Sensationeller Marco Bezzecchi: «Hoffe, der Rekord übersteht einen Tag»
Im Zeittraining von Silverstone wechselte die Führung im Minutentakt. Als es drauf ankam, meldete sich Marco Bezzecchi zurück. Mit einer Sensationsrunde landete der Aprilia-Pilot einen Volltreffer.
Marco Bezzecchi ist zurück. So die unmissverständliche Botschaft, die Aprilia aus dem sonnigen England absetzte. Bezzecchi, der sich vor einer Woche auf einem Aprilia-Superbike auf seiner Heimstrecke in Misano einem Funktionstest unterzogen hatte und der keine 24 Stunden vor dem Zeittraining in Silverstone noch einen Check der MotoGP-Ärzte über sich ergehen lassen musste, dokumentierte seine Verfassung mit einer überragenden Bestzeit und Rundenrekord.
Bereits im FP1 hatte Bezzecchi mit P2 als bestem Aprilia-Vertreter gezeigt, dass er die Regenerationsphase gut nutzen konnte. Die Art und Weise, wie Bezzecchi dann aber nochmals nachlegen konnte, sorgte für die Überraschung des Auftakts zum britischen GP. Aus dem Stand unterbot Bezzecchi seine bisherige Bestmarke und sammelte dann maximal viele Runden im Renntempo. Aus dem Gemetzel um die Bestzeit hielt sich die Nummer 72 heraus.
Marc Marquez verlor 0,733 Sekunden auf Bezzecchi
Die Bühne überließ «Bez» erst einmal den Kollegen der Trackhouse-Mannschaft. Ogura und Fernandez überboten sich mit Rekordrunden. Als Raul Fernandez den Pflock bei 1:56,615 min eingeschlagen hatte, schien die Frage nach der Bestzeit geklärt. Doch Bezzecchi gelang es, die bereits fabelhafte neue Bestmarke nochmals um über 0,3 Sekunden zu verbessern. 1:56,280 min – nicht nur in der Aprilia-Box blieben die Münder eine Weile geöffnet. An Teamkollege und WM-Leader verteilte Bezzecchi eine halbe Sekunde, Marc Marquez hängte er 0,733 Sekunden um.
Schon am Donnerstag hatte sich Marco Bezzecchi nicht schüchtern gezeigt. Sollte das Gefühl passen, so die Aussage des Rückkehrers, werde er sich nicht zurückhalten. Nach der Fabelzeit und der Ansage an die MotoGP-Konkurrenz atmete der Aprilia-Pilot durch: «Ein fantastischer Tag. Nicht nur, weil ich diese Rundenzeit geschafft habe – auch, weil ich überhaupt hier bin, das Comeback geschafft habe.»
Dass die beiden Freitagssitzungen nicht spurlos an Bezzecchi vorbeigingen, bewies sein spätes Eintreffen beim Media-Debrief. Zunächst galt es, den Körper mit einer Physio-Einheit zu behandeln. «Bez» berichtete: «Samstags bin ich aus Deutschland zurückgeflogen. Am Sonntag wurde ich operiert. Nicht nur am Schlüsselbein, sondern auch am Knie, dass es auch den Knochen erwischt hatte. Am Montag ging es ins Fitnessstudio und zur Physio. Diese Tage waren eine Katastrophe, ich habe absolut alles dafür getan, hier zu sein. Ich bin sehr happy – aber ich bin auch erledigt.»
Nach fünf Runden kommen die Probleme
Der auf WM-Rang 4 zurückgefallene Italiener unterstrich weiter: «Es ist etwas anderes, eine Runde durchzuziehen, als Rennen zu fahren. Nach fünf Runden am Stück habe ich Probleme bekommen und Fehler gemacht. Das Knie ist dabei das größere Problem. Es war jetzt zum Schluss stark geschwollen, die Richtungswechsel fielen sehr schwer. Ziel ist es erst einmal, beide Rennen zu Ende zu fahren. Und bis es soweit ist, werde ich viel Zeit mit Physio verbringen. Ich hoffe, dass ich morgen ohne Hilfsmittel aus dem Bett komme.»
Bezzecchis Fazit nach einem außergewöhnlichen Comeback: «Natürlich bedeutet eine Bestzeit am Freitag nichts. Aber – ich besitze zumindest für einen Tag den Rekord und ich hoffe, er übersteht den morgigen Tag.»
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