul für das nächste Jahr ein Motorrad haben, ist nicht mein Verdienst, der Verdienst gebührt einzig und allein zwei Fahrern, die beide absolute Spitzenfahrer sind. Und wer das nicht sehen will, der soll sich etwas anderem widmen oder woanders hinschauen.
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