Techniker und Freund Norman Rank: «Ai geht nicht oft ins Fitnessstudio»
Der ehemalige Crew-Chief und enge Fahrerlager-Freund Norman Rank spricht über die Geheimnisse der Stärken von Assen-Premierensieger Ai Ogura und warum der Japaner nicht pumpt.
Bevor der MotoGP-Tross in Bälde zum Traditions-Event im Rahmen des Liqui-Moly-Motorrad-Grand-Prix von Deutschland auf dem Sachsenring aufschlägt, gönnen sich die vielen Athleten einige Tage Pause. Assen-MotoGP-Sieger Ai Ogura ist direkt nach seinem Premieren-Triumph in seine japanische Heimat geflogen. Der 25-Jährige aus Tokio aus dem Trackhouse-Aprilia-Team hat sich mit den starken Leistungen der vergangenen Rennen in den Kreis der Top-WM-Kandidaten katapultiert.
Sein ehemaliger deutscher Crew-Chief Norman Rank (52), mit dem sich Ogura 2024 den Moto2-WM-Titel geholt hat, kennt den Japaner wie kaum ein Zweiter im WM-Paddock. Der aus Schleiz stammende Rank war selbst Rennfahrer, hatte Ogura knapp neun Jahre unter seinen Fittichen und übernahm den Ausnahmekönner einst im Alter von 15 Jahren in der HRC-Nachwuchsstruktur für die Junioren-WM. Dann ging es gemeinsam im Team Asia durch die Moto3- und Moto2-WM. Den Titel gewann das Duo 2024 bei der spanischen Mannschaft von MSi Racing. Ogura war 2020 Vize-Weltmeister in der Moto3-Klasse und 2022 Zweiter in der Moto2-WM.
Nicht nur sein künftiger Yamaha-Teamkollege Jorge Martin kann vom Fahrstil des Japaners ein Lied singen, was er in Assen in der offiziellen Pressekonferenz auf amüsante Art tat. Auch Norman Rank ist begeistert von der Fahrweise des Mannes aus Kiyose bei Tokio. Hinter all den guten Ergebnissen des stoischen Japaners steht zudem eine staubtrockene Strategie, die ganz einfach klingt. Rank: «Ai hat einen eigenen Plan. Er hat es sich im ersten Jahr zum Ziel gesetzt, konstant Top-10-Plätze zu holen. Im zweiten Jahre ging es jetzt an die Podiumsplätze und den Sieg und das macht er jetzt auch.»
«Ai fährt das Motorrad nicht mit Kraft, sondern mit Talent», hält der Techniker fest und legt nach: «So viel ich weiß, hat Ai auch noch nie über Armpump geklagt. Er sagt immer, er lernt am meisten beim Motorradfahren dazu. Er hat daher auch zuhause ein halbes Dutzend Motorräder stehen, die er immer wieder bewegt, und er trainiert auch mit 1000er-Bikes. Er geht nicht ins Fitnesscenter, nur wenn er muss. Bei Trackhouse war das zunächst ein Thema.«
Norman Rank ortet hier ohnehin eine zu hinterfragende Gewichtung der Wertigkeiten in Bezug auf die Physis bei den Rennfahrern: «Manche jungen Fahrer sehen von einem auf das andere Jahr aus wie Preisboxer oder MMA-Fighter. Aber diese Muskeln brauchen dann auch Sauerstoff.»
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